Liebe und tu Gutes statt wegzuschauen oder in Schubladen zu denken ....
Predigt zu Lukas 6,27-38 - gehalten am 12. November 2017 in der Stadtkirche Pforzheim
Ich sage euch, die ihr zuhört:
Liebt eure Feinde;
tut wohl denen, die euch hassen;
segnet, die euch verfluchen;
bittet für die, die euch beleidigen.
Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar;
und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
Wer dich bittet, dem gib;
und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Und wenn ihr liebt, die euch lieben,
welchen Dank habt ihr davon?
Denn auch die Sünder lieben, die ihnen Liebe erweisen.
Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut,
welchen Dank habt ihr davon?
Das tun die Sünder auch.
Und wenn ihr denen leiht,
von denen ihr etwas zu bekommen hofft,
welchen Dank habt ihr davon?
Auch Sünder leihen Sündern,
damit sie das Gleiche zurückbekommen.
Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes
und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen.
So wird euer Lohn groß sein,
und ihr werdet Kinder des Höchsten sein;
denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
I.
Sie schauten weg.
Sie zogen die Vorhänge zu.
Oder gingen einfach vorbei.
Damals -
als das Wort Jude auf das Schaufenster des Zigarrengeschäfts geschmiert wurde.
Als die Scheiben zu Bruch gingen und der Inhaber verprügelt wurde.
Und ins Gefängnis kam.
Sie schauten weg. Oder machten sogar mit.
Und gingen hinterher an die Kasse des Zigarrengeschäfts und plünderten sie.
Die Juden wurden zu Feinden erklärt.
Entmenschlicht. Entwürdigt.
Und sie machten mit.
Unsere Vorfahren.
Denn es waren ja die Feinde.
Volksverräter.
Welche, die dem Volk schadeten.
So wurden die Juden benannt. Und so glaubte man es.
Warum sich um ihretwillen in Gefahr bringen?
Es gab auch andere.
Die brachten sich in Gefahr.
Haben trotzdem in den Läden eingekauft.
Gingen trotzdem zum jüdischen Arzt.
Und halfen ihren Nachbarn das Land zu verlassen.
Es gab sie.
Sie weigerten sich,
in ihren jüdischen Nachbarn Feinde zu sehen.
Sie folgten Jesus und machten darum nicht mit.
Durchbrachen die Regel. Aber es waren zu wenig.
II.
Mach nicht mit, sagt Jesus.
Mach nicht mit, wenn es um Hass und Gewalt geht.
Mach nicht mit, wo Menschen zu Unmenschen werden.
Steig aus dieser Spirale aus.
Mach es anders.
Liebe und tu Gutes.
Und du wirst sehen, was zurück kommt.
III.
Jesus sagt aber noch mehr.
Liebe, auch wenn der andere wirklich dein Feind ist.
Liebe, auch wenn er dich hasst und dir Böses will.
Schlage nicht zurück, auch wenn er dich schlägt.
Schütze dein Eigentum nicht, auch wenn er es dir wegnimmt.
Ja, das ist schwer. Richtig schwer.
Und darum schaffen das auch nur wenige.
Der Probst von Coventry zum Beispiel.
Als seine Kathedrale von deutschen Piloten zerbombt wurde,
ging Probst Howard in die Ruine
und fügte aus großen Zimmermannsnägeln ein Kreuz.
Wir werden nicht hassen,
sagte er in seiner BBC-Ansprache zu Weihnachten.
„Mit Christus, der heute in unseren Herzen wiedergeboren wurde, versuchen wir
- so schwer es auch sein mag -
alle Gedanken an Rache zu verbannen.“
Probst Howard machte nicht mit.
Er - der Brite - verurteilte die britischen Bombenangriffe.
Und knüpfte Kontakte zu deutschen Brüdern und Schwestern.
Die tragen bis heute.
Wir sehen das an unserem Nagelkreuz hier. (1)
Mach nicht mit.
Mach es anders.
Liebe und tu Gutes.
Und du wirst sehen, was zurück kommt.
IV.
Mach es anders.
Es fängt im Kopf an. Und im Herz.
Aber wo hört es auf?
Für Jesus noch nicht mal am Kreuz.
Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
Liebe pur.
Für alle, die ihn hassen.
Und ihm weh tun.
Und ihn töten.
Ich weiß nicht, ob ich das könnte.
(.....)
V.
Vermutlich könnte ich das nicht.
Aber ich will im Kopf und im Herzen damit anfangen.
Ich will aussteigen aus dem Schubladendenken.
Will Menschen nicht einteilen in brauchbar und unbrauchbar.
Ich will nicht hören auf die,
die mir Angst vor Fremden machen
und sie mir zu Feinden erklären.
Ich will auch nicht auf die hören,
die davor warnen, großzügig zu sein.
Ich will meinen Mantel teilen wie St. Martin.
Will mein Misstrauen wegpacken
und möglichst nicht mehr hervorholen,
wenn eine Bettlerin was von mir will.
Natürlich weiß ich auch, dass es Drückerbanden gibt.
Und dass ich mit ein paar Cent nicht die Welt rette.
Aber ich könnte mich ja auch zu ihr setzen
und mir ihr reden.
Oder ich kaufe ihr einen Kaffee.
Liebe und tu Gutes. Warte nicht auf Dank.
Mach es anders.
VI.
Christa und Hans, Christian und Mirzeta, Peter und Nicola,
sie und viele andere tun genau das,
wenn sie Flüchtlinge begleiten.
Mit ihnen Formulare ausfüllen,
Wohnung suchen, zum Gericht gehen,
Mit ihnen weinen oder lachen und mit dem Deutsch helfen.
Sie sind mit Kopf und Herz dabei.
Und wenn hier im Januar die Vesperkirche startet, (2)
passiert auch genau das:
Die Helfenden reißen ihre inneren Schubladen auf
und lassen sie offen.
Sie putzen und organisieren und verteilen
und setzen sich zu den Gästen.
Es ist harte Arbeit.
Aber bei ihnen allen,
ob die in der Flüchtlingsarbeit
und denen in der Vesperkirche,
Bei allen fängt es an mit dem Herzenssatz:
Wir lieben und wir tun Gutes.
Sie alle hätten auch was anderes zu tun.
Alle könnten sagen:
der oder die hat das gar nicht verdient.
Oder: vielleicht sind die sogar selber schuld?
Aber sie machen es anders.
Geben ihre Zeit und manche auch viel Geld.
VII.
Vor 79 Jahren wurden hier in Pforzheim wie überall in Deutschland
die jüdischen Geschäfte und die Synagoge zerstört.
Seit 3 Jahren laden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Nichtjuden ein.
Ausgerechnet an diesem Tag, am 10.November.
Nachfahren der damaligen Täter laden sie ein.
Auch ich darf dabei sein -
obwohl meine Vorfahren Juden gehasst haben.
Nach der Gedenkfeier auf dem Platz der Synagoge
essen wir zusammen.
Trinken. Reden. Lachen. Und staunen.
Wir wissen um die Kostbarkeit dieses Augenblicks.
Dass wir keine Feinde mehr sind, sondern Freunde.
Sie, unsere jüdischen Geschwister tun genau das,
was Jesus sagt:
Sie tun wohl denen, die sie gehasst haben;
segnen, die sie verflucht haben.
Sie sind die Kinder des Höchsten.
VIII.
So weit gehen wir noch nicht mal in der Vesperkirche
und nicht mit den Flüchtlingen.
Denn die, denen wir hier helfen, sind nicht unsere Feinde.
Und sie hassen uns nicht
und verfluchen und beleidigen uns nicht.
Aber das, was viele von uns da tun, ist der Anfang.
Ganz klein und ganz einfach und vor allem im Herzen.
Liebe und tu Gutes.
Lass dich nicht aufhalten.
Lass dir nicht einreden, das sei unvernünftig.
Liebe und tu Gutes.
Ja, da fängt es an.
Und da hört es noch lange nicht auf.
Aber es verändert die Welt.
Und du wirst sehen, was zurück kommt.
Amen.
(1) Seit 2005 gehört die Stadtkirche zur Nagelkreuzgemeinschaft. Nähere Infos: http://www.nagelkreuzzentrum-pforzheim.de/
(2) Die Vesperkirche ist ein ökumenisches Projekt, ehrenamtlich getragen, und findet jedes Jahr von Mitte Januar bis Mitte Februar in der Stadtkirche statt.
Sonntag, 12. November 2017
Dienstag, 31. Oktober 2017
Entgegenstellen - mit einem Wörtlein
Predigt zum Reformationsfest 2017 (zu Matthäus 4,1-8)
gehalten in Altdorf bei Nürnberg
I.
Mach dich frei.
Lege die Zwänge ab und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Er macht sich auf,
der Theologieprofessor Dr. Martinus Luther,
Mönch und Wissenschaftler,
Allen Mut nimmt er zusammen.
Bringt seine 95 Thesen unters Volk.
Die von der Freiheit vom Ablass
und vom Gehorsamszwang gegen den Papst.
Ja, er macht sich frei
und sagt den Dämonen seiner Zeit den Kampf an.
Stellt sich ihnen in den Weg.
Richtet das Wort gegen den Fürsten der Welt,
der ihn klein machen will.
Und dich und mich auch.
Da gibt es viele Fürsten, die ihm helfen und denen er hilft.
Aber auch Fürsten, die ihn mundtot machen wollen.
Der eigentliche Fürst ist aber ein ganz anderer.
Das Böse.
Der Teufel.
Der Fürst dieser Welt.
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
II.
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt,
damit er von dem Teufel versucht würde.
Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3):
»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt
und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12):
»Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben;
und sie werden dich auf den Händen tragen,
damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16):
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg
und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm:
Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan!
Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13):
»Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
Da verließ ihn der Teufel.
Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.
III.
Mach dich frei und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich ihm entgegen.
Denn du bist frei.
Ein freies Gotteskind - in den Spuren von Jesus.
Du bist frei und doch gebunden.
Denn du lebst nicht auf einer Insel,
sondern hier, wo das Leben tobt.
Und der Tod.
Wo der Wind pfeift und die Kürbisse zu Fratzen werden.
Der frisch getaufte Jesus setzt sich dem Leben aus.
Es ist schwer zu ertragen:
dieses Leben voll mit Sturm und Fratzen und Tod.
Es ist schwer zu ertragen, dass die Kinder in Jemen an Cholera sterben.
Und die junge Nachbarin an Leukämie.
Oder dass die nigerianischen Mädchen von Boko Haram Bombengürtel umgebunden kriegen.
Dein Leben geht weiter,
aber wenigstens für die anderen willst du einen,
der Steine zu Brot machen kann
und dem allen ein Ende.
Der mit dem Finger schnippt
und alle Lebensprobleme einfach auflöst.
Du versuchst ihn zu bestechen -
durch Ablassbriefe oder besonders fromme Gebete.
Ja, du willst einen, der endlich mal seine Macht durchsetzt.
Und der tut, was du willst.
Und was das sogenannte Volk will, auch.
Du sehnst dich danach, dass endlich alles richtig ist.
Richtig läuft.
Kein Sand im Getriebe mehr.
Ja, so sollte Gott sein, wenn du das schon selber nicht kannst.
IV.
Aber so ist der Jesus-Gott nicht.
Er ist so frei, dass er auf alles verzichtet,
was ihn zu einem Gott machen würde, wie du ihn haben willst.
Er verzichtet auf Besitz,
auf Heldendemonstration
und vor allem verzichtet er auf Macht.
Er lässt sich nicht instrumentalisieren für die Bedürfnisse -
noch nicht mal für die eigenen.
Und ja, das ist die größte Versuchung:
Dass du deine eigenen Bedürfnisse auf Gott überträgst:
Er soll erledigen, was du nicht kannst.
Er soll bestrafen und herrschen und Macht ausüben.
Er soll dafür sorgen, dass alle so sind wie du.
Und so machst du ihn harmlos
oder zum tyrannischen Götzen.
Mit intensiven und besonders bibelfesten Gebeten lässt er sich einfangen,
denkst du.
So wie vor 500 Jahren die Ablässe oder das Verbrennen von Ketzern.
Ein Gott, der Opfer braucht.
Die größte Versuchung:
Gott könnte dein Ebenbild sein. Statt umgekehrt.
V.
Leg die Zwänge ab und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich dem Fürsten der Welt entgegen.
Du kannst die Dämonen, die dich plagen, in die Wüste schicken.
Aber du kommst nicht darum herum:
Deine Wüste ist in dir.
Dort, wo du nicht mehr weiter weißt.
Wo es so gnadenlos zugeht,
Und du dein eigener Staatsanwalt wirst.
Wo kein Schnipser die Steine zu Brot verwandeln kann.
Da ist deine Wüste.
VI.
Stelle dich ihm entgegen.
Schaue dem Teufel ins Gesicht.
Er spielt mit deiner Angst und den Ängsten dieser Welt.
Er treibt dich in den Perfektionswahn.
Das macht dich krank. Und unbarmherzig.
Mauern lässt er dich bauen, damit du dich sicherer fühlst.
Aber du fühlst dich nicht sicherer.
Er macht aus einzelnen Menschen eine Masse.
Wie damals vor 80 Jahren.
Und so wird heute aus Flüchtlingen eine Flutwelle.
Und selbst Luther, der es doch besser wissen musste,
hetzte gnadenlos und erbarmungslos gegen Juden und Bauern.
Der Diabolos, der Spalter ist auch bei Luther sehr erfolgreich gewesen.
Und uns spaltet er zwischen Einheimischen und Zuwanderern,
zwischen Christen und Muslimen und Juden.
Ja, das alles ist teuflisch.
Mittendrin steckst du.
Wozu Menschen fähig sind, weißt du -
aus dem Geschichtsbuch.
Aus der Tagesschau.
Und vielleicht von dir selbst.
Aber da sind Hände, die deine Fesseln lösen.
Arme, die dich umfangen.
Und die Welt auch.
Und Augen, die dich nicht mustern, sondern in dein Herz schauen.
Bis es ruhig wird. Und fest.
VII.
Mach dich frei und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich ihm entgegen.
Mit dem Wörtlein der Gnade.
Es mag so harmlos klingen.
Aber es ist es nicht.
Denn als uneheliches Kind hätte es mich in den 60er Jahren nicht geben dürfen.
Aber es gab mich.
Und die Welt schaute kritisch.
Was soll aus diesem Kind schon werden?
Schüchtern. Mit einer überforderten Mutter.
Aber da war dieses Wort:
Lass dir nicht einreden, du seist weniger wert als die anderen.
Du bist ein Kind Gottes.
Wort der Gnade.
Und wenn mir heute Menschen einreden wollen,
ich dürfe nichts sagen,
weil eine Kirchenfrau nicht politisch reden darf -
Dann ist da dieses Wort:
Du bist ein Kind Gottes.
Mit der Gabe zu Reden.
Also tu es.
Hab keine Angst.
Wort der Gnade.
Und wenn Menschen behaupten,
euer Dekan dürfe keinen Muslim einladen*,
dann ist da dieses Wort:
Beide sind Kinder Gottes, die einander begegnen.
Und das ist gut so und richtig.
Wort der Gnade.
Und wenn ich die Gnadenlosigkeit unserer Politik sehe,
die erklärt ein Land voller Tretminen und Terroranschlägen zum sicheren Land,
und schickt die Flüchtlinge dorthin zurück -
dann ist da dieses Wort:
Es sind Kinder Gottes - wie du.
Stell dich an ihre Seite.
Wort der Gnade.
VIII.
Du bist ein Gotteskind.
Und du bleibst es.
Du musst nicht anders sein als du bist.
Nicht besser, nicht perfekter.
Nicht klüger und nicht schöner.
Und du brauchst weder dir noch Gott was vor zu machen.
Aber du bist ein freier Mensch.
Stell dich dem Teufel entgegen, so gut es geht.
Ein Wörtlein genügt.
Probier es aus.
Gnade.
Das ist das Wörtlein.
Freie Gnade in einer unfreien gnadenlosen Welt.
Gnade - ein Wörtlein, das den Fürsten der Welt fällt.
Und dich frei macht.
Die Gnade sieht die Welt mit anderen Augen und umarmt sie.
Sie schickt dir Engel, die dir dienen.
Und sie richtet dich auf, wie nur sie es kann.
Weil sie dich nicht verurteilt, sondern liebt.
Mit einem Wörtlein.
Amen.
* Zum Reformationstag 2016 hatte Dekan Jörg Breu den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek für einen Vortrag in die St.Laurentius-Kirche in Altdorf eingeladen. Dafür wurde er u.a. vom 3. Bürgermeister beschimpft und erhielt anonyme Morddrohungen.
gehalten in Altdorf bei Nürnberg
I.
Mach dich frei.
Lege die Zwänge ab und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Er macht sich auf,
der Theologieprofessor Dr. Martinus Luther,
Mönch und Wissenschaftler,
Allen Mut nimmt er zusammen.
Bringt seine 95 Thesen unters Volk.
Die von der Freiheit vom Ablass
und vom Gehorsamszwang gegen den Papst.
Ja, er macht sich frei
und sagt den Dämonen seiner Zeit den Kampf an.
Stellt sich ihnen in den Weg.
Richtet das Wort gegen den Fürsten der Welt,
der ihn klein machen will.
Und dich und mich auch.
Da gibt es viele Fürsten, die ihm helfen und denen er hilft.
Aber auch Fürsten, die ihn mundtot machen wollen.
Der eigentliche Fürst ist aber ein ganz anderer.
Das Böse.
Der Teufel.
Der Fürst dieser Welt.
Ein Wörtlein kann ihn fällen.
II.
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt,
damit er von dem Teufel versucht würde.
Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
Und der Versucher trat herzu und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.
Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3):
»Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt
und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12):
»Er wird seinen Engeln für dich Befehl geben;
und sie werden dich auf den Händen tragen,
damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16):
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«
Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg
und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm:
Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan!
Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13):
»Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
Da verließ ihn der Teufel.
Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm.
III.
Mach dich frei und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich ihm entgegen.
Denn du bist frei.
Ein freies Gotteskind - in den Spuren von Jesus.
Du bist frei und doch gebunden.
Denn du lebst nicht auf einer Insel,
sondern hier, wo das Leben tobt.
Und der Tod.
Wo der Wind pfeift und die Kürbisse zu Fratzen werden.
Der frisch getaufte Jesus setzt sich dem Leben aus.
Es ist schwer zu ertragen:
dieses Leben voll mit Sturm und Fratzen und Tod.
Es ist schwer zu ertragen, dass die Kinder in Jemen an Cholera sterben.
Und die junge Nachbarin an Leukämie.
Oder dass die nigerianischen Mädchen von Boko Haram Bombengürtel umgebunden kriegen.
Dein Leben geht weiter,
aber wenigstens für die anderen willst du einen,
der Steine zu Brot machen kann
und dem allen ein Ende.
Der mit dem Finger schnippt
und alle Lebensprobleme einfach auflöst.
Du versuchst ihn zu bestechen -
durch Ablassbriefe oder besonders fromme Gebete.
Ja, du willst einen, der endlich mal seine Macht durchsetzt.
Und der tut, was du willst.
Und was das sogenannte Volk will, auch.
Du sehnst dich danach, dass endlich alles richtig ist.
Richtig läuft.
Kein Sand im Getriebe mehr.
Ja, so sollte Gott sein, wenn du das schon selber nicht kannst.
IV.
Aber so ist der Jesus-Gott nicht.
Er ist so frei, dass er auf alles verzichtet,
was ihn zu einem Gott machen würde, wie du ihn haben willst.
Er verzichtet auf Besitz,
auf Heldendemonstration
und vor allem verzichtet er auf Macht.
Er lässt sich nicht instrumentalisieren für die Bedürfnisse -
noch nicht mal für die eigenen.
Und ja, das ist die größte Versuchung:
Dass du deine eigenen Bedürfnisse auf Gott überträgst:
Er soll erledigen, was du nicht kannst.
Er soll bestrafen und herrschen und Macht ausüben.
Er soll dafür sorgen, dass alle so sind wie du.
Und so machst du ihn harmlos
oder zum tyrannischen Götzen.
Mit intensiven und besonders bibelfesten Gebeten lässt er sich einfangen,
denkst du.
So wie vor 500 Jahren die Ablässe oder das Verbrennen von Ketzern.
Ein Gott, der Opfer braucht.
Die größte Versuchung:
Gott könnte dein Ebenbild sein. Statt umgekehrt.
V.
Leg die Zwänge ab und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich dem Fürsten der Welt entgegen.
Du kannst die Dämonen, die dich plagen, in die Wüste schicken.
Aber du kommst nicht darum herum:
Deine Wüste ist in dir.
Dort, wo du nicht mehr weiter weißt.
Wo es so gnadenlos zugeht,
Und du dein eigener Staatsanwalt wirst.
Wo kein Schnipser die Steine zu Brot verwandeln kann.
Da ist deine Wüste.
VI.
Stelle dich ihm entgegen.
Schaue dem Teufel ins Gesicht.
Er spielt mit deiner Angst und den Ängsten dieser Welt.
Er treibt dich in den Perfektionswahn.
Das macht dich krank. Und unbarmherzig.
Mauern lässt er dich bauen, damit du dich sicherer fühlst.
Aber du fühlst dich nicht sicherer.
Er macht aus einzelnen Menschen eine Masse.
Wie damals vor 80 Jahren.
Und so wird heute aus Flüchtlingen eine Flutwelle.
Und selbst Luther, der es doch besser wissen musste,
hetzte gnadenlos und erbarmungslos gegen Juden und Bauern.
Der Diabolos, der Spalter ist auch bei Luther sehr erfolgreich gewesen.
Und uns spaltet er zwischen Einheimischen und Zuwanderern,
zwischen Christen und Muslimen und Juden.
Ja, das alles ist teuflisch.
Mittendrin steckst du.
Wozu Menschen fähig sind, weißt du -
aus dem Geschichtsbuch.
Aus der Tagesschau.
Und vielleicht von dir selbst.
Aber da sind Hände, die deine Fesseln lösen.
Arme, die dich umfangen.
Und die Welt auch.
Und Augen, die dich nicht mustern, sondern in dein Herz schauen.
Bis es ruhig wird. Und fest.
VII.
Mach dich frei und tu, was du tun musst.
Lass dich nicht einschüchtern.
Lass dir nicht den Mund verbieten.
Mach dich auf.
Und stelle dich ihm entgegen.
Mit dem Wörtlein der Gnade.
Es mag so harmlos klingen.
Aber es ist es nicht.
Denn als uneheliches Kind hätte es mich in den 60er Jahren nicht geben dürfen.
Aber es gab mich.
Und die Welt schaute kritisch.
Was soll aus diesem Kind schon werden?
Schüchtern. Mit einer überforderten Mutter.
Aber da war dieses Wort:
Lass dir nicht einreden, du seist weniger wert als die anderen.
Du bist ein Kind Gottes.
Wort der Gnade.
Und wenn mir heute Menschen einreden wollen,
ich dürfe nichts sagen,
weil eine Kirchenfrau nicht politisch reden darf -
Dann ist da dieses Wort:
Du bist ein Kind Gottes.
Mit der Gabe zu Reden.
Also tu es.
Hab keine Angst.
Wort der Gnade.
Und wenn Menschen behaupten,
euer Dekan dürfe keinen Muslim einladen*,
dann ist da dieses Wort:
Beide sind Kinder Gottes, die einander begegnen.
Und das ist gut so und richtig.
Wort der Gnade.
Und wenn ich die Gnadenlosigkeit unserer Politik sehe,
die erklärt ein Land voller Tretminen und Terroranschlägen zum sicheren Land,
und schickt die Flüchtlinge dorthin zurück -
dann ist da dieses Wort:
Es sind Kinder Gottes - wie du.
Stell dich an ihre Seite.
Wort der Gnade.
VIII.
Du bist ein Gotteskind.
Und du bleibst es.
Du musst nicht anders sein als du bist.
Nicht besser, nicht perfekter.
Nicht klüger und nicht schöner.
Und du brauchst weder dir noch Gott was vor zu machen.
Aber du bist ein freier Mensch.
Stell dich dem Teufel entgegen, so gut es geht.
Ein Wörtlein genügt.
Probier es aus.
Gnade.
Das ist das Wörtlein.
Freie Gnade in einer unfreien gnadenlosen Welt.
Gnade - ein Wörtlein, das den Fürsten der Welt fällt.
Und dich frei macht.
Die Gnade sieht die Welt mit anderen Augen und umarmt sie.
Sie schickt dir Engel, die dir dienen.
Und sie richtet dich auf, wie nur sie es kann.
Weil sie dich nicht verurteilt, sondern liebt.
Mit einem Wörtlein.
Amen.
* Zum Reformationstag 2016 hatte Dekan Jörg Breu den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek für einen Vortrag in die St.Laurentius-Kirche in Altdorf eingeladen. Dafür wurde er u.a. vom 3. Bürgermeister beschimpft und erhielt anonyme Morddrohungen.
Sonntag, 24. September 2017
Ich will... - und auch nicht
Predigt zu Lukas 18,28-30
(Diese Predigt am Tag der Bundestagswahl 2017 teilt im Wesentlichen Worte von Annegret Zander und teilweise von Jörg Breu und Finn Bird*. Ich bin allen dreien und der Community vom Zentrum für evangelische Predigtkultur sehr dankbar für das gemeinschaftliche Ringen um die richtigen Worte zur richtigen Zeit.)
I.
Einmal stand ein junger Mann vor Jesus.
Mit Schule und Ausbildung fertig,
am Anfang des Berufslebens.
Von den Eltern hat er viel mitbekommen,
um sich ein gutes Leben aufbauen zu können.
Jetzt steht er da:
Neugieriges Suchen in den Augen,
das Herz voller Tatendrang und Eifer.
Allen Mut hat er zusammen genommen,
als er Jesus anspricht:
„Hier bin ich. Sag mir, was muss ich tun,
um das ewige Leben zu erhalten?“
Jesus schaut ihn an - ein Blick voller Liebe.
Und dann kommt die Aufforderung:
„Verkaufe alles, was du hast, und folge mir nach.“
Das Herz des jungen Mannes schreit lautlos auf.
„Alles verkaufen – das kann ich nicht.
Das schaff ich nicht. Nein!“
Der junge Mann geht traurig weg.
Und auch Jesus schaut ihm traurig nach.
Dann kommt da noch der Satz mit dem Kamel,
das eher durch ein Nadelöhr geht,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.
Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
II.
Die Jünger waren da klar.
So erzählt Lukas: (Lk 18, 28-30)
Da sagte Petrus zu Jesus:
»Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen
und sind dir nachgefolgt.“
Jesus antwortete ihnen:
»Amen, das sage ich euch:
Jeder, der für das Reich Gottes etwas zurückgelassen hat
– Haus, Ehefrau, Geschwister, Eltern oder Kinder –,
wird dafür ein Vielfaches neu bekommen –
schon jetzt in dieser Zeit –
und das ewige Leben dann, wenn Gottes Reich kommt.«
III.
Jesus nachfolgen - so ganz und gar,
ist das das Richtige für dich und für mich?
Ich wäge ab, überlege hin und her.
Kann ich das? Will ich das? Will ich das so?
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Nein. Ich gebe zu, das ist nicht meins.
Ich will keine Jüngerin sein.
Ich will nicht das Haus verlassen,
die sichere Wohnung, meine Familie nicht,
auch wenn es oft genug schwierig ist.
Ich will auch nicht mein kleines Leben aufgeben,
das es gut mit mir meint.
Ich will nicht heraustreten aus dem, was mir vertraut ist,
meine Arbeit nicht vergessen,
nicht das Geld abgeben, das Monat für Monat mein Konto
und mein Sicherheitsgefühl füllt.
Ich will es nicht, und ich will es auch nicht verharmlosen.
Denn viele Menschen sind gezwungen, alles zu verlassen.
Und dann kann ich doch nicht so tun,
als sei das ganz leicht.
IV.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Ja, denke ich
Ich will eine Jüngerin sein.
Will wissen, wo es langgeht, wem ich folgen soll,
will mein Kreuzchen gesetzt haben, ein für alle Mal.
Die ganz große Wahl,
dieses wahnsinnige Leben in völliger Freiheit,
mit dem wunderbarsten Menschen, mit Jesus,
mit dieser Liebe, die überhaupt keine Scheu kennt -
Weder vor Menschen noch vor allem Fremden noch vor Schmerz.
Ich will raus, raus aus dem Alltagstrott,
diesen ganzen Mist nicht mehr sehen und nicht mehr lesen,
diese unzähligen Mails und Artikel und Debatten und Talkshows.
Ja, ich will raus und mitgehen mit ihm,
will verrückte Freunde haben,
mit unwahrscheinlichen Menschen am Tisch sitzen
und essen und über das Reich Gottes reden.
V.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Aber dann – nein.
Ich will doch keine Jüngerin sein.
Ich will nicht nur mit einem Paar Sandalen durch den Staub tappen.
In der Tasche nichts als Hoffnung.
Ich will nicht an Türen klopfen, um Brot bitten
und in harte Augen sehen und Verständnislosigkeit schmecken.
Da ist nichts Romantisches und Freies dabei.
Ich will nicht das große Elend sehen,
die Menschenmassen in Not,
5000 und mehr, die sich um uns drängen,
die hungern und dürsten und Heimat suchen.
Die in Jemen und die im Mittelmeer und die in Myanmar.
Und die 500 im Dortmunder Hochhauskomplex,
die über Nacht keine Wohnung mehr haben.
Ich will nicht fragen „Was sollen wir tun?“
Und mich dann so verantwortlich fühlen,
dass es mich lähmt, weil es zu viel ist.
VI.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch - ich sage: Ja!
Ich will eine Jüngerin sein,
will Heimatlosen Heimat geben,
will Brot teilen und Fische braten,
will sehen wie alle, 5000 und mehr, wirklich alle satt werden, mehr als satt.
Ich will sehen wie die Teepflücker in Indien gerecht bezahlt werden
und die Kinder statt in Kobalt-Minen für unsere Smartphones zu schuften
lieber zur Schule gehen.
Ich will Gerechtigkeit erleben, die jeden Menschen sieht.
In der sich nicht nur Leistung lohnt,
sondern jeder Mensch als Kind Gottes gesehen wird -
wertvoll, mit Gaben und Grenzen und so wie er ist.
Und ich will auch heute bei der Wahl Jüngerin sein
und die wählen, die lieber teilen und helfen wollen statt aussperren.
VII.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Nein, ich... nein, ich will es nicht.
Ich will kein weltfremdes Zeug hören oder sagen müssen:
über Salz das nicht salzt und Salomos Seide
und „ach! seht die Vögel unter dem Himmel“
und dass niemand sich Sorgen machen muss.
Denn ich habe nun mal Sorge um unsere Welt.
Die lässt sich spalten von Demagogen und Populisten.
Und ich fürchte mich vor ihnen.
Kann ich dann überhaupt eine Jüngerin sein - so voller Sorge?
VIII.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch. Ja.
Ich will eine Jüngerin sein,
Herr, hilf mir! rufen und gerettet werden. Sofort.
Und muss nicht mehr einsam warten,
ob da mal eine Antwort kommt auf einen Hilferuf oder ein Gebet.
Ich werde mich dann nicht länger einsam fühlen
mit Glaubensgeschwistern, die gar keine sein wollen.
Von denen manche lieber hassen als lieben,
lieber ausgrenzen als einladen.
Ich will wie Petrus den Propheten eine Hütte bauen auf dem Berg,
ein bisschen näher bei Gott sein als die Anderen,
die Kraft spüren, Eins sein mit Jesus.
IX.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und dann wieder: Nein.
Ich will nicht durch die Hölle gehen,
die Trauer nicht erleiden,wenn die Hoffnung gestorben ist.
Ich will nicht beschimpft werden als Gutmensch, nur weil ich Jesus folge.
Ich will nicht, dass mich menschenverachtende Wahlplakate anwidern.
Ich will ein dickes Fell
und manchmal will ich, dass es mir egal ist, wenn der Hass sich Bahn bricht.
Weil ich das nicht aushalte.
Und als Jüngerin könnte mich das nicht kalt lassen.
X.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch: Ich will eine Jüngerin sein.
Ich will Wunder sehen und tun.
Will Tote erwecken.
Ich will Dämonen aus Menschenseelen fortjagen,
damit die Angst aufhört und die Traurigkeit.
Will die Alpträume von Krieg und Terror im See ersäufen.
Ich will Spucke in Augen schmieren,
damit Blinde wieder sehen und Menschen die Wahrheit erkennen.
Damit Verblendeten die Augen aufgehen und sie den Hass sehen
und die Drohung hinter den Buchstaben „AfD“.
Ich will wie Jesus sagen „seht hier:
Der Weg des Todes und der Weg des Lebens“.
XI.
Ich bin so hin und her gerissen.
Will Jüngerin sein - ganz und gar -
und will es doch wieder nicht.
Petrus: was macht dich so sicher?
Hattet ihr es leichter damals?
War die Welt unkomplizierter als unsere?
Wart ihr so arm, dass es einfach war, zu gehen?
Und zu verlassen?
Ich hätte so viel zu verlassen.
Will ich deine Jüngerin sein, Jesus? Kann ich das?
Vielleicht…
Oder doch nein?
Oder…
Doch! Ich will es.
Ich will deine Jüngerin sein.
Ja!
Aber, Jesus,
ich könnte dabei wirklich deine Hilfe gebrauchen.
Heute ganz besonders.
Amen.
*) Darum habe ich auch lange überlegt, ob ich diese Predigt überhaupt veröffentlichen soll. Ich habe mich dann doch dafür entschieden, weil ich diese Worte einfach zu wichtig und zu gut finde, als dass sie heute morgen "nur" gehört wurden. Nochmal großes Danke an Annegret Zander, Jörg Breu und Finn Bird!
(Diese Predigt am Tag der Bundestagswahl 2017 teilt im Wesentlichen Worte von Annegret Zander und teilweise von Jörg Breu und Finn Bird*. Ich bin allen dreien und der Community vom Zentrum für evangelische Predigtkultur sehr dankbar für das gemeinschaftliche Ringen um die richtigen Worte zur richtigen Zeit.)
I.
Einmal stand ein junger Mann vor Jesus.
Mit Schule und Ausbildung fertig,
am Anfang des Berufslebens.
Von den Eltern hat er viel mitbekommen,
um sich ein gutes Leben aufbauen zu können.
Jetzt steht er da:
Neugieriges Suchen in den Augen,
das Herz voller Tatendrang und Eifer.
Allen Mut hat er zusammen genommen,
als er Jesus anspricht:
„Hier bin ich. Sag mir, was muss ich tun,
um das ewige Leben zu erhalten?“
Jesus schaut ihn an - ein Blick voller Liebe.
Und dann kommt die Aufforderung:
„Verkaufe alles, was du hast, und folge mir nach.“
Das Herz des jungen Mannes schreit lautlos auf.
„Alles verkaufen – das kann ich nicht.
Das schaff ich nicht. Nein!“
Der junge Mann geht traurig weg.
Und auch Jesus schaut ihm traurig nach.
Dann kommt da noch der Satz mit dem Kamel,
das eher durch ein Nadelöhr geht,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.
Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
II.
Die Jünger waren da klar.
So erzählt Lukas: (Lk 18, 28-30)
Da sagte Petrus zu Jesus:
»Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen
und sind dir nachgefolgt.“
Jesus antwortete ihnen:
»Amen, das sage ich euch:
Jeder, der für das Reich Gottes etwas zurückgelassen hat
– Haus, Ehefrau, Geschwister, Eltern oder Kinder –,
wird dafür ein Vielfaches neu bekommen –
schon jetzt in dieser Zeit –
und das ewige Leben dann, wenn Gottes Reich kommt.«
III.
Jesus nachfolgen - so ganz und gar,
ist das das Richtige für dich und für mich?
Ich wäge ab, überlege hin und her.
Kann ich das? Will ich das? Will ich das so?
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Nein. Ich gebe zu, das ist nicht meins.
Ich will keine Jüngerin sein.
Ich will nicht das Haus verlassen,
die sichere Wohnung, meine Familie nicht,
auch wenn es oft genug schwierig ist.
Ich will auch nicht mein kleines Leben aufgeben,
das es gut mit mir meint.
Ich will nicht heraustreten aus dem, was mir vertraut ist,
meine Arbeit nicht vergessen,
nicht das Geld abgeben, das Monat für Monat mein Konto
und mein Sicherheitsgefühl füllt.
Ich will es nicht, und ich will es auch nicht verharmlosen.
Denn viele Menschen sind gezwungen, alles zu verlassen.
Und dann kann ich doch nicht so tun,
als sei das ganz leicht.
IV.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Ja, denke ich
Ich will eine Jüngerin sein.
Will wissen, wo es langgeht, wem ich folgen soll,
will mein Kreuzchen gesetzt haben, ein für alle Mal.
Die ganz große Wahl,
dieses wahnsinnige Leben in völliger Freiheit,
mit dem wunderbarsten Menschen, mit Jesus,
mit dieser Liebe, die überhaupt keine Scheu kennt -
Weder vor Menschen noch vor allem Fremden noch vor Schmerz.
Ich will raus, raus aus dem Alltagstrott,
diesen ganzen Mist nicht mehr sehen und nicht mehr lesen,
diese unzähligen Mails und Artikel und Debatten und Talkshows.
Ja, ich will raus und mitgehen mit ihm,
will verrückte Freunde haben,
mit unwahrscheinlichen Menschen am Tisch sitzen
und essen und über das Reich Gottes reden.
V.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Aber dann – nein.
Ich will doch keine Jüngerin sein.
Ich will nicht nur mit einem Paar Sandalen durch den Staub tappen.
In der Tasche nichts als Hoffnung.
Ich will nicht an Türen klopfen, um Brot bitten
und in harte Augen sehen und Verständnislosigkeit schmecken.
Da ist nichts Romantisches und Freies dabei.
Ich will nicht das große Elend sehen,
die Menschenmassen in Not,
5000 und mehr, die sich um uns drängen,
die hungern und dürsten und Heimat suchen.
Die in Jemen und die im Mittelmeer und die in Myanmar.
Und die 500 im Dortmunder Hochhauskomplex,
die über Nacht keine Wohnung mehr haben.
Ich will nicht fragen „Was sollen wir tun?“
Und mich dann so verantwortlich fühlen,
dass es mich lähmt, weil es zu viel ist.
VI.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch - ich sage: Ja!
Ich will eine Jüngerin sein,
will Heimatlosen Heimat geben,
will Brot teilen und Fische braten,
will sehen wie alle, 5000 und mehr, wirklich alle satt werden, mehr als satt.
Ich will sehen wie die Teepflücker in Indien gerecht bezahlt werden
und die Kinder statt in Kobalt-Minen für unsere Smartphones zu schuften
lieber zur Schule gehen.
Ich will Gerechtigkeit erleben, die jeden Menschen sieht.
In der sich nicht nur Leistung lohnt,
sondern jeder Mensch als Kind Gottes gesehen wird -
wertvoll, mit Gaben und Grenzen und so wie er ist.
Und ich will auch heute bei der Wahl Jüngerin sein
und die wählen, die lieber teilen und helfen wollen statt aussperren.
VII.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Nein, ich... nein, ich will es nicht.
Ich will kein weltfremdes Zeug hören oder sagen müssen:
über Salz das nicht salzt und Salomos Seide
und „ach! seht die Vögel unter dem Himmel“
und dass niemand sich Sorgen machen muss.
Denn ich habe nun mal Sorge um unsere Welt.
Die lässt sich spalten von Demagogen und Populisten.
Und ich fürchte mich vor ihnen.
Kann ich dann überhaupt eine Jüngerin sein - so voller Sorge?
VIII.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch. Ja.
Ich will eine Jüngerin sein,
Herr, hilf mir! rufen und gerettet werden. Sofort.
Und muss nicht mehr einsam warten,
ob da mal eine Antwort kommt auf einen Hilferuf oder ein Gebet.
Ich werde mich dann nicht länger einsam fühlen
mit Glaubensgeschwistern, die gar keine sein wollen.
Von denen manche lieber hassen als lieben,
lieber ausgrenzen als einladen.
Ich will wie Petrus den Propheten eine Hütte bauen auf dem Berg,
ein bisschen näher bei Gott sein als die Anderen,
die Kraft spüren, Eins sein mit Jesus.
IX.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und dann wieder: Nein.
Ich will nicht durch die Hölle gehen,
die Trauer nicht erleiden,wenn die Hoffnung gestorben ist.
Ich will nicht beschimpft werden als Gutmensch, nur weil ich Jesus folge.
Ich will nicht, dass mich menschenverachtende Wahlplakate anwidern.
Ich will ein dickes Fell
und manchmal will ich, dass es mir egal ist, wenn der Hass sich Bahn bricht.
Weil ich das nicht aushalte.
Und als Jüngerin könnte mich das nicht kalt lassen.
X.
„Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.“
Und doch: Ich will eine Jüngerin sein.
Ich will Wunder sehen und tun.
Will Tote erwecken.
Ich will Dämonen aus Menschenseelen fortjagen,
damit die Angst aufhört und die Traurigkeit.
Will die Alpträume von Krieg und Terror im See ersäufen.
Ich will Spucke in Augen schmieren,
damit Blinde wieder sehen und Menschen die Wahrheit erkennen.
Damit Verblendeten die Augen aufgehen und sie den Hass sehen
und die Drohung hinter den Buchstaben „AfD“.
Ich will wie Jesus sagen „seht hier:
Der Weg des Todes und der Weg des Lebens“.
XI.
Ich bin so hin und her gerissen.
Will Jüngerin sein - ganz und gar -
und will es doch wieder nicht.
Petrus: was macht dich so sicher?
Hattet ihr es leichter damals?
War die Welt unkomplizierter als unsere?
Wart ihr so arm, dass es einfach war, zu gehen?
Und zu verlassen?
Ich hätte so viel zu verlassen.
Will ich deine Jüngerin sein, Jesus? Kann ich das?
Vielleicht…
Oder doch nein?
Oder…
Doch! Ich will es.
Ich will deine Jüngerin sein.
Ja!
Aber, Jesus,
ich könnte dabei wirklich deine Hilfe gebrauchen.
Heute ganz besonders.
Amen.
*) Darum habe ich auch lange überlegt, ob ich diese Predigt überhaupt veröffentlichen soll. Ich habe mich dann doch dafür entschieden, weil ich diese Worte einfach zu wichtig und zu gut finde, als dass sie heute morgen "nur" gehört wurden. Nochmal großes Danke an Annegret Zander, Jörg Breu und Finn Bird!
Sonntag, 6. August 2017
Es könnte alles ganz anders sein
Wenn Schwerter zu Pflugscharen werden - Predigt zu Jesaja 2, 1-5
(Mit Dank an Claudia Stell, Rainer Claus, Michael Greßler und Kathrin Oxen für ihre Impulse, die mich sehr inspiriert haben)
I.
Es könnte alles ganz anders sein.
Anfang der 80er Jahre.
Großes Säbelrasseln zwischen den Supermächten in Ost und West.
In der damaligen DDR wurde das Schulfach „Wehrerziehung“ eingeführt.
Und zur gleichen Zeit in den Kirchen aus West und Ost die Friedendekade.
In Westdeutschland große Friedensdemos -
Blockaden vor Mutlangen und Sitzwachen in Heidelberg.
In Ostdeutschland musste man subtiler vorgehen:
Schwerter zu Pflugscharen - einst von den Sowjets vor das UNO-Gebäude gestellt.
Nun als Protestzeichen gegen die Wehrerziehung und das Säbelrasseln,
aufgenäht auf Jacken, denn Aufkleber waren verboten.
Aufnäher aus Vliesstoff fielen unter „Textveredelung“.
Vielen Jugendlichen wurde dann allerdings der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“
aus den Anoraks herausgeschnitten.
Als könnte man den Protest minimalinvasiv entfernen.
Als würde das irgendetwas verändern.
„Ich habe damals für uns alle die Aufnäher angenäht
und dann unsere Jacken extra schön ordentlich so in die Garderobe gehängt,
dass alle „Schwerter zu Pflugscharen“ nebeneinander hingen“
berichtet eine der Jugendlichen von damals.
Ausprobieren, was geht. Wie weit man gehen kann.
Und zum Kirchentag in Wittenberg 1983
stellte sich der Kunstschmied Stefan Nau in den Hof des Lutherhauses
und tat es: schmiedete ein Schwert um.
II.
Es könnte alles ganz anders sein.
Wer hätte damals gedacht,
dass 6 Jahre später tatsächlich alles ganz anders wurde.
An einem Montag im Oktober.
70.000 Menschen mit Kerzen in den Händen zogen durch die Innenstadt von Leipzig.
„Wenn man eine Kerze trägt, braucht man beide Hände.
Man muss das Licht behüten, vor dem Auslöschen schützen“
erinnerte sich Christian Führer, der Pfarrer der Nikolaikirche.
Und die Friedensgebete schwappten auf die Straße.
Die Waffen waren bereit und doch schoss niemand.
„Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet.
Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“
Soll einer vom Zentralkomitee-Mitglied gesagt haben.
Einen Monat später fiel die Mauer,
III.
Es könnte alles ganz anders sein.
Nach dem Fall der Mauer war die Hoffnung groß:
Der kalte Krieg hat sich endgültig erledigt, hoffte man.
Die großen Mächte der Welt haben doch nun verstanden,
dass ein Krieg mit den heutigen Waffen für alle tödlich wäre
- für alle.
Es wurden Abrüstungsvereinbarungen getroffen -
die nährten die Hoffnung.
Weiter gehen mit dem Frieden. Nicht aufhören.
Aber es wurde nicht anders. Nicht wirklich.
Kriege gibt es immer noch, durch Internet sichtbarer denn je.
Kleine und große Mächte rüsten wieder auf,
in einigen Ländern sind Menschen an der Macht,
die sind so Macht- oder Geldversessen,
dass sie vor nichts zurückscheuen.
Nordkorea droht mit Bomben
und kein Mensch weiß genau, ob es Atombomben sind, die dann fliegen.
Da werden in der Türkei wahllos Menschen verhaftet,
nur weil sie eventuell etwas gesagt haben könnten, dass….
In den USA führt ein Mensch die amerikanische Hire and Fire Mentalität ad absurdum,
so sehr, dass es eigentlich schon eine großartige Realsatire sein könnte,
wenn es sich bei demjenigen nicht um einen der mächtigsten Menschen der Welt handeln würde.
Der kann fast ganz alleine entscheiden, ob der berüchtigte rote Knopf gedrückt wird...
Ach, ich mag’s mir gar nicht weiter vorstellen...
Und ausgerechnet in Jerusalem toben blutige Kämpfe,
um den heiligsten Ort auf Erden, den Tempelberg,
Fast ein Krieg.
Angst beherrscht die Politik.
Nur eine falsche Geste hat den nächsten Terroranschlag zur Folge.
Es müsste alles ganz anders sein….
IV.
Dies ist das Wort,
das Jesaja, der Sohn des Amoz,
schaute über Juda und Jerusalem.
Es wird auf der Rückseite der Tage
der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen,
höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben,
und alle Heiden werden herzulaufen,
und viele Völker werden hingehen und sagen:
Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn,
zum Hause des Gottes Jakobs,
dass er uns lehre seine Wege
und wir wandeln auf seinen Steigen!
Denn von Zion wird Weisung ausgehen
und des Herrn Wort von Jerusalem.
Und er wird richten unter den Nationen
und zurechtweisen viele Völker.
Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen
und ihre Spieße zu Sicheln.
Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob,
lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
V.
Es könnte alles ganz anders sein.
Der Prophet wirft ein Blick auf die „Rückseite der Tage“,
wie es dort wörtlich heißt.
Zion, der umkämpfte und von Feinden belagerte Berg:
Ausgerechnet er wird zum Berg des Friedens.
Nicht mehr kämpfen, sondern lernen werden die Menschen,
die dort hinkommen.
Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Sie lernen den Frieden.
Es anders machen.
Nicht mehr dieselben Fehler tun.
Lernen aus dem, was geschehen ist.
Der Prophet ist kein Naivling, auch wenn er träumt.
Er sieht weiter, tiefer,
auf die Rückseite dessen, was wir gewohnt sind, zu sehen.
Der Prophet schaut das, was möglich wäre
und vor allem, was nötig ist.
Ja, er ist Realist durch und durch
und weiß: Kriege bringen nur Zerstörung und keine Heilung.
Kriege bringen kein friedliches Zusammenleben.
Das sehen wir in Syrien, Afghanstan, im Irak und in Jemen
Vor der Allmacht der Gewalt zu kapitulieren, ist gegen Gott.
Und darum sind auch Waffenlieferungen
- ob klein oder groß - absurd
und vielleicht sogar sowas wie Gotteslästerung.
VI.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob,
lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein, darum macht es anders.
Malala, das pakistanische Schulmädchen macht es anders.
Sie wurde von den Taliban in den Kopf geschossen,
weil sie ihr Recht auf Bildung wahrnehmen wollte.
Sie überlebte und kämpft seither für das Recht auf Bildung.
Vor allem ein Satz von ihr ist um die Welt gegangen:
„Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern“.
Also fangen wir mal damit an.
Keine Waffenexporte mehr, sondern Stiftexporte.
Schwerter zu Schreibstiften und Büchern.
VII.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein.
Die Polizei in Stuttgart macht es anders.
Ein Dienstgebäude wurde mit Hassparolen beschmiert.
Statt nun alles zu säubern,
luden der Polizeidirektor und sein Team
bunt gemischte Menschen aller Altersstufen des benachbarten Mehrgenerationenhauses
zum Foto-Posing ein.
So wurde aus dem schwarzen, rund eineinhalb Quadratmeter bedeckenden Schriftzug "A.C.A.B."
ein Symbol für "All Colours Are Beautiful" (Alle Farben sind schön).
Mach Spaß statt Hass - so lautete das Motto.
Zwar sieht die Polizei das immer noch als zu verfolgende Sachbeschädigung an.
Und ich denke kreativer wäre es, die Sprayer einfach nur auszulachen.
Aber immerhin hat sie aus Hass etwas Schönes, Buntes, Offenes gemacht.
Schwerter zu bunten Wänden.
Es anders machen. Es geht.
VIII.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein.
Viele Jugendliche in unserem Kirchenbezirk machen es anders.
Sie lassen sich ausbilden zu Friedensstiftern und -stifterinnen.
Lernen, wie sie Konflikte beilegen können,
Wie sie die Menschen wieder ins Gespräch bringen.
Lernen, sensibel zu sein für Gewalt im Kleinen.
Und so weiter.
Den Frieden lernen.
Es geht. Es geht ganz anders.
IX.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Jetzt, nicht erst morgen.
Schwerter zu Pflugscharen.
Fang schon mal an.
Mit deinen Gedanken und Worten, mit deiner kleinen Welt.
Es könnte alles ganz anders sein.
Hassworte zu Liebeserklärungen,
„fake news“ zu „good news“,
Kasernen zu Wohnungen und Werkstätten,
Kriegsschiffe zu Rettungskreuzern,
Bauen und Pflanzen statt Bomben,
Landminen zu Bleistiftminen,
Tee trinken anstatt in Angst versinken,
Mit Feinden essen gehen
und gemeinsam auf die Welt schauen.
Und zum eigenen, ganz eigenen inneren Berg Zion gehen.
Auf die Rückseite, wo alles anders aussieht.
Dir fällt bestimmt noch mehr ein oder…?
Und mir bestimmt auch.
Es könnte jedenfalls ganz anders sein.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
(Mit Dank an Claudia Stell, Rainer Claus, Michael Greßler und Kathrin Oxen für ihre Impulse, die mich sehr inspiriert haben)
I.
Es könnte alles ganz anders sein.
Anfang der 80er Jahre.
Großes Säbelrasseln zwischen den Supermächten in Ost und West.
In der damaligen DDR wurde das Schulfach „Wehrerziehung“ eingeführt.
Und zur gleichen Zeit in den Kirchen aus West und Ost die Friedendekade.
In Westdeutschland große Friedensdemos -
Blockaden vor Mutlangen und Sitzwachen in Heidelberg.
In Ostdeutschland musste man subtiler vorgehen:
Schwerter zu Pflugscharen - einst von den Sowjets vor das UNO-Gebäude gestellt.
Nun als Protestzeichen gegen die Wehrerziehung und das Säbelrasseln,
aufgenäht auf Jacken, denn Aufkleber waren verboten.
Aufnäher aus Vliesstoff fielen unter „Textveredelung“.
Vielen Jugendlichen wurde dann allerdings der Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“
aus den Anoraks herausgeschnitten.
Als könnte man den Protest minimalinvasiv entfernen.
Als würde das irgendetwas verändern.
„Ich habe damals für uns alle die Aufnäher angenäht
und dann unsere Jacken extra schön ordentlich so in die Garderobe gehängt,
dass alle „Schwerter zu Pflugscharen“ nebeneinander hingen“
berichtet eine der Jugendlichen von damals.
Ausprobieren, was geht. Wie weit man gehen kann.
Und zum Kirchentag in Wittenberg 1983
stellte sich der Kunstschmied Stefan Nau in den Hof des Lutherhauses
und tat es: schmiedete ein Schwert um.
II.
Es könnte alles ganz anders sein.
Wer hätte damals gedacht,
dass 6 Jahre später tatsächlich alles ganz anders wurde.
An einem Montag im Oktober.
70.000 Menschen mit Kerzen in den Händen zogen durch die Innenstadt von Leipzig.
„Wenn man eine Kerze trägt, braucht man beide Hände.
Man muss das Licht behüten, vor dem Auslöschen schützen“
erinnerte sich Christian Führer, der Pfarrer der Nikolaikirche.
Und die Friedensgebete schwappten auf die Straße.
Die Waffen waren bereit und doch schoss niemand.
„Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet.
Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“
Soll einer vom Zentralkomitee-Mitglied gesagt haben.
Einen Monat später fiel die Mauer,
III.
Es könnte alles ganz anders sein.
Nach dem Fall der Mauer war die Hoffnung groß:
Der kalte Krieg hat sich endgültig erledigt, hoffte man.
Die großen Mächte der Welt haben doch nun verstanden,
dass ein Krieg mit den heutigen Waffen für alle tödlich wäre
- für alle.
Es wurden Abrüstungsvereinbarungen getroffen -
die nährten die Hoffnung.
Weiter gehen mit dem Frieden. Nicht aufhören.
Aber es wurde nicht anders. Nicht wirklich.
Kriege gibt es immer noch, durch Internet sichtbarer denn je.
Kleine und große Mächte rüsten wieder auf,
in einigen Ländern sind Menschen an der Macht,
die sind so Macht- oder Geldversessen,
dass sie vor nichts zurückscheuen.
Nordkorea droht mit Bomben
und kein Mensch weiß genau, ob es Atombomben sind, die dann fliegen.
Da werden in der Türkei wahllos Menschen verhaftet,
nur weil sie eventuell etwas gesagt haben könnten, dass….
In den USA führt ein Mensch die amerikanische Hire and Fire Mentalität ad absurdum,
so sehr, dass es eigentlich schon eine großartige Realsatire sein könnte,
wenn es sich bei demjenigen nicht um einen der mächtigsten Menschen der Welt handeln würde.
Der kann fast ganz alleine entscheiden, ob der berüchtigte rote Knopf gedrückt wird...
Ach, ich mag’s mir gar nicht weiter vorstellen...
Und ausgerechnet in Jerusalem toben blutige Kämpfe,
um den heiligsten Ort auf Erden, den Tempelberg,
Fast ein Krieg.
Angst beherrscht die Politik.
Nur eine falsche Geste hat den nächsten Terroranschlag zur Folge.
Es müsste alles ganz anders sein….
IV.
Dies ist das Wort,
das Jesaja, der Sohn des Amoz,
schaute über Juda und Jerusalem.
Es wird auf der Rückseite der Tage
der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen,
höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben,
und alle Heiden werden herzulaufen,
und viele Völker werden hingehen und sagen:
Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des Herrn,
zum Hause des Gottes Jakobs,
dass er uns lehre seine Wege
und wir wandeln auf seinen Steigen!
Denn von Zion wird Weisung ausgehen
und des Herrn Wort von Jerusalem.
Und er wird richten unter den Nationen
und zurechtweisen viele Völker.
Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen
und ihre Spieße zu Sicheln.
Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob,
lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
V.
Es könnte alles ganz anders sein.
Der Prophet wirft ein Blick auf die „Rückseite der Tage“,
wie es dort wörtlich heißt.
Zion, der umkämpfte und von Feinden belagerte Berg:
Ausgerechnet er wird zum Berg des Friedens.
Nicht mehr kämpfen, sondern lernen werden die Menschen,
die dort hinkommen.
Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.
Sie lernen den Frieden.
Es anders machen.
Nicht mehr dieselben Fehler tun.
Lernen aus dem, was geschehen ist.
Der Prophet ist kein Naivling, auch wenn er träumt.
Er sieht weiter, tiefer,
auf die Rückseite dessen, was wir gewohnt sind, zu sehen.
Der Prophet schaut das, was möglich wäre
und vor allem, was nötig ist.
Ja, er ist Realist durch und durch
und weiß: Kriege bringen nur Zerstörung und keine Heilung.
Kriege bringen kein friedliches Zusammenleben.
Das sehen wir in Syrien, Afghanstan, im Irak und in Jemen
Vor der Allmacht der Gewalt zu kapitulieren, ist gegen Gott.
Und darum sind auch Waffenlieferungen
- ob klein oder groß - absurd
und vielleicht sogar sowas wie Gotteslästerung.
VI.
Kommt nun, ihr vom Hause Jakob,
lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein, darum macht es anders.
Malala, das pakistanische Schulmädchen macht es anders.
Sie wurde von den Taliban in den Kopf geschossen,
weil sie ihr Recht auf Bildung wahrnehmen wollte.
Sie überlebte und kämpft seither für das Recht auf Bildung.
Vor allem ein Satz von ihr ist um die Welt gegangen:
„Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern“.
Also fangen wir mal damit an.
Keine Waffenexporte mehr, sondern Stiftexporte.
Schwerter zu Schreibstiften und Büchern.
VII.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein.
Die Polizei in Stuttgart macht es anders.
Ein Dienstgebäude wurde mit Hassparolen beschmiert.
Statt nun alles zu säubern,
luden der Polizeidirektor und sein Team
bunt gemischte Menschen aller Altersstufen des benachbarten Mehrgenerationenhauses
zum Foto-Posing ein.
So wurde aus dem schwarzen, rund eineinhalb Quadratmeter bedeckenden Schriftzug "A.C.A.B."
ein Symbol für "All Colours Are Beautiful" (Alle Farben sind schön).
Mach Spaß statt Hass - so lautete das Motto.
Zwar sieht die Polizei das immer noch als zu verfolgende Sachbeschädigung an.
Und ich denke kreativer wäre es, die Sprayer einfach nur auszulachen.
Aber immerhin hat sie aus Hass etwas Schönes, Buntes, Offenes gemacht.
Schwerter zu bunten Wänden.
Es anders machen. Es geht.
VIII.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Es könnte alles ganz anders sein.
Viele Jugendliche in unserem Kirchenbezirk machen es anders.
Sie lassen sich ausbilden zu Friedensstiftern und -stifterinnen.
Lernen, wie sie Konflikte beilegen können,
Wie sie die Menschen wieder ins Gespräch bringen.
Lernen, sensibel zu sein für Gewalt im Kleinen.
Und so weiter.
Den Frieden lernen.
Es geht. Es geht ganz anders.
IX.
Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!
Jetzt, nicht erst morgen.
Schwerter zu Pflugscharen.
Fang schon mal an.
Mit deinen Gedanken und Worten, mit deiner kleinen Welt.
Es könnte alles ganz anders sein.
Hassworte zu Liebeserklärungen,
„fake news“ zu „good news“,
Kasernen zu Wohnungen und Werkstätten,
Kriegsschiffe zu Rettungskreuzern,
Bauen und Pflanzen statt Bomben,
Landminen zu Bleistiftminen,
Tee trinken anstatt in Angst versinken,
Mit Feinden essen gehen
und gemeinsam auf die Welt schauen.
Und zum eigenen, ganz eigenen inneren Berg Zion gehen.
Auf die Rückseite, wo alles anders aussieht.
Dir fällt bestimmt noch mehr ein oder…?
Und mir bestimmt auch.
Es könnte jedenfalls ganz anders sein.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
Sonntag, 23. Juli 2017
Keine Hindernisse mehr...
...sondern Leben, das zu dir gehört.
Oder:
Was haben ein äthiopischer Finanzminister, ein deutscher Sozialarbeiter, ein syrischer Balletttänzer gemeinsam?
Predigt zu Apostelgeschichte 8, 26 - 39 - gehalten in der Stadtkirche am 23.7.2017
26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach:
Steh auf und geh nach Süden auf die Straße,
die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.
27 Und er stand auf und ging hin.
Und siehe, ein Mann aus Äthiopien,
ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake,
der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister,
war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen
und las den Propheten Jesaja.
29 Der Geist aber sprach zu Philippus:
Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las,
und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?
Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese (Jesaja 53,7-8):
»Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird,
und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt,
so tut er seinen Mund nicht auf.
33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben.
Wer kann seine Nachkommen aufzählen?
Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«
34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach:
Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das,
von sich selber oder von jemand anderem?
35 Philippus aber tat seinen Mund auf
und fing mit diesem Schriftwort an
und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser.
Da sprach der Kämmerer:
Siehe, da ist Wasser;
was hindert's, dass ich mich taufen lasse?
38 Und er ließ den Wagen halten
und beide stiegen in das Wasser hinab,
Philippus und der Kämmerer,
und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen,
entrückte der Geist des Herrn den Philippus
und der Kämmerer sah ihn nicht mehr;
er zog aber seine Straße fröhlich.
I.
Hakki ließ sich am Freitag taufen.
Im Garten vom Lukaszentrum.
Hakki hat türkische Eltern
und ist in Mönchengladbach geboren.
Religion spielte keine Rolle in seinem Leben.
Als er 11 Jahre alt war, zogen sie wieder in die Türkei.
Aber seine Heimat blieb Deutschland.
Dorthin kehrte er zurück als er 20 Jahre war.
Wollte sein Leben leben, das zu ihm gehört.
Suchte nach dem Sinn.
Sehnte sich nach einem Willkommen.
Und wurde Sozialarbeiter.
Hakki heiratete
und fing schließlich bei der Diakonie an.
Den christlichen Glauben hat er schon vor ein paar Jahren kennengelernt.
Doch hier sind nun Menschen, die ihn willkommen heißen.
Die freuen sich, dass er da ist.
Sie zeigen: du bist uns wichtig. Und wir brauchen dich.
Und dann stellte er die Frage:
Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?
Und der Diakoniepfarrer sagte:
Niemand hindert dich.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Zu uns. Und vor allem zu Gott.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Und Hakki feierte ein fröhliches Fest in Pforzheim.
II.
Ahmad Joudeh ist ein syrischer Tänzer. (1)
Tanzen ist unmännlich, schrie ihn sein Vater an.
Trotzdem fing er an mit Ballett.
Mit dem Krieg kamen die Terroristen.
Sie verbrennen Tänzer.
Doch Ahmad tätowierte sich in den Nacken „Dance or die“
Und er tanzte auf den Dächern der Häuser.
Und im Theater von Palmyra
Er wollte sein Leben leben, das zu ihm gehört.
Dann wurde das Holländische Nationalballett auf ihn aufmerksam,
Was hindert uns, dass du bei uns tanzt?
Niemand und nichts.
Sie besorgten ihm ein Visum
Und holten ihn nach Amsterdam.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Keine Hindernisse mehr.
Und so tanzt Ahmad fröhlich auf den Bühnen von Holland.
III.
Keine Hindernisse mehr.
Denn du bist ein wunderbarer Mensch.
Ein Kind Gottes.
Du Fremder mit dunkler Haut.
Du kommst aus Äthiopien und fährst durch die Wüste.
Du bist in Jerusalem gewesen und hast Gott gesucht.
Mag sein, dass du in deinem Land was zählst.
Aber hier nicht.
Die was zu sagen haben, zeigen dir:
du gehörst nicht dazu.
Du Andersgläubiger.
Und noch schlimmer:
Eunuch. Kein richtiger Mann mehr.
Eher queer.
Auf jeden Fall sexuelle Minderheit.
Mit dir redet man hier nicht.
Du, Mensch im Wagen.
Suchender und Lesender.
Doch dann kommt Philippus dazu.
Einfach so. Wie vom Himmel gesandt.
Er - ein Fremder für dich - spricht mit dir.
Nimmt dich ernst.
Hört dir zu.
Fragt nicht, woher du kommst
und was du glaubst und wer du bist.
Teilt dich nicht in Schubladen ein.
Will nur, dass du verstehst, was du liest.
Damit du das Leben lebst, das zu dir gehört.
Nicht mehr abhängig vom Wohlwollen der anderen.
Sondern als freies Gotteskind.
IV.
Keine Hemmungen mehr, Fremder.
Philippus will, dass du fragst und suchst und forscht.
Und ja: Der Gottesknecht fasziniert dich.
Das Schaf, das zur Schlachtung geführt wird
und stumm bleibt.
Vielleicht rührt dich das an:
Das Ausgeliefertsein?
Das Ausgelacht werden.
Dass er angespuckt wird.
Und genauso wenig dazu gehört wie du,
sondern immer fremd bleibt.
Und dann erzählt dir Philippus von Jesus.
Erzählt er dir davon,
dass er ebenfalls ein Ausgestoßener war?
Draußen vor den Toren Jerusalems starb er wie ein Verbrecher.
Ihn spuckten sie an und riefen:
Du gehörst nicht zu uns.
Und schon gar nicht zu Gott.
Du bist ein Fremder.
Und wirst immer ein Fremder bleiben.
Anders als wir.
Und den Armen und Schwachen viel zu nah.
Aber Gott hat diesen Verstoßenen zu sich geholt.
Hat sich zu ihm bekannt:
Das ist mein geliebter Sohn.
Er gehört zu mir.
Und ich zu ihm.
Nichts gibt es, was ihn daran hindert, mein Kind zu sein.
Und niemand hindert mich daran, dass ich ihn liebe.
Hat dir Philippus das erzählt?
V.
Jedenfalls gibt es für dich kein Halten mehr.
Du siehst Wasser:
was hindert's, dass ich mich taufen lasse?
Denn das hast du nun verstanden:
Du gehörst dazu.
Du Andersgläubiger.
Du queerer Mensch.
Suchender. Zweifelnder. Ausgestoßener.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Zu Gott. Zu Jesus. Zur Liebe. Zu uns.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Und du ziehst fröhlich deine Straße.
VI.
Ich bin sicher:
für Philippus gab es am Anfang große Hindernisse.
Die im Kopf:
Kann ich mich einfach zu einem Fremden dazu setzen?
Und einfach so taufen, nur weil er mich darum bittet?
Woher weiß ich denn, ob der wirklich glaubt?
Und ich denke an meine Scheu,
an der Bushaltestelle die Frau im Niqab anzusprechen.
Die versteht mich doch sowieso nicht.
Und ich will ja auch nicht aufdringlich sein.
Und überhaupt: die denkt ja auch ganz anders als ich.
Wir finden bestimmt kein Gesprächsthema.
Manchmal traue ich mich doch.
Vor allem wenn Kinder dabei sind.
Dann fällt das leichter.
Ich kann fragen, wie alt sie sind.
Und wir lächeln uns zu, die Frau und ich.
Zwei vorsichtige scheue Gotteskinder.
Was hindert uns, miteinander zu reden?
Die Hindernisse im Kopf:
Die Bilder von eifernden Islamisten.
Die Sprache, die ich nicht verstehe.
Fremde Gerüche.
Misstrauische Gesichter.
Und ich kann es ihnen nicht verdenken:
Denn wer heißt sie schon wirklich willkommen?
Aber die Schranke in meinem Kopf ist da.
Auch gegenüber Deutschen, die anders ticken als ich.
VII.
Und dann -
ja, dann sehne ich mich nach einem Engel,
der mich wie Philippus einfach zu Anderen schickt.
Und mir die Scheu nimmt.
Und das Misstrauen und die Angst.
Ich will sein wie Philippus
und im Anderen ein Gotteskind sehen,
Egal woher es kommt und was es glaubt.
Ich will mich bereit halten für überraschende Begegnungen.
Offen sein für den Beginn einer Freundschaft,
auch wenn der Anfang quer liegt.
Ich sehne mich nach so einem Engel für unsere Kirche.
Für uns hier.
Dass wir nicht fragen,
ob jemand genug glaubt oder bibelfest genug ist.
Sondern dass wir einfach neugierig sind füreinander.
Dass wir Fremde und Neue unter uns wirklich willkommen heißen.
Ihre Fragen hören und unsere Fragen
und gemeinsam nach Antworten suchen.
Unseren unterschiedlichen Sehnsüchten nachspüren.
Ich will, dass wir auch mal etwas Verrücktes wagen.
Philippus war ziemlich verrückt,
einfach da in die Wüste zu gehen.
Aber die Liebe braucht solche Menschen.
Mutige und freie Menschen,
die andere ihre Straße ziehen lassen.
Und fröhliche Menschen, die ihre Straße ziehen.
VIII.
Hakki hat sich am Freitag taufen lassen.
Es war ein fröhliches Fest.
Alle haben sich mit ihm gefreut.
Und seinen Worten gelauscht. (2)
Wo er von Fehlern sprach, die er machen will, um aus ihnen zu lernen.
Und Gutes säen, um später Gutes zu ernten.
Alles tun, weil er kann - und nicht muss.
Worte eines freien fröhlichen Gotteskindes,
das dazu gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Ahmad verzaubert mit seinem Tanz die Menschen.
Er ist ein Gotteskind: frei und endlich in Sicherheit.
Lebt das Leben, das vielen nicht passte,
aber zu ihm gehört.
Mutig und verrückt und fröhlich.
Nation und Religion spielen keine Rolle.
Keine Hindernisse mehr.
Und du:
Du begibst dich auf den Weg
wie Philippus und der Äthiopier.
Begleitet von einem Engel, der dir Mut macht.
Wer weiß, wer zu dir in deinen Wagen steigt.
Wer weiß, zu wem du dich in dessen Wagen setzt.
Wer weiß, wem du an der Bushaltestelle begegnest.
Es könnte ein Gotteskind sein.
Ein suchendes, ein fragendes oder ein antwortendes.
Und wenn du dich dann fragst:
Was hindert mich?
Was hindert’s, das Leben zu leben, das zu mir gehört?
Was hindert mich, dem anderen dasselbe zu gönnen?
Dann tust du es - du lebst und liebst und gönnst.
Denn du gehörst zu Gott.
Keine Hindernisse mehr -
mit dem Frieden, welcher höher ist als all unsere Vernunft.
Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
(1) ein sehr berührender Film-Spot: https://www.facebook.com/fusionmedianetwork/videos/2035042753188359/?hc_ref=ARSggXUujLylGyey1bxbSqrjn1bmqpX_f_UAkkatjLV9VlfYSVtObNndmsGgyEUl_fc&pnref=story
(2) die hat er sich von Julia Engelmann geliehen, aber so vorgetragen, dass sie wirklich zu seinen Worten wurden - sehr berührend.
Oder:
Was haben ein äthiopischer Finanzminister, ein deutscher Sozialarbeiter, ein syrischer Balletttänzer gemeinsam?
Predigt zu Apostelgeschichte 8, 26 - 39 - gehalten in der Stadtkirche am 23.7.2017
26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach:
Steh auf und geh nach Süden auf die Straße,
die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.
27 Und er stand auf und ging hin.
Und siehe, ein Mann aus Äthiopien,
ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake,
der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister,
war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen
und las den Propheten Jesaja.
29 Der Geist aber sprach zu Philippus:
Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las,
und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?
Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen.
32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese (Jesaja 53,7-8):
»Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird,
und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt,
so tut er seinen Mund nicht auf.
33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben.
Wer kann seine Nachkommen aufzählen?
Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«
34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach:
Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das,
von sich selber oder von jemand anderem?
35 Philippus aber tat seinen Mund auf
und fing mit diesem Schriftwort an
und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser.
Da sprach der Kämmerer:
Siehe, da ist Wasser;
was hindert's, dass ich mich taufen lasse?
38 Und er ließ den Wagen halten
und beide stiegen in das Wasser hinab,
Philippus und der Kämmerer,
und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen,
entrückte der Geist des Herrn den Philippus
und der Kämmerer sah ihn nicht mehr;
er zog aber seine Straße fröhlich.
I.
Hakki ließ sich am Freitag taufen.
Im Garten vom Lukaszentrum.
Hakki hat türkische Eltern
und ist in Mönchengladbach geboren.
Religion spielte keine Rolle in seinem Leben.
Als er 11 Jahre alt war, zogen sie wieder in die Türkei.
Aber seine Heimat blieb Deutschland.
Dorthin kehrte er zurück als er 20 Jahre war.
Wollte sein Leben leben, das zu ihm gehört.
Suchte nach dem Sinn.
Sehnte sich nach einem Willkommen.
Und wurde Sozialarbeiter.
Hakki heiratete
und fing schließlich bei der Diakonie an.
Den christlichen Glauben hat er schon vor ein paar Jahren kennengelernt.
Doch hier sind nun Menschen, die ihn willkommen heißen.
Die freuen sich, dass er da ist.
Sie zeigen: du bist uns wichtig. Und wir brauchen dich.
Und dann stellte er die Frage:
Was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?
Und der Diakoniepfarrer sagte:
Niemand hindert dich.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Zu uns. Und vor allem zu Gott.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Und Hakki feierte ein fröhliches Fest in Pforzheim.
II.
Ahmad Joudeh ist ein syrischer Tänzer. (1)
Tanzen ist unmännlich, schrie ihn sein Vater an.
Trotzdem fing er an mit Ballett.
Mit dem Krieg kamen die Terroristen.
Sie verbrennen Tänzer.
Doch Ahmad tätowierte sich in den Nacken „Dance or die“
Und er tanzte auf den Dächern der Häuser.
Und im Theater von Palmyra
Er wollte sein Leben leben, das zu ihm gehört.
Dann wurde das Holländische Nationalballett auf ihn aufmerksam,
Was hindert uns, dass du bei uns tanzt?
Niemand und nichts.
Sie besorgten ihm ein Visum
Und holten ihn nach Amsterdam.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Keine Hindernisse mehr.
Und so tanzt Ahmad fröhlich auf den Bühnen von Holland.
III.
Keine Hindernisse mehr.
Denn du bist ein wunderbarer Mensch.
Ein Kind Gottes.
Du Fremder mit dunkler Haut.
Du kommst aus Äthiopien und fährst durch die Wüste.
Du bist in Jerusalem gewesen und hast Gott gesucht.
Mag sein, dass du in deinem Land was zählst.
Aber hier nicht.
Die was zu sagen haben, zeigen dir:
du gehörst nicht dazu.
Du Andersgläubiger.
Und noch schlimmer:
Eunuch. Kein richtiger Mann mehr.
Eher queer.
Auf jeden Fall sexuelle Minderheit.
Mit dir redet man hier nicht.
Du, Mensch im Wagen.
Suchender und Lesender.
Doch dann kommt Philippus dazu.
Einfach so. Wie vom Himmel gesandt.
Er - ein Fremder für dich - spricht mit dir.
Nimmt dich ernst.
Hört dir zu.
Fragt nicht, woher du kommst
und was du glaubst und wer du bist.
Teilt dich nicht in Schubladen ein.
Will nur, dass du verstehst, was du liest.
Damit du das Leben lebst, das zu dir gehört.
Nicht mehr abhängig vom Wohlwollen der anderen.
Sondern als freies Gotteskind.
IV.
Keine Hemmungen mehr, Fremder.
Philippus will, dass du fragst und suchst und forscht.
Und ja: Der Gottesknecht fasziniert dich.
Das Schaf, das zur Schlachtung geführt wird
und stumm bleibt.
Vielleicht rührt dich das an:
Das Ausgeliefertsein?
Das Ausgelacht werden.
Dass er angespuckt wird.
Und genauso wenig dazu gehört wie du,
sondern immer fremd bleibt.
Und dann erzählt dir Philippus von Jesus.
Erzählt er dir davon,
dass er ebenfalls ein Ausgestoßener war?
Draußen vor den Toren Jerusalems starb er wie ein Verbrecher.
Ihn spuckten sie an und riefen:
Du gehörst nicht zu uns.
Und schon gar nicht zu Gott.
Du bist ein Fremder.
Und wirst immer ein Fremder bleiben.
Anders als wir.
Und den Armen und Schwachen viel zu nah.
Aber Gott hat diesen Verstoßenen zu sich geholt.
Hat sich zu ihm bekannt:
Das ist mein geliebter Sohn.
Er gehört zu mir.
Und ich zu ihm.
Nichts gibt es, was ihn daran hindert, mein Kind zu sein.
Und niemand hindert mich daran, dass ich ihn liebe.
Hat dir Philippus das erzählt?
V.
Jedenfalls gibt es für dich kein Halten mehr.
Du siehst Wasser:
was hindert's, dass ich mich taufen lasse?
Denn das hast du nun verstanden:
Du gehörst dazu.
Du Andersgläubiger.
Du queerer Mensch.
Suchender. Zweifelnder. Ausgestoßener.
Du bist ein wunderbarer Mensch und gehörst dazu.
Zu Gott. Zu Jesus. Zur Liebe. Zu uns.
Lebe dein Leben, das zu dir gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Und du ziehst fröhlich deine Straße.
VI.
Ich bin sicher:
für Philippus gab es am Anfang große Hindernisse.
Die im Kopf:
Kann ich mich einfach zu einem Fremden dazu setzen?
Und einfach so taufen, nur weil er mich darum bittet?
Woher weiß ich denn, ob der wirklich glaubt?
Und ich denke an meine Scheu,
an der Bushaltestelle die Frau im Niqab anzusprechen.
Die versteht mich doch sowieso nicht.
Und ich will ja auch nicht aufdringlich sein.
Und überhaupt: die denkt ja auch ganz anders als ich.
Wir finden bestimmt kein Gesprächsthema.
Manchmal traue ich mich doch.
Vor allem wenn Kinder dabei sind.
Dann fällt das leichter.
Ich kann fragen, wie alt sie sind.
Und wir lächeln uns zu, die Frau und ich.
Zwei vorsichtige scheue Gotteskinder.
Was hindert uns, miteinander zu reden?
Die Hindernisse im Kopf:
Die Bilder von eifernden Islamisten.
Die Sprache, die ich nicht verstehe.
Fremde Gerüche.
Misstrauische Gesichter.
Und ich kann es ihnen nicht verdenken:
Denn wer heißt sie schon wirklich willkommen?
Aber die Schranke in meinem Kopf ist da.
Auch gegenüber Deutschen, die anders ticken als ich.
VII.
Und dann -
ja, dann sehne ich mich nach einem Engel,
der mich wie Philippus einfach zu Anderen schickt.
Und mir die Scheu nimmt.
Und das Misstrauen und die Angst.
Ich will sein wie Philippus
und im Anderen ein Gotteskind sehen,
Egal woher es kommt und was es glaubt.
Ich will mich bereit halten für überraschende Begegnungen.
Offen sein für den Beginn einer Freundschaft,
auch wenn der Anfang quer liegt.
Ich sehne mich nach so einem Engel für unsere Kirche.
Für uns hier.
Dass wir nicht fragen,
ob jemand genug glaubt oder bibelfest genug ist.
Sondern dass wir einfach neugierig sind füreinander.
Dass wir Fremde und Neue unter uns wirklich willkommen heißen.
Ihre Fragen hören und unsere Fragen
und gemeinsam nach Antworten suchen.
Unseren unterschiedlichen Sehnsüchten nachspüren.
Ich will, dass wir auch mal etwas Verrücktes wagen.
Philippus war ziemlich verrückt,
einfach da in die Wüste zu gehen.
Aber die Liebe braucht solche Menschen.
Mutige und freie Menschen,
die andere ihre Straße ziehen lassen.
Und fröhliche Menschen, die ihre Straße ziehen.
VIII.
Hakki hat sich am Freitag taufen lassen.
Es war ein fröhliches Fest.
Alle haben sich mit ihm gefreut.
Und seinen Worten gelauscht. (2)
Wo er von Fehlern sprach, die er machen will, um aus ihnen zu lernen.
Und Gutes säen, um später Gutes zu ernten.
Alles tun, weil er kann - und nicht muss.
Worte eines freien fröhlichen Gotteskindes,
das dazu gehört.
Keine Hindernisse mehr.
Ahmad verzaubert mit seinem Tanz die Menschen.
Er ist ein Gotteskind: frei und endlich in Sicherheit.
Lebt das Leben, das vielen nicht passte,
aber zu ihm gehört.
Mutig und verrückt und fröhlich.
Nation und Religion spielen keine Rolle.
Keine Hindernisse mehr.
Und du:
Du begibst dich auf den Weg
wie Philippus und der Äthiopier.
Begleitet von einem Engel, der dir Mut macht.
Wer weiß, wer zu dir in deinen Wagen steigt.
Wer weiß, zu wem du dich in dessen Wagen setzt.
Wer weiß, wem du an der Bushaltestelle begegnest.
Es könnte ein Gotteskind sein.
Ein suchendes, ein fragendes oder ein antwortendes.
Und wenn du dich dann fragst:
Was hindert mich?
Was hindert’s, das Leben zu leben, das zu mir gehört?
Was hindert mich, dem anderen dasselbe zu gönnen?
Dann tust du es - du lebst und liebst und gönnst.
Denn du gehörst zu Gott.
Keine Hindernisse mehr -
mit dem Frieden, welcher höher ist als all unsere Vernunft.
Er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
(1) ein sehr berührender Film-Spot: https://www.facebook.com/fusionmedianetwork/videos/2035042753188359/?hc_ref=ARSggXUujLylGyey1bxbSqrjn1bmqpX_f_UAkkatjLV9VlfYSVtObNndmsGgyEUl_fc&pnref=story
(2) die hat er sich von Julia Engelmann geliehen, aber so vorgetragen, dass sie wirklich zu seinen Worten wurden - sehr berührend.
Sonntag, 9. Juli 2017
Mehr als Gold - von Königinnen, Weisen und Gotteskindern
Kurzpredigt anlässlich des Goldstadtjubiläums 9.7.2017
(zur Info: Die Stadt Pforzheim feiert 250 Jahre Schmuckindustrie. Heute haben wir im Stadtgarten einen ökumenischen Openair-Gottesdienst unter dem Titel "mehr als Gold" gefeiert. Die Predigt bestand aus 3 Teilen auf 3 Menschen verteilt: 1.Teil meine Kollegin Heike Reisner-Baral zu Vision der "goldenen Stadt", 2.Teil meines katholischen Kollegen Bernhard Ihle zum "goldenen Kalb" und der 3.Teil ist die Predigt hier.
Was viele Menschen im aktuellen Tagesgeschehen beschäftigt, sind die Gewaltexzesse in Hamburg angesichts des G20-Gipfels vom 6.-8.7. Es war mir nicht möglich, diese Ereignisse auszublenden - und so war ich dankbar für den Predigteinfall "Königin von Saba".)
I.
Gold, die Königin unter den Metallen.
Es rostet nicht, es läuft nicht an.
Gold bleibt immer Gold.
Gold ist ewig und zeitlos.
Und darum ist es so kostbar, so königlich.
Gilt immer noch als stabile Währung, auch wenn sein Preis steigt oder fällt.
Die Gefahr ist groß, dass wir es anbeten.
II.
Die 3 Weisen aus dem Morgenland haben es anders gemacht.
Sie kommen nach Bethlehem - mit Gold im Gepäck.
Gelehrte wichtige Männer,
empfangen vom König Herodes persönlich.
Sie betreten eine Notunterkunft,
wo sich ein neugeborenes Kind befindet
Mit seinen müden Eltern.
Dieses Kind ist klein, unbedeutend - noch.
Es hat Hunger wie alle Babys.
Es trinkt und schläft und macht in die Windel.
Es raubt seinen Eltern den Schlaf und hat eine ungewisse Zukunft.
Nichts besonderes.
Aber ausgerechnet ihm erweisen sie die Ehre und schenken ihm Gold.
Gold ist nichts zum anbeten, sondern zum Verschenken.
Denn dieses Kind ist Gold wert,
Es ist so gar mehr wert als Gold.
Es ist das Gotteskind.
III.
Die Königin von Saba hat auch ihr Gold verschenkt.
Dafür ist sie extra nach Jerusalem gekommen.
Zu König Salomo.
Mit Gold im Gepäck.
Ein Gipfeltreffen
zwischen der einen und der anderen Welt.
Zwischen Staatsoberhäuptern.
Die Königin von Saba kam, um zuzuhören und wahrzunehmen.
Und auch Salomo wird ihre Sicht auf die Dinge interessiert haben.
Wie ihre Völker über dieses Treffen dachten,
wissen wir nicht.
Und das Recht auf Demonstrieren gab es noch nicht.
Und es konnte darum auch noch nicht missbraucht werden.
Aber schon damals galt:
lieber miteinander reden, als übereinander.
Lieber gemeinsam am Tisch sitzen als Kriege führen.
Lieber teilen als wegnehmen.
Uns so gibt die Königin von Saba dem Salomo Gold,
jede Menge Gold.
Nicht weil er es gebraucht hätte, er war ja reich,
Aber sie ehrt ihn damit.
Sie zeigt, wie sehr sie ihn respektiert.
Dass er Gold wert ist.
Nun war er ja ein berühmter weiser Mann.
Kein Wunder, dass er respektiert wird. So denken wir.
Aber Respekt hat jeder Mensch verdient.
Jeder Mensch ist kostbar wie Gold.
Ein Gotteskind.
IV.
Auch du bist Gold wert.
Und mehr als das.
Keiner darf dir sagen, dass du nichts wert seist.
Du bist keine graue Masse, sondern Gotteskind.
Und dasselbe gilt für deine Kollegin.
Und für den Hausmeister.
Es gilt für den Polizisten,
der sich in Hamburg beschimpfen lassen musste
und um sein Leben fürchtete.
Es gilt für die Regierungschefs und -chefinnen genauso
wie für die Müllmänner,
die heute wieder im Schanzenviertel unterwegs sind.
Es gilt für die Männer, Frauen und Kinder,
die für mehr Gerechtigkeit demonstrierten.
Und es gilt sogar für die Gewalttätigen.
Selbst sie sind mit Respekt zu behandeln,
selbst wenn sie ihn missbrauchen.
Respekt heißt: ich sehe im anderen ein Kind Gottes,
Einen Menschen, der Gold wert ist und mehr als das.
Ich darf mit ihm streiten. Ich muss es vielleicht sogar.
Denn lieber miteinander reden als übereinander.
Und vielleicht muss dieses Gotteskind sogar ins Gefängnis
für das, was es getan hat.
Aber, wehe, ich fang an, ihm seinen Wert abzusprechen,
Dann komme ich in Teufels Küche.
Dort sitzen nämlich die Menschenverächter dieser Welt.
V.
Gold ist die Königin unter den Metallen.
Und jeder Mensch ist Gold wert.
Mehr als Gold.
Wenn wir so leben, sieht die Welt anders aus.
Keine graue Masse, sondern buntgoldene Gotteskinder.
Nicht in Teufels Küche, sondern an Gottes Tisch.
Wie die Königin von Saba bei Salomo
und die 3 Weisen im Stall.
Selbst die bisher respektlos waren, finden ihren Platz
und begegnen dir ganz neu. Auf Augenhöhe.
Ja, in so einer Welt ist es gar nicht schwer zu schenken,
sich zu verschenken.
Mein Gold, dein Gold -
das ist der Respekt für die Gotteskinder der Welt.
Für jedes Leben, das unseren Einsatz braucht.
Unser Gold behalten wir nicht für uns.
Sondern verschenken es wie die Königin von Saba
und die 3 Weisen.
Mit dem Segen Gottes,
Und der ist viel mehr als Gold.
Amen.
(zur Info: Die Stadt Pforzheim feiert 250 Jahre Schmuckindustrie. Heute haben wir im Stadtgarten einen ökumenischen Openair-Gottesdienst unter dem Titel "mehr als Gold" gefeiert. Die Predigt bestand aus 3 Teilen auf 3 Menschen verteilt: 1.Teil meine Kollegin Heike Reisner-Baral zu Vision der "goldenen Stadt", 2.Teil meines katholischen Kollegen Bernhard Ihle zum "goldenen Kalb" und der 3.Teil ist die Predigt hier.
Was viele Menschen im aktuellen Tagesgeschehen beschäftigt, sind die Gewaltexzesse in Hamburg angesichts des G20-Gipfels vom 6.-8.7. Es war mir nicht möglich, diese Ereignisse auszublenden - und so war ich dankbar für den Predigteinfall "Königin von Saba".)
I.
Gold, die Königin unter den Metallen.
Es rostet nicht, es läuft nicht an.
Gold bleibt immer Gold.
Gold ist ewig und zeitlos.
Und darum ist es so kostbar, so königlich.
Gilt immer noch als stabile Währung, auch wenn sein Preis steigt oder fällt.
Die Gefahr ist groß, dass wir es anbeten.
II.
Die 3 Weisen aus dem Morgenland haben es anders gemacht.
Sie kommen nach Bethlehem - mit Gold im Gepäck.
Gelehrte wichtige Männer,
empfangen vom König Herodes persönlich.
Sie betreten eine Notunterkunft,
wo sich ein neugeborenes Kind befindet
Mit seinen müden Eltern.
Dieses Kind ist klein, unbedeutend - noch.
Es hat Hunger wie alle Babys.
Es trinkt und schläft und macht in die Windel.
Es raubt seinen Eltern den Schlaf und hat eine ungewisse Zukunft.
Nichts besonderes.
Aber ausgerechnet ihm erweisen sie die Ehre und schenken ihm Gold.
Gold ist nichts zum anbeten, sondern zum Verschenken.
Denn dieses Kind ist Gold wert,
Es ist so gar mehr wert als Gold.
Es ist das Gotteskind.
III.
Die Königin von Saba hat auch ihr Gold verschenkt.
Dafür ist sie extra nach Jerusalem gekommen.
Zu König Salomo.
Mit Gold im Gepäck.
Ein Gipfeltreffen
zwischen der einen und der anderen Welt.
Zwischen Staatsoberhäuptern.
Die Königin von Saba kam, um zuzuhören und wahrzunehmen.
Und auch Salomo wird ihre Sicht auf die Dinge interessiert haben.
Wie ihre Völker über dieses Treffen dachten,
wissen wir nicht.
Und das Recht auf Demonstrieren gab es noch nicht.
Und es konnte darum auch noch nicht missbraucht werden.
Aber schon damals galt:
lieber miteinander reden, als übereinander.
Lieber gemeinsam am Tisch sitzen als Kriege führen.
Lieber teilen als wegnehmen.
Uns so gibt die Königin von Saba dem Salomo Gold,
jede Menge Gold.
Nicht weil er es gebraucht hätte, er war ja reich,
Aber sie ehrt ihn damit.
Sie zeigt, wie sehr sie ihn respektiert.
Dass er Gold wert ist.
Nun war er ja ein berühmter weiser Mann.
Kein Wunder, dass er respektiert wird. So denken wir.
Aber Respekt hat jeder Mensch verdient.
Jeder Mensch ist kostbar wie Gold.
Ein Gotteskind.
IV.
Auch du bist Gold wert.
Und mehr als das.
Keiner darf dir sagen, dass du nichts wert seist.
Du bist keine graue Masse, sondern Gotteskind.
Und dasselbe gilt für deine Kollegin.
Und für den Hausmeister.
Es gilt für den Polizisten,
der sich in Hamburg beschimpfen lassen musste
und um sein Leben fürchtete.
Es gilt für die Regierungschefs und -chefinnen genauso
wie für die Müllmänner,
die heute wieder im Schanzenviertel unterwegs sind.
Es gilt für die Männer, Frauen und Kinder,
die für mehr Gerechtigkeit demonstrierten.
Und es gilt sogar für die Gewalttätigen.
Selbst sie sind mit Respekt zu behandeln,
selbst wenn sie ihn missbrauchen.
Respekt heißt: ich sehe im anderen ein Kind Gottes,
Einen Menschen, der Gold wert ist und mehr als das.
Ich darf mit ihm streiten. Ich muss es vielleicht sogar.
Denn lieber miteinander reden als übereinander.
Und vielleicht muss dieses Gotteskind sogar ins Gefängnis
für das, was es getan hat.
Aber, wehe, ich fang an, ihm seinen Wert abzusprechen,
Dann komme ich in Teufels Küche.
Dort sitzen nämlich die Menschenverächter dieser Welt.
V.
Gold ist die Königin unter den Metallen.
Und jeder Mensch ist Gold wert.
Mehr als Gold.
Wenn wir so leben, sieht die Welt anders aus.
Keine graue Masse, sondern buntgoldene Gotteskinder.
Nicht in Teufels Küche, sondern an Gottes Tisch.
Wie die Königin von Saba bei Salomo
und die 3 Weisen im Stall.
Selbst die bisher respektlos waren, finden ihren Platz
und begegnen dir ganz neu. Auf Augenhöhe.
Ja, in so einer Welt ist es gar nicht schwer zu schenken,
sich zu verschenken.
Mein Gold, dein Gold -
das ist der Respekt für die Gotteskinder der Welt.
Für jedes Leben, das unseren Einsatz braucht.
Unser Gold behalten wir nicht für uns.
Sondern verschenken es wie die Königin von Saba
und die 3 Weisen.
Mit dem Segen Gottes,
Und der ist viel mehr als Gold.
Amen.
Sonntag, 2. Juli 2017
Grund zum Feiern
Predigt zu Lukas 15,1-10
Alle Zolleinnehmer und andere Menschen,
die ein Leben voller Schuld führten,
kamen zu Jesus,
um ihm zuzuhören.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich darüber.
Sie sagten:
»Mit solchen Menschen gibt er sich ab
und isst sogar mit ihnen!«
Da erzählte ihnen Jesus dieses Gleichnis:
»Stellt euch vor:
Einer von euch hat hundert Schafe
und verliert eines davon.
Wird er dann nicht die neunundneunzig Schafe
in der Steppe zurücklassen
und das verlorene Schaf suchen,
bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
nimmt er es voller Freude auf seine Schultern
und trägt es nach Hause.
Er ruft seine Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen:
›Freut euch mit mir!
Ich habe das Schaf wiedergefunden,
das ich verloren hatte.‹
Das sage ich euch:
Genauso freut sich Gott im Himmel
über einen mit Schuld beladenen Menschen,
der sein Leben ändert.
Er freut sich mehr als über neunundneunzig Gerechte,
die es nicht nötig haben,
ihr Leben zu ändern.«
»Oder stellt euch vor:
Eine Frau besitzt zehn Silbermünzen.
Wenn sie eine davon verliert:
Wird sie da nicht eine Öllampe anzünden,
das Haus fegen
und in allen Ecken suchen,
bis sie das Geldstück findet?
Und wenn sie es gefunden hat,
ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
und sagt:
›Freut euch mit mir!
Ich habe die Silbermünze wiedergefunden,
die ich verloren hatte.‹
Das sage ich euch:
Genauso freuen sich die Engel Gottes
über einen mit Schuld beladenen Menschen,
der sein Leben ändert.«
I.
Stell dir vor:
Ein blöder Streit um Geld hat euch auseinandergebracht.
Dich und deine Cousine.
Ihr wart mal wie Zwillingsschwestern.
Deine Mutter war für euch beide da.
Ihr gehörtet zusammen. Ihr habt euch alles erzählt.
Zu ihr konntest du gehen, als du todtraurig warst
Und zu dir ist sie gekommen, als ihr Sohn einen Anfall hatte.
Aber dann der Streit ums Geld.
Um das Erbe der Großeltern.
Mit ihr will ich nichts mehr zu tun haben,
sagst du mit Wuttränen in den Augen.
Und sie gibt sich schnippisch: Ich brauch dich auch gar nicht.
Doch dann der Tod deiner Mutter. Ihrer Pflegemutter.
Ihr trefft euch am Grab.
Seht euch an.
Und dann die Umarmung.
Die Tränen fließen, aber der Mund lächelt.
Ihr wollt euch gar nicht mehr loslassen.
Der Kuchen schmeckt so richtig gut.
Stell dir vor: ihr habt euch verloren.
Ihr habt euch nicht gesucht.
Aber ihr habt euch wiedergefunden.
Ein Grund zum Feiern.
II.
Stell dir vor:
Da ist ein Christ, der glaubt, dass nur noch rechte Politik unser Land retten kann.
Grenzen dicht. Islam raus. Schmarotzer weg.
Eine Kultur in einer Nation.
Kein Kulturmix mehr, sondern endlich klare Verhältnisse.
Deutschland den Deutschen.
Doch dann sucht er dich.
Oder hat er dich schon gefunden?
Er nimmt Kontakt mit dir auf.
Will mit dir reden -
er findet, dass du auf das falsche Pferd setzt mit deiner Fremdenliebe.
Er will dir die Augen öffnen
und schickt dir lauter schreckliches Videos von Islamisten und Terroristen.
Und du denkst:
Ich habe ihn nicht gesucht.
Und gefunden hat er eher mich.
Aber er ist der Verlorene.
Und so suchst du nach einem Weg, ihn zurück zu bringen.
Ihr trefft euch sogar.
Aber ihr kommt nicht zueinander. Nicht wirklich.
Und die Türen sind wieder zu.
Stell dir vor: Ihr habt euch gefunden.
Und verloren.
Kein Grund zum Feiern.
III.
Stell dir vor:
da ist Jesus.
Der macht die Türen auf.
Der geht raus.
Der geht zu denen, die man nicht besucht.
Die abgeschoben werden sollen.
Sie haben vielleicht keinen richtigen Pass.
Gehören nicht dazu
mit ihrer Sprache, ihrer Kleidung, ihrer Religion.
Jesus geht raus.
Er geht auch zu denen, denen ihr Pass ganz wichtig ist.
Die sich von ihrer Angst treiben lassen
und deshalb Mauern um sich herum bauen.
Jesus geht raus.
Zu denen, die im Internet Hasskommentare schreiben.
#Hatespeech.
Die die Angst der anderen ausnutzen.
Und dich und mich als Gutmenschen beschimpfen.
Jesus geht dorthin,
zu den Abgeschobenen und Ängstlichen und Hassenden.
Zu denen, die sich verloren haben
und nicht mehr wissen, wo sie hingehören.
IV.
Stell dir vor:
Jesus sucht sie.
Im Gefängnis und im Internet.
In der Kirche, im Polittalk
und im Bundestag.
Stell dir vor:
er findet sie.
Holt sie zu sich - an seinen Tisch.
Da ist Brot und Wein und Käse und Fallafel und Erdbeerquark.
Und alle trinken aus demselben Kelch.
Jesus nimmt seine Gäste in den Arm
und auf ihren hatespeech antwortet er mit lovespeech.
Er holt die Streetdancer dazu, die letztens im Bahnhof waren.
Die lassen den Saal beben.
Stell dir vor:
Jesus sucht die Verlorenen, die niemand sonst wirklich sucht.
Die, die sich selbst verloren haben.
Er findet sie. Und sie finden ihn.
Und sie feiern, weil sie allen Grund dazu haben.
V.
Denn sie gehören alle dazu.
Selbst wenn sie sich selber ausschließen.
Sie gehören dazu und brauchen ihren Hass und ihre Angst nicht mehr.
Auch die, von denen die anderen sagen, dass sie nicht dazu gehören.
In den Augen Gottes sind sie alle unendlich wertvoll.
Gott gibt sie nicht auf. Niemals.
Er geht bis an den Rand des Abgrunds, um das eine Schaf einzusammeln.
Sie kehrt das Unterste nach Oben, um den einen Groschen zu finden.
Gott sucht.
Nach denen, die sich verloren haben.
Geht ihnen nach und gibt sie nicht auf.
Gott geht sogar ans Kreuz, damit niemand mehr ohne ihn ist.
VI.
Stell dir vor:
die anderen sind sauer.
Die, die immer schon dabei sind.
Womöglich findet der Schäfer das eine Schaf wichtiger als uns?
Aber es ist doch selber schuld, wenn es sich von uns entfernt.
Was ist es auch so leichtsinnig?
Muss es sein, dass der Schäfer dem hinterher geht?
Wir sind doch auch noch da!
Ich will diese Fragen nicht einfach abtun.
Denn wenn die Kraft begrenzt ist oder kein Geld da ist,
dann muss man sich vielleicht entscheiden, um wen man sich zuerst kümmert.
Aber der Schäfer weiß ja, dass es seinen 99 Schafen gut geht.
Dass sie sich zu helfen wissen.
Sie brauchen ihn gerade nicht.
Und sie wissen genau:
wenn mir das mal passiert, dass ich mich verloren habe,
dann sucht er auch nach mir.
VII.
Aber es passiert eben auch,
dass die 99 dem einen Schaf einfach nicht gönnen,
dazu zu gehören.
Der daheim gebliebene Sohn, der Ältere,
will das Fest für seinen zurückgekehrten Bruder nicht mitfeiern (1).
Der hat das nicht verdient.
So wie deine Cousine.
Die hatte das auch nicht verdient.
Und wir feiern den Gottesdienst wie wir ihn gewohnt sind.
Denn da kommen die, die wir kennen und die dazu gehören.
Wir kennen uns. Uns gefällt es.
Müssen wir in den Bahnhof gehen und mit Streetdancern Gottesdienst feiern? (2)
Die kommen doch sowieso nicht hierher in die Kirche.
Die Kirche sollte eher die pflegen, die noch da sind.
So denken nicht wenige wie der daheimgebliebene Sohn.
Es gibt viele, die finden,
wir sollten uns eher um die 99% kümmern,
die schon immer in unserem Land gelebt haben.
Die Deutschen seien wichtiger als die Flüchtlinge.
Also bitte nicht so viel Aufwand für sie.
Es gibt viele, die finden es unnötig, ein Gesetz zu ändern
für die vielleicht 5 oder 6% Schwulen und Lesben,
Okay, sie wollen endlich genauso verheiratet sein, wie die Heterosexuellen.
Aber müssen wir für ein Schaf und eine Silbermünze so einen Aufwand treiben?
Ein Gesetz ändern.
Aufs Meer hinausfahren.
Schulen neu ausstatten. Suchen und Finden.
Muss das sein?
Und wenn ich dieses Schaf bin? (3)
VIII.
Ja, stell dir vor:
der Schäfer kommt zurück mit dem einen Schaf.
Er sieht die mürrischen Gesichter der anderen.
Und dann führt er sie alle auf eine neue Weide, wo es die leckersten Gräser gibt.
Feiert mit, sagt er,
setzt sich dazu und genießt die Sonne.
Stell dir vor:
der Vater nimmt den beleidigten Sohn in den Arm.
Und dann gehen sie gemeinsam zum Festessen.
Dort sieht er seinen zurückgekommenen Bruder.
Beide merken: wir sind Brüder.
Und hier sind wir zuhause.
Was auch sonst immer noch zwischen uns sein mag.
Und sie umarmen sich.
Wie du damals deine Cousine nach dem Streit.
Die Tränen fließen, aber der Mund lächelt.
Sie haben sich wie ihr nicht gesucht.
Aber sich vielleicht wiedergefunden.
Stell dir vor:
du gehst nachher zum Café Roland.
Dort treffen sich Christian und Oxana mit Flüchtlingen
aus dem Irak und dem Iran und aus Syrien,
und gemeinsam grillen sie.
Stell dir vor:
auf dem Weg dorthin triffst du den Christen,
der glaubt, dass nur noch rechte Politik unser Land retten kann.
Du nimmst ihn mit und gemeinsam setzt ihr euch zu den anderen.
Einer von den Iranern drückt ihm ein Bier in die Hand.
Falaffel und Erdbeerquark stehen auf dem Tisch.
Und gemeinsam versuchen sie, den Grill anzuwerfen.
Sie suchen sich.
Sie wissen noch nicht, ob sie sich trauen können.
Aber der Versuch ist es wert.
Und das schon ist ein Grund zum Feiern.
Und Jesus feiert mit.
Amen.
(1) Gleichnis von den verlorenen Söhnen (Lukas 15,11-32)
(2) Am Wochenende zuvor fand in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs ein Gottesdienst mit jugendlichen Streetdancern statt.
(3) Danke für diesen Gedanken an Silke Wolfrum und Herbert Sperber
Alle Zolleinnehmer und andere Menschen,
die ein Leben voller Schuld führten,
kamen zu Jesus,
um ihm zuzuhören.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich darüber.
Sie sagten:
»Mit solchen Menschen gibt er sich ab
und isst sogar mit ihnen!«
Da erzählte ihnen Jesus dieses Gleichnis:
»Stellt euch vor:
Einer von euch hat hundert Schafe
und verliert eines davon.
Wird er dann nicht die neunundneunzig Schafe
in der Steppe zurücklassen
und das verlorene Schaf suchen,
bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
nimmt er es voller Freude auf seine Schultern
und trägt es nach Hause.
Er ruft seine Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen:
›Freut euch mit mir!
Ich habe das Schaf wiedergefunden,
das ich verloren hatte.‹
Das sage ich euch:
Genauso freut sich Gott im Himmel
über einen mit Schuld beladenen Menschen,
der sein Leben ändert.
Er freut sich mehr als über neunundneunzig Gerechte,
die es nicht nötig haben,
ihr Leben zu ändern.«
»Oder stellt euch vor:
Eine Frau besitzt zehn Silbermünzen.
Wenn sie eine davon verliert:
Wird sie da nicht eine Öllampe anzünden,
das Haus fegen
und in allen Ecken suchen,
bis sie das Geldstück findet?
Und wenn sie es gefunden hat,
ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
und sagt:
›Freut euch mit mir!
Ich habe die Silbermünze wiedergefunden,
die ich verloren hatte.‹
Das sage ich euch:
Genauso freuen sich die Engel Gottes
über einen mit Schuld beladenen Menschen,
der sein Leben ändert.«
I.
Stell dir vor:
Ein blöder Streit um Geld hat euch auseinandergebracht.
Dich und deine Cousine.
Ihr wart mal wie Zwillingsschwestern.
Deine Mutter war für euch beide da.
Ihr gehörtet zusammen. Ihr habt euch alles erzählt.
Zu ihr konntest du gehen, als du todtraurig warst
Und zu dir ist sie gekommen, als ihr Sohn einen Anfall hatte.
Aber dann der Streit ums Geld.
Um das Erbe der Großeltern.
Mit ihr will ich nichts mehr zu tun haben,
sagst du mit Wuttränen in den Augen.
Und sie gibt sich schnippisch: Ich brauch dich auch gar nicht.
Doch dann der Tod deiner Mutter. Ihrer Pflegemutter.
Ihr trefft euch am Grab.
Seht euch an.
Und dann die Umarmung.
Die Tränen fließen, aber der Mund lächelt.
Ihr wollt euch gar nicht mehr loslassen.
Der Kuchen schmeckt so richtig gut.
Stell dir vor: ihr habt euch verloren.
Ihr habt euch nicht gesucht.
Aber ihr habt euch wiedergefunden.
Ein Grund zum Feiern.
II.
Stell dir vor:
Da ist ein Christ, der glaubt, dass nur noch rechte Politik unser Land retten kann.
Grenzen dicht. Islam raus. Schmarotzer weg.
Eine Kultur in einer Nation.
Kein Kulturmix mehr, sondern endlich klare Verhältnisse.
Deutschland den Deutschen.
Doch dann sucht er dich.
Oder hat er dich schon gefunden?
Er nimmt Kontakt mit dir auf.
Will mit dir reden -
er findet, dass du auf das falsche Pferd setzt mit deiner Fremdenliebe.
Er will dir die Augen öffnen
und schickt dir lauter schreckliches Videos von Islamisten und Terroristen.
Und du denkst:
Ich habe ihn nicht gesucht.
Und gefunden hat er eher mich.
Aber er ist der Verlorene.
Und so suchst du nach einem Weg, ihn zurück zu bringen.
Ihr trefft euch sogar.
Aber ihr kommt nicht zueinander. Nicht wirklich.
Und die Türen sind wieder zu.
Stell dir vor: Ihr habt euch gefunden.
Und verloren.
Kein Grund zum Feiern.
III.
Stell dir vor:
da ist Jesus.
Der macht die Türen auf.
Der geht raus.
Der geht zu denen, die man nicht besucht.
Die abgeschoben werden sollen.
Sie haben vielleicht keinen richtigen Pass.
Gehören nicht dazu
mit ihrer Sprache, ihrer Kleidung, ihrer Religion.
Jesus geht raus.
Er geht auch zu denen, denen ihr Pass ganz wichtig ist.
Die sich von ihrer Angst treiben lassen
und deshalb Mauern um sich herum bauen.
Jesus geht raus.
Zu denen, die im Internet Hasskommentare schreiben.
#Hatespeech.
Die die Angst der anderen ausnutzen.
Und dich und mich als Gutmenschen beschimpfen.
Jesus geht dorthin,
zu den Abgeschobenen und Ängstlichen und Hassenden.
Zu denen, die sich verloren haben
und nicht mehr wissen, wo sie hingehören.
IV.
Stell dir vor:
Jesus sucht sie.
Im Gefängnis und im Internet.
In der Kirche, im Polittalk
und im Bundestag.
Stell dir vor:
er findet sie.
Holt sie zu sich - an seinen Tisch.
Da ist Brot und Wein und Käse und Fallafel und Erdbeerquark.
Und alle trinken aus demselben Kelch.
Jesus nimmt seine Gäste in den Arm
und auf ihren hatespeech antwortet er mit lovespeech.
Er holt die Streetdancer dazu, die letztens im Bahnhof waren.
Die lassen den Saal beben.
Stell dir vor:
Jesus sucht die Verlorenen, die niemand sonst wirklich sucht.
Die, die sich selbst verloren haben.
Er findet sie. Und sie finden ihn.
Und sie feiern, weil sie allen Grund dazu haben.
V.
Denn sie gehören alle dazu.
Selbst wenn sie sich selber ausschließen.
Sie gehören dazu und brauchen ihren Hass und ihre Angst nicht mehr.
Auch die, von denen die anderen sagen, dass sie nicht dazu gehören.
In den Augen Gottes sind sie alle unendlich wertvoll.
Gott gibt sie nicht auf. Niemals.
Er geht bis an den Rand des Abgrunds, um das eine Schaf einzusammeln.
Sie kehrt das Unterste nach Oben, um den einen Groschen zu finden.
Gott sucht.
Nach denen, die sich verloren haben.
Geht ihnen nach und gibt sie nicht auf.
Gott geht sogar ans Kreuz, damit niemand mehr ohne ihn ist.
VI.
Stell dir vor:
die anderen sind sauer.
Die, die immer schon dabei sind.
Womöglich findet der Schäfer das eine Schaf wichtiger als uns?
Aber es ist doch selber schuld, wenn es sich von uns entfernt.
Was ist es auch so leichtsinnig?
Muss es sein, dass der Schäfer dem hinterher geht?
Wir sind doch auch noch da!
Ich will diese Fragen nicht einfach abtun.
Denn wenn die Kraft begrenzt ist oder kein Geld da ist,
dann muss man sich vielleicht entscheiden, um wen man sich zuerst kümmert.
Aber der Schäfer weiß ja, dass es seinen 99 Schafen gut geht.
Dass sie sich zu helfen wissen.
Sie brauchen ihn gerade nicht.
Und sie wissen genau:
wenn mir das mal passiert, dass ich mich verloren habe,
dann sucht er auch nach mir.
VII.
Aber es passiert eben auch,
dass die 99 dem einen Schaf einfach nicht gönnen,
dazu zu gehören.
Der daheim gebliebene Sohn, der Ältere,
will das Fest für seinen zurückgekehrten Bruder nicht mitfeiern (1).
Der hat das nicht verdient.
So wie deine Cousine.
Die hatte das auch nicht verdient.
Und wir feiern den Gottesdienst wie wir ihn gewohnt sind.
Denn da kommen die, die wir kennen und die dazu gehören.
Wir kennen uns. Uns gefällt es.
Müssen wir in den Bahnhof gehen und mit Streetdancern Gottesdienst feiern? (2)
Die kommen doch sowieso nicht hierher in die Kirche.
Die Kirche sollte eher die pflegen, die noch da sind.
So denken nicht wenige wie der daheimgebliebene Sohn.
Es gibt viele, die finden,
wir sollten uns eher um die 99% kümmern,
die schon immer in unserem Land gelebt haben.
Die Deutschen seien wichtiger als die Flüchtlinge.
Also bitte nicht so viel Aufwand für sie.
Es gibt viele, die finden es unnötig, ein Gesetz zu ändern
für die vielleicht 5 oder 6% Schwulen und Lesben,
Okay, sie wollen endlich genauso verheiratet sein, wie die Heterosexuellen.
Aber müssen wir für ein Schaf und eine Silbermünze so einen Aufwand treiben?
Ein Gesetz ändern.
Aufs Meer hinausfahren.
Schulen neu ausstatten. Suchen und Finden.
Muss das sein?
Und wenn ich dieses Schaf bin? (3)
VIII.
Ja, stell dir vor:
der Schäfer kommt zurück mit dem einen Schaf.
Er sieht die mürrischen Gesichter der anderen.
Und dann führt er sie alle auf eine neue Weide, wo es die leckersten Gräser gibt.
Feiert mit, sagt er,
setzt sich dazu und genießt die Sonne.
Stell dir vor:
der Vater nimmt den beleidigten Sohn in den Arm.
Und dann gehen sie gemeinsam zum Festessen.
Dort sieht er seinen zurückgekommenen Bruder.
Beide merken: wir sind Brüder.
Und hier sind wir zuhause.
Was auch sonst immer noch zwischen uns sein mag.
Und sie umarmen sich.
Wie du damals deine Cousine nach dem Streit.
Die Tränen fließen, aber der Mund lächelt.
Sie haben sich wie ihr nicht gesucht.
Aber sich vielleicht wiedergefunden.
Stell dir vor:
du gehst nachher zum Café Roland.
Dort treffen sich Christian und Oxana mit Flüchtlingen
aus dem Irak und dem Iran und aus Syrien,
und gemeinsam grillen sie.
Stell dir vor:
auf dem Weg dorthin triffst du den Christen,
der glaubt, dass nur noch rechte Politik unser Land retten kann.
Du nimmst ihn mit und gemeinsam setzt ihr euch zu den anderen.
Einer von den Iranern drückt ihm ein Bier in die Hand.
Falaffel und Erdbeerquark stehen auf dem Tisch.
Und gemeinsam versuchen sie, den Grill anzuwerfen.
Sie suchen sich.
Sie wissen noch nicht, ob sie sich trauen können.
Aber der Versuch ist es wert.
Und das schon ist ein Grund zum Feiern.
Und Jesus feiert mit.
Amen.
(1) Gleichnis von den verlorenen Söhnen (Lukas 15,11-32)
(2) Am Wochenende zuvor fand in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs ein Gottesdienst mit jugendlichen Streetdancern statt.
(3) Danke für diesen Gedanken an Silke Wolfrum und Herbert Sperber
Sonntag, 18. Juni 2017
Mit vollem Risiko
Predigt zu Johannes 5,39-47
I.
Ihr erforscht die Heiligen Schriften,
weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu erhalten.
Auch die sind meine Zeugen.
Aber ihr wollt euch mir nicht anschließen,
um das ewige Leben zu erhalten.
Ich bin nicht darauf aus,
dass Menschen mir Herrlichkeit zugestehen.
Außerdem habe ich euch durchschaut:
Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.
Ich bin im Namen meines Vaters gekommen,
und ihr lehnt mich ab.
Wenn aber irgendjemand anderes in seinem eigenen Namen kommt –
den nehmt ihr auf.
Wie könnt ihr denn zum Glauben kommen?
Es geht euch doch nur darum,
dass einer dem anderen Herrlichkeit zugesteht!
Aber nach der Herrlichkeit, die der einzige Gott schenkt,
strebt ihr nicht.
Ihr braucht nicht zu denken,
dass ich euch vor dem Vater anklagen werde.
Es ist vielmehr Mose, der euch anklagt –
Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet,
dann würdet ihr auch mir glauben.
Denn er weist in der Heiligen Schrift auf mich hin.
Wenn ihr schon seinen Schriften nicht glaubt,
wie wollt ihr dann meinen Worten glauben?
II.
Jesus ist sauer. Richtig sauer.
Er hat auf diese Besserwisser keinen Bock mehr.
Sie gehen ihm gehörig auf den Keks -
diese „Ich weiß wie alles läuft und wer du bist“-Meckerer.
Ihre Lieblosigkeit und wie sie ständig Schriftstellen zitieren,
ihr Rechthabenwollen
alles das können sie sich an den Hut stecken.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch!“
Das wirft Jesus denen an den Kopf,
die sich Gott besonders nahe fühlen.
Die meinen zu wissen, wie Gott tickt.
Was Gott sagt. Und was Gott will.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch!“
Denn ihr haltet euch an toten Buchstaben
und an starren Regeln fest,
an vorgefertigten Meinungen
und ihr glaubt, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Als ob das überhaupt möglich wäre,
die Wahrheit zu besitzen.
Nein,
diese „Ich weiß wie alles läuft“-Nummer läuft nicht mehr.
III.
Ich kenne sie,
diese Stellenzitierer und Rechthaberinnen zur Genüge,
Sie „wissen, wie alles läuft“ und „zu laufen hat.“
Momentan sind wieder viele unterwegs.
Sie regen sich auf über eine Prälatin in Stuttgart,
die die Kirchen für schwule und lesbische Paare öffnen will.
Die paar Bibelzitate, die es zur Frage der Homosexualität geben könnte,
werden hervorgeholt
und der Prälatin um die Ohren geschlagen,
als ob sie die Bibel nicht kennen würde.
Wo bleibt da die Liebe?
Sie wird eingesperrt in ein Buch mit Goldrand und Buchstaben darin,
an denen darf nicht gerüttelt werden.
Und das alles im Namen Gottes.
Die Stellenzitierer und Rechthaberinnen haben protestiert,
als vor über 20 Jahren die evangelische Kirche Pforzheim
der Moschee einen Kronleuchter schenkte,
und sie regen sich heute darüber auf,
dass wir den Muslimen
einen gesegneten Ramadan wünschen.
Und wenn wir auf dem Marktplatz
ein multireligiöses Friedensgebet abhalten,
werden uns Bibelzitate an den Kopf geworfen.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6)
Da sei doch kein Platz für eine andere Religion.
Und kürzlich las ich in einem Leserbrief der PZ:
„Wir müssen den Islam zum Feind erklären“…
Was würde Jesus dazu sagen?
IV.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.“
Jesus sagt das zu den Stellenzitierern um ihn herum.
Gerade hat er am Teich Bethesda einen Kranken geheilt,
der lag schon 38 Jahre dort.
Das ist für sie ein Skandal.
Weil es am Sabbat geschehen ist.
Weil sich Jesus über die Gebote hinweggesetzt hat.
Und dabei behauptet er auch noch,
das alles geschehe im Einklang mit Gott.
Was maßt er sich an?
Wie kann der nur?
Der weiß doch, was in den Heiligen Schriften steht.
Und doch hält er sich nicht daran.
Ist ihm das egal?
Und sie glauben zu wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Ein Gotteslästerer.
Ein Hochstapler.
Einer, der ignoriert, was ihnen heilig und wichtig ist.
Ganz bestimmt ist er kein Sohn Gottes.
Sie wissen, wie alles läuft
und wer er ist und wer er nicht ist.
V.
Ich erkenne mich in ihnen wieder.
Im Gegensatz zu ihnen gefällt mir zwar der Jesus,
der am Sabbat heilt, sehr gut.
Er entspricht dem Bild, das ich von ihm habe.
Dem Bild von dem Gott,
der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigt:
er heilt, er schafft und nährt, er macht neu und liebt.
Er rettet, sucht, geht mit und tröstet.
Ja, so kenne ich Jesus.
So kenne ich Gott. Und so will ich ihn.
Aber dieser Jesus hier, der seine Gegner abkanzelt,
ist mir fremd.
Passt nicht in mein Bild.
Wie könnt ihr denn zum Glauben kommen?
Es geht euch doch nur darum,
dass einer dem anderen Herrlichkeit zugesteht!
Aber nach der Herrlichkeit,
die der einzige Gott schenkt,
strebt ihr nicht.
Ihr braucht nicht zu denken,
dass ich euch vor dem Vater anklagen werde.
Es ist vielmehr Mose, der euch anklagt –
Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Harte, wütende Worte.
Du sprichst von Liebe, Jesus,
aber hier schlägst du nur noch um dich?
Und ich möchte dir deine eigenen Worte vorhalten.
Liebt eure Feinde.
Bittet für die, die euch verfolgen.
Selig sind die Sanftmütigen.
Gilt das für dich nicht?
Und schließlich weiß ich auch:
diese Wutsätze von dir hatten eine schreckliche Wirkung.
Sie waren für viele der Beweis,
dass Juden die Feinde der Christen seien.
Und selbst Mose würde sich gegen sein Volk richten.
Man hat diese Worte gelesen, die Bibel zugeklappt,
und dann Häuser von Juden angezündet.
Man hat selber die Liebe zu Gott vergessen.
VI.
Dabei bist du, Jesus, ja nicht wütend auf die Juden,
sondern auf alle, die Gott in ein Bild pressen.
Die ihn einsperren in die Buchdeckel der Bibel.
Und in Paragraphen und Gebote und Vorschriften.
Vielleicht bist auch wütend auf mich,
wenn ich dich nur sanft haben will,
aber wehe, du kommst mir zu nah
und wirst mal unbequem.
Jedenfalls scheint es dich zu nerven,
wenn wir lieber auf Nummer „sicher“ gehen,
kein Risiko eingehen und nicht anecken wollen.
Du sagst:
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.“
Liebe geht nicht ohne Risiko.
Die „Ich weiß wie alles läuft“-Nummer läuft nicht mehr.
Ihr könnt nicht einfach ein paar Bibelstellen zitieren
und dann ist alles klar.
Denn ihr seid selber gefordert.
Ihr - mit Haut und Haaren
und allen Poren und ganzer Seele.
Setzt euch aus.
Setzt euch der Liebe aus.
Denn ihr seid Gotteskinder.
Kinder der Freiheit,
die ihre Stimme erheben
gegen die Stellenzitierer und Rechthaberinnen,
gegen die Angstmacher und Hasspredigerinnen,
die mit der großen und Gesetze sprengenden Liebe
nichts anfangen können.
Erhebt eure Stimme
für die, die 38 Jahre am Teich Bethesda auf ein heilendes Wort warten,
für die Frau, die gesteinigt werden soll,
weil ihr Lebensstil unmoralisch ist.
Sprecht für die,
die für ihre Liebe zueinander auch in der Kirche Raum brauchen.
Nehmt eure Geschwister vor der Lüge in Schutz,
auch wenn sie anders glauben als ihr.
Und sucht mit ihnen den Weg des Friedens.
Ihr seid Gottes Kinder.
Lasst nicht zu,
dass Menschenrechte gegen Sicherheitsbedürfnisse ausgespielt
oder ausgerechnet die integrierten Asylbewerber abgeschoben werden.
Ihr seid Gottes Kinder.
Teilt euer Brot, weicht den Schmerzen nicht aus.
Und hört nicht auf zu hoffen
auf die Liebe, die in euch allen ist.
VII.
Jesus, ich bekenne:
ich weiß nicht, wie alles läuft.
Ich muss immer wieder neu suchen.
Dich.
Du passt in kein Bild.
Ich suche nach deiner Liebe.
Nach dieser Liebe, die kein Risiko scheut.
Will mich von ihr treiben lassen.
Ich will deine Worte nicht einsperren,
um sie anderen um die Ohren zu schlagen.
Niemals.
Ich will sie hören.
Und weitersagen.
Und dann lieben.
Mit vollem Risiko.
Amen.
I.
Ihr erforscht die Heiligen Schriften,
weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu erhalten.
Auch die sind meine Zeugen.
Aber ihr wollt euch mir nicht anschließen,
um das ewige Leben zu erhalten.
Ich bin nicht darauf aus,
dass Menschen mir Herrlichkeit zugestehen.
Außerdem habe ich euch durchschaut:
Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.
Ich bin im Namen meines Vaters gekommen,
und ihr lehnt mich ab.
Wenn aber irgendjemand anderes in seinem eigenen Namen kommt –
den nehmt ihr auf.
Wie könnt ihr denn zum Glauben kommen?
Es geht euch doch nur darum,
dass einer dem anderen Herrlichkeit zugesteht!
Aber nach der Herrlichkeit, die der einzige Gott schenkt,
strebt ihr nicht.
Ihr braucht nicht zu denken,
dass ich euch vor dem Vater anklagen werde.
Es ist vielmehr Mose, der euch anklagt –
Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Denn wenn ihr Mose wirklich glauben würdet,
dann würdet ihr auch mir glauben.
Denn er weist in der Heiligen Schrift auf mich hin.
Wenn ihr schon seinen Schriften nicht glaubt,
wie wollt ihr dann meinen Worten glauben?
II.
Jesus ist sauer. Richtig sauer.
Er hat auf diese Besserwisser keinen Bock mehr.
Sie gehen ihm gehörig auf den Keks -
diese „Ich weiß wie alles läuft und wer du bist“-Meckerer.
Ihre Lieblosigkeit und wie sie ständig Schriftstellen zitieren,
ihr Rechthabenwollen
alles das können sie sich an den Hut stecken.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch!“
Das wirft Jesus denen an den Kopf,
die sich Gott besonders nahe fühlen.
Die meinen zu wissen, wie Gott tickt.
Was Gott sagt. Und was Gott will.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch!“
Denn ihr haltet euch an toten Buchstaben
und an starren Regeln fest,
an vorgefertigten Meinungen
und ihr glaubt, im Besitz der Wahrheit zu sein.
Als ob das überhaupt möglich wäre,
die Wahrheit zu besitzen.
Nein,
diese „Ich weiß wie alles läuft“-Nummer läuft nicht mehr.
III.
Ich kenne sie,
diese Stellenzitierer und Rechthaberinnen zur Genüge,
Sie „wissen, wie alles läuft“ und „zu laufen hat.“
Momentan sind wieder viele unterwegs.
Sie regen sich auf über eine Prälatin in Stuttgart,
die die Kirchen für schwule und lesbische Paare öffnen will.
Die paar Bibelzitate, die es zur Frage der Homosexualität geben könnte,
werden hervorgeholt
und der Prälatin um die Ohren geschlagen,
als ob sie die Bibel nicht kennen würde.
Wo bleibt da die Liebe?
Sie wird eingesperrt in ein Buch mit Goldrand und Buchstaben darin,
an denen darf nicht gerüttelt werden.
Und das alles im Namen Gottes.
Die Stellenzitierer und Rechthaberinnen haben protestiert,
als vor über 20 Jahren die evangelische Kirche Pforzheim
der Moschee einen Kronleuchter schenkte,
und sie regen sich heute darüber auf,
dass wir den Muslimen
einen gesegneten Ramadan wünschen.
Und wenn wir auf dem Marktplatz
ein multireligiöses Friedensgebet abhalten,
werden uns Bibelzitate an den Kopf geworfen.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh 14,6)
Da sei doch kein Platz für eine andere Religion.
Und kürzlich las ich in einem Leserbrief der PZ:
„Wir müssen den Islam zum Feind erklären“…
Was würde Jesus dazu sagen?
IV.
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.“
Jesus sagt das zu den Stellenzitierern um ihn herum.
Gerade hat er am Teich Bethesda einen Kranken geheilt,
der lag schon 38 Jahre dort.
Das ist für sie ein Skandal.
Weil es am Sabbat geschehen ist.
Weil sich Jesus über die Gebote hinweggesetzt hat.
Und dabei behauptet er auch noch,
das alles geschehe im Einklang mit Gott.
Was maßt er sich an?
Wie kann der nur?
Der weiß doch, was in den Heiligen Schriften steht.
Und doch hält er sich nicht daran.
Ist ihm das egal?
Und sie glauben zu wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Ein Gotteslästerer.
Ein Hochstapler.
Einer, der ignoriert, was ihnen heilig und wichtig ist.
Ganz bestimmt ist er kein Sohn Gottes.
Sie wissen, wie alles läuft
und wer er ist und wer er nicht ist.
V.
Ich erkenne mich in ihnen wieder.
Im Gegensatz zu ihnen gefällt mir zwar der Jesus,
der am Sabbat heilt, sehr gut.
Er entspricht dem Bild, das ich von ihm habe.
Dem Bild von dem Gott,
der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigt:
er heilt, er schafft und nährt, er macht neu und liebt.
Er rettet, sucht, geht mit und tröstet.
Ja, so kenne ich Jesus.
So kenne ich Gott. Und so will ich ihn.
Aber dieser Jesus hier, der seine Gegner abkanzelt,
ist mir fremd.
Passt nicht in mein Bild.
Wie könnt ihr denn zum Glauben kommen?
Es geht euch doch nur darum,
dass einer dem anderen Herrlichkeit zugesteht!
Aber nach der Herrlichkeit,
die der einzige Gott schenkt,
strebt ihr nicht.
Ihr braucht nicht zu denken,
dass ich euch vor dem Vater anklagen werde.
Es ist vielmehr Mose, der euch anklagt –
Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt.
Harte, wütende Worte.
Du sprichst von Liebe, Jesus,
aber hier schlägst du nur noch um dich?
Und ich möchte dir deine eigenen Worte vorhalten.
Liebt eure Feinde.
Bittet für die, die euch verfolgen.
Selig sind die Sanftmütigen.
Gilt das für dich nicht?
Und schließlich weiß ich auch:
diese Wutsätze von dir hatten eine schreckliche Wirkung.
Sie waren für viele der Beweis,
dass Juden die Feinde der Christen seien.
Und selbst Mose würde sich gegen sein Volk richten.
Man hat diese Worte gelesen, die Bibel zugeklappt,
und dann Häuser von Juden angezündet.
Man hat selber die Liebe zu Gott vergessen.
VI.
Dabei bist du, Jesus, ja nicht wütend auf die Juden,
sondern auf alle, die Gott in ein Bild pressen.
Die ihn einsperren in die Buchdeckel der Bibel.
Und in Paragraphen und Gebote und Vorschriften.
Vielleicht bist auch wütend auf mich,
wenn ich dich nur sanft haben will,
aber wehe, du kommst mir zu nah
und wirst mal unbequem.
Jedenfalls scheint es dich zu nerven,
wenn wir lieber auf Nummer „sicher“ gehen,
kein Risiko eingehen und nicht anecken wollen.
Du sagst:
„Ihr habt keine Liebe zu Gott in euch.“
Liebe geht nicht ohne Risiko.
Die „Ich weiß wie alles läuft“-Nummer läuft nicht mehr.
Ihr könnt nicht einfach ein paar Bibelstellen zitieren
und dann ist alles klar.
Denn ihr seid selber gefordert.
Ihr - mit Haut und Haaren
und allen Poren und ganzer Seele.
Setzt euch aus.
Setzt euch der Liebe aus.
Denn ihr seid Gotteskinder.
Kinder der Freiheit,
die ihre Stimme erheben
gegen die Stellenzitierer und Rechthaberinnen,
gegen die Angstmacher und Hasspredigerinnen,
die mit der großen und Gesetze sprengenden Liebe
nichts anfangen können.
Erhebt eure Stimme
für die, die 38 Jahre am Teich Bethesda auf ein heilendes Wort warten,
für die Frau, die gesteinigt werden soll,
weil ihr Lebensstil unmoralisch ist.
Sprecht für die,
die für ihre Liebe zueinander auch in der Kirche Raum brauchen.
Nehmt eure Geschwister vor der Lüge in Schutz,
auch wenn sie anders glauben als ihr.
Und sucht mit ihnen den Weg des Friedens.
Ihr seid Gottes Kinder.
Lasst nicht zu,
dass Menschenrechte gegen Sicherheitsbedürfnisse ausgespielt
oder ausgerechnet die integrierten Asylbewerber abgeschoben werden.
Ihr seid Gottes Kinder.
Teilt euer Brot, weicht den Schmerzen nicht aus.
Und hört nicht auf zu hoffen
auf die Liebe, die in euch allen ist.
VII.
Jesus, ich bekenne:
ich weiß nicht, wie alles läuft.
Ich muss immer wieder neu suchen.
Dich.
Du passt in kein Bild.
Ich suche nach deiner Liebe.
Nach dieser Liebe, die kein Risiko scheut.
Will mich von ihr treiben lassen.
Ich will deine Worte nicht einsperren,
um sie anderen um die Ohren zu schlagen.
Niemals.
Ich will sie hören.
Und weitersagen.
Und dann lieben.
Mit vollem Risiko.
Amen.
Montag, 5. Juni 2017
Ein neuer Mitbewohner, der die Fenster aufreißt
Predigt zu Johannes 14, 23 bis 27
gehalten zu Pfingten in der Markuskirche in Pforzheim
I.
Begrüßt mit mir unseren Mitbewohner.
Gott, heiliger Geist, zieht bei dir ein und bei mir.
Er wohnt nun hier - bei uns.
Heute feiern wir sein Begrüßungsfest.
Herzlich Willkommen, Gott!
Herzlich willkommen in diesem Haus, in diesem Leben.
Willkommen heute -
an Pfingsten, dein Begrüßungsfest.
Du setzt die Welt ins Staunen und ziehst bei uns ein.
II.
Begrüßungsfest?
Hören wir auf Worte aus dem Johannesevangelium:
Jesus sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.
Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort,
sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
Aber der Tröster, der Heilige Geist,
den mein Vater senden wird in meinem Namen,
der wird euch alles lehren
und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
III.
Gott zieht bei den Jüngern und Jüngerinnen ein!
Und damit bei dir und bei mir.
Er ist kein Gast, den wir empfangen, bewirten,
an dessen Besuch wir uns freuen,
dann aber wieder tränenreichen Abschied nehmen müssen
und ihm lange nachwinken.
Gott ist kein vorübergehender Besuch,
wo wir hinterher nur ein paar Erinnerungsstücke aus den Ecken zusammensammeln.
Nein, Gott ist und bleibt da und füllt alle Ecken aus.
Der Himmel zieht auf die Erde.
Der Heilige Geist ist unser Mitbewohner geworden.
Kein Untermieter.
Kein befristeter Mietvertrag.
Nein, Hausbewohner.
Hier in der Markuskirche. Und drüben in der Thomaskirche.
Auf dem Wartbergturm.
Im Schwimmbad und im Bahnhof.
Und in den vielen Häusern und Wohnungen in Pforzheim
und rundherum auch.
In ganz besonders unseren Herzen.
Überall, wo Liebe gelebt wird.
Der Himmel hält Einzug in die bescheidenste Hütte.
IV.
Gott wohnt, wo man ihn einlässt - sagt Martin Buber.
Jesus sagt ähnlich:
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen
und Wohnung bei ihm nehmen.
Liebe und Liebe üben -
das ist die Basis für die Wohngemeinschaft mit Gott.
Und das offene Herz.
Gott wohnt, wo Liebe ist und gelebt wird.
Aber wo Liebe fehlt, kommt er auch.
Gott sei Dank.
Da vielleicht sogar erst recht?
Mit unserer Liebe ist es ja oft nicht weit her.
Und unser Herz ist auch nicht immer offen.
Wie bei den ängstlichen Jüngern in Jerusalem,
die sogar ihre Türen verrammelt hatten.
Der heilige Geist kommt einfach,
setzt sich funkensprühend auf deinen Kopf
und braucht keine besonders heiligen Räume.
Er öffnet einfach dein Herz.
Euer Herz erschrecke nicht.
Sagt Jesus.
Mach dir keine Sorge, ob du gut genug bist, damit Gott bei dir wohnt.
Klug genug, fromm genug, liebevoll genug, fleißig genug...
Du bist genug.
Sein Geist macht dich fähig zur Liebe.
Und ob du willst oder nicht:
Gottes Umzug ist schon längst im Gange.
Die Kartons stehen vor deiner Tür.
Und er zieht dir sogar hinterher,
auch wenn du aus der Wohnung mit ihm ausziehen willst.
Öffne deine Tür.
Und feiere mit ihm.
Koch Kaffee, backe Kuchen mit Erdbeeren,
stell die Sektgläser auf den Tisch
und lass die Korken knallen.
Und den jesidischen Nachbarn
und die alte Dame von nebenan
holst du noch dazu.
V.
Pfingsten, das Begrüßungsfest für den Heiligen Geist.
Gott zieht bei uns ein.
Er zieht in die Kirche ein
und sogar in das Haus, das ich selber bin.
Ist mir eigentlich wohl bei dem Gedanken?
Es ist schließlich kein vorübergehendes Zelten Gottes.
Ich habe jetzt einen Dauermitbewohner.
Und wie bei jeder WG zeigt der Mitbewohner Seiten an sich,
die mir vielleicht nicht so gefallen.
O Schreck! Jetzt fängt er an zu putzen.
Der Heilige Geist stellt die Möbel um.
Und entdeckt dabei,
was da im Laufe der Jahre kaputt gegangen ist.
Nimmt mir die Politur aus der Hand
und reibt stattdessen Balsam auf die Risse und Sprünge.
Er kratzt den falschen Lack ab.
Holt hinterm Sofa hervor,
was ich versteckt hatte
und meinte, längst vergessen zu haben.
Wie unbequem und lästig, dieser pfingstliche Hausbewohner!
Er wird doch nicht auch noch in den Keller gehen?
Ich weiß nicht, ob mir das recht ist.
Das Kaputte soll schön im Untergrund bleiben.
Ich hatte mich so gut eingerichtet mit all den Dingen,
über die ich nicht mehr reden will.
Von wegen, sagt mein neuer Mitbewohner.
Damit ist jetzt Schluss,
mit den Mauern und den verschlossenen Türen.
Es weht nun ein ganz neuer Wind.
Und dann reißt er auch noch die Fenster auf.
Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt mir das,
Der frische Wind bringt vieles durcheinander,
bringt er mich auf neue Gedanken.
Und ich atme ganz neu.
VI.
Gottes Geist ist sehr dynamischer Hausbewohner.
Er lässt sich nicht einsperren.
Weder von Kirchenmauern noch von Gemeindegrenzen.
Nicht von Landesgrenzen oder Moralvorstellungen
und auch nicht von Terroristen*.
Ihre Anschläge wollen mir Angst machen und die Zäune hoch.
Aber Gottes Geistkraft lässt das nicht zu.
Meine Zäune und die Verriegelungen
- mühsam installiert -
interessieren ihn gar nicht.
Gottes Geist weht einfach
hier
und in den Unterkünften im Eutinger Tal,
im EMMA,
an der Hochschule und im Kindergarten.
Und ganz besonders gerne auf Spielplätzen
und beim Christopher-Street-Day.
Er weht überall. Auch dort, wo ich es nicht für möglich halte.
Auf dem Kirchentag saß ich auf einem Podium
zusammen mit Politikern und einem Politikwissenschaftler.
Der christliche Politikwissenschaftler
wollte die Botschaft Jesu auf das Privatleben reduzieren.
Sie sei vor allem für die "Individualethik" gedacht,
nicht für "politische Ethik".
Und ausgerechnet der linke ungläubige Politiker ließ die Geisttaube wieder frei:
Er könne mit der Bergpredigt sehr viel anfangen -
auch als gesellschaftliche Leitlinie.
Ein Flattern von Taubenflügeln war förmlich zu hören.
Ja, der Heilige Geist wehte da vieles durcheinander auf dem politischen Podium.
Und ich staune.
Auf dem Rückweg saß ich im Zug neben einem 93jährigen Physiker,
der erzählte mir von seinen Aktivitäten in den 50ern,
als sich in Göttingen 18 Atomphysiker weigerten,
an einer deutschen Atombombe zu bauen
- obwohl Adenauer das wollte.
Und damit stoppten sie gefährliche Entwicklungen in Deutschland.
Und dann erzählte er, wie sie damals gemeinsam den eisernen Vorhang ignorierten,
sie kamen einfach mit Physikern aus aller Welt zusammen
- auch mit denen aus dem Osten.
Botschafter des Friedens - wenn schon die anderen das nicht schafften.
Ja, der Heilige Geist weht auch in der Physik.
Ganz bestimmt dort besonders.
Und ich staune.
Gottes Geist lässt sich einfach nicht einsperren,
nicht von einem Adenauer und auch nicht von mir.
VII.
Gott zieht bei uns ein. Heute.
Und er bringt den Himmel mit.
Und da gehört dann auch Abschied nehmen dazu,
Abschied davon, alles festhalten zu wollen.
Abschied von dem Bedürfnis, dass da einer für mich entscheidet.
Und von der Angst, ich könnte zu sehr gefordert sein.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Du brauchst keine Angst zu haben,
dein Lebenshaus sei zu klein für Gott.
Oder es sei zu unordentlich.
Gott wird zum Einwohner in deinem Leben.
Er mag die Risse und die Fugen, die du verbergen willst.
Er bricht deine allzu engen Wohnverhältnisse auf
und lässt noch andere Menschen ein.
Er reißt die Türen und Fenster auf.
Der Sommer weht herein und wärmt deine Herzen und Füße.
Vielleicht bringt er auch einen Regenschauer mit.
Begrüße diesen Gottesgeist.
Stelle Kaffee und Erdbeerkuchen auf den Tisch.
Und die Sektgläser auch.
Und dann setzt ihr euch hin und habt es gut.
Himmel und Erde werden neu.
Nichts bleibt wie es ist.
Und der Friede, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
Lied:
Refrain: Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
Refrain: Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
Text: Lothar Teckemeyer
Melodie: Wolfgang Teichmann
* In der Nacht auf den Pfingstsonntag fand ein tödlicher Anschlag in der Londoner Innenstadt statt
gehalten zu Pfingten in der Markuskirche in Pforzheim
I.
Begrüßt mit mir unseren Mitbewohner.
Gott, heiliger Geist, zieht bei dir ein und bei mir.
Er wohnt nun hier - bei uns.
Heute feiern wir sein Begrüßungsfest.
Herzlich Willkommen, Gott!
Herzlich willkommen in diesem Haus, in diesem Leben.
Willkommen heute -
an Pfingsten, dein Begrüßungsfest.
Du setzt die Welt ins Staunen und ziehst bei uns ein.
II.
Begrüßungsfest?
Hören wir auf Worte aus dem Johannesevangelium:
Jesus sprach: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht.
Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort,
sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
Aber der Tröster, der Heilige Geist,
den mein Vater senden wird in meinem Namen,
der wird euch alles lehren
und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
III.
Gott zieht bei den Jüngern und Jüngerinnen ein!
Und damit bei dir und bei mir.
Er ist kein Gast, den wir empfangen, bewirten,
an dessen Besuch wir uns freuen,
dann aber wieder tränenreichen Abschied nehmen müssen
und ihm lange nachwinken.
Gott ist kein vorübergehender Besuch,
wo wir hinterher nur ein paar Erinnerungsstücke aus den Ecken zusammensammeln.
Nein, Gott ist und bleibt da und füllt alle Ecken aus.
Der Himmel zieht auf die Erde.
Der Heilige Geist ist unser Mitbewohner geworden.
Kein Untermieter.
Kein befristeter Mietvertrag.
Nein, Hausbewohner.
Hier in der Markuskirche. Und drüben in der Thomaskirche.
Auf dem Wartbergturm.
Im Schwimmbad und im Bahnhof.
Und in den vielen Häusern und Wohnungen in Pforzheim
und rundherum auch.
In ganz besonders unseren Herzen.
Überall, wo Liebe gelebt wird.
Der Himmel hält Einzug in die bescheidenste Hütte.
IV.
Gott wohnt, wo man ihn einlässt - sagt Martin Buber.
Jesus sagt ähnlich:
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben,
und wir werden zu ihm kommen
und Wohnung bei ihm nehmen.
Liebe und Liebe üben -
das ist die Basis für die Wohngemeinschaft mit Gott.
Und das offene Herz.
Gott wohnt, wo Liebe ist und gelebt wird.
Aber wo Liebe fehlt, kommt er auch.
Gott sei Dank.
Da vielleicht sogar erst recht?
Mit unserer Liebe ist es ja oft nicht weit her.
Und unser Herz ist auch nicht immer offen.
Wie bei den ängstlichen Jüngern in Jerusalem,
die sogar ihre Türen verrammelt hatten.
Der heilige Geist kommt einfach,
setzt sich funkensprühend auf deinen Kopf
und braucht keine besonders heiligen Räume.
Er öffnet einfach dein Herz.
Euer Herz erschrecke nicht.
Sagt Jesus.
Mach dir keine Sorge, ob du gut genug bist, damit Gott bei dir wohnt.
Klug genug, fromm genug, liebevoll genug, fleißig genug...
Du bist genug.
Sein Geist macht dich fähig zur Liebe.
Und ob du willst oder nicht:
Gottes Umzug ist schon längst im Gange.
Die Kartons stehen vor deiner Tür.
Und er zieht dir sogar hinterher,
auch wenn du aus der Wohnung mit ihm ausziehen willst.
Öffne deine Tür.
Und feiere mit ihm.
Koch Kaffee, backe Kuchen mit Erdbeeren,
stell die Sektgläser auf den Tisch
und lass die Korken knallen.
Und den jesidischen Nachbarn
und die alte Dame von nebenan
holst du noch dazu.
V.
Pfingsten, das Begrüßungsfest für den Heiligen Geist.
Gott zieht bei uns ein.
Er zieht in die Kirche ein
und sogar in das Haus, das ich selber bin.
Ist mir eigentlich wohl bei dem Gedanken?
Es ist schließlich kein vorübergehendes Zelten Gottes.
Ich habe jetzt einen Dauermitbewohner.
Und wie bei jeder WG zeigt der Mitbewohner Seiten an sich,
die mir vielleicht nicht so gefallen.
O Schreck! Jetzt fängt er an zu putzen.
Der Heilige Geist stellt die Möbel um.
Und entdeckt dabei,
was da im Laufe der Jahre kaputt gegangen ist.
Nimmt mir die Politur aus der Hand
und reibt stattdessen Balsam auf die Risse und Sprünge.
Er kratzt den falschen Lack ab.
Holt hinterm Sofa hervor,
was ich versteckt hatte
und meinte, längst vergessen zu haben.
Wie unbequem und lästig, dieser pfingstliche Hausbewohner!
Er wird doch nicht auch noch in den Keller gehen?
Ich weiß nicht, ob mir das recht ist.
Das Kaputte soll schön im Untergrund bleiben.
Ich hatte mich so gut eingerichtet mit all den Dingen,
über die ich nicht mehr reden will.
Von wegen, sagt mein neuer Mitbewohner.
Damit ist jetzt Schluss,
mit den Mauern und den verschlossenen Türen.
Es weht nun ein ganz neuer Wind.
Und dann reißt er auch noch die Fenster auf.
Aber wenn ich ehrlich bin, gefällt mir das,
Der frische Wind bringt vieles durcheinander,
bringt er mich auf neue Gedanken.
Und ich atme ganz neu.
VI.
Gottes Geist ist sehr dynamischer Hausbewohner.
Er lässt sich nicht einsperren.
Weder von Kirchenmauern noch von Gemeindegrenzen.
Nicht von Landesgrenzen oder Moralvorstellungen
und auch nicht von Terroristen*.
Ihre Anschläge wollen mir Angst machen und die Zäune hoch.
Aber Gottes Geistkraft lässt das nicht zu.
Meine Zäune und die Verriegelungen
- mühsam installiert -
interessieren ihn gar nicht.
Gottes Geist weht einfach
hier
und in den Unterkünften im Eutinger Tal,
im EMMA,
an der Hochschule und im Kindergarten.
Und ganz besonders gerne auf Spielplätzen
und beim Christopher-Street-Day.
Er weht überall. Auch dort, wo ich es nicht für möglich halte.
Auf dem Kirchentag saß ich auf einem Podium
zusammen mit Politikern und einem Politikwissenschaftler.
Der christliche Politikwissenschaftler
wollte die Botschaft Jesu auf das Privatleben reduzieren.
Sie sei vor allem für die "Individualethik" gedacht,
nicht für "politische Ethik".
Und ausgerechnet der linke ungläubige Politiker ließ die Geisttaube wieder frei:
Er könne mit der Bergpredigt sehr viel anfangen -
auch als gesellschaftliche Leitlinie.
Ein Flattern von Taubenflügeln war förmlich zu hören.
Ja, der Heilige Geist wehte da vieles durcheinander auf dem politischen Podium.
Und ich staune.
Auf dem Rückweg saß ich im Zug neben einem 93jährigen Physiker,
der erzählte mir von seinen Aktivitäten in den 50ern,
als sich in Göttingen 18 Atomphysiker weigerten,
an einer deutschen Atombombe zu bauen
- obwohl Adenauer das wollte.
Und damit stoppten sie gefährliche Entwicklungen in Deutschland.
Und dann erzählte er, wie sie damals gemeinsam den eisernen Vorhang ignorierten,
sie kamen einfach mit Physikern aus aller Welt zusammen
- auch mit denen aus dem Osten.
Botschafter des Friedens - wenn schon die anderen das nicht schafften.
Ja, der Heilige Geist weht auch in der Physik.
Ganz bestimmt dort besonders.
Und ich staune.
Gottes Geist lässt sich einfach nicht einsperren,
nicht von einem Adenauer und auch nicht von mir.
VII.
Gott zieht bei uns ein. Heute.
Und er bringt den Himmel mit.
Und da gehört dann auch Abschied nehmen dazu,
Abschied davon, alles festhalten zu wollen.
Abschied von dem Bedürfnis, dass da einer für mich entscheidet.
Und von der Angst, ich könnte zu sehr gefordert sein.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Du brauchst keine Angst zu haben,
dein Lebenshaus sei zu klein für Gott.
Oder es sei zu unordentlich.
Gott wird zum Einwohner in deinem Leben.
Er mag die Risse und die Fugen, die du verbergen willst.
Er bricht deine allzu engen Wohnverhältnisse auf
und lässt noch andere Menschen ein.
Er reißt die Türen und Fenster auf.
Der Sommer weht herein und wärmt deine Herzen und Füße.
Vielleicht bringt er auch einen Regenschauer mit.
Begrüße diesen Gottesgeist.
Stelle Kaffee und Erdbeerkuchen auf den Tisch.
Und die Sektgläser auch.
Und dann setzt ihr euch hin und habt es gut.
Himmel und Erde werden neu.
Nichts bleibt wie es ist.
Und der Friede, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.
Lied:
1. Vorbei sind die Tränen, das Weinen, der Schmerz,
vorbei sind das Elend, der Hass und der Streit,
das Neue wird sein, gibt uns neue Kraft,
es ist da im Hier und im Jetzt.
vorbei sind das Elend, der Hass und der Streit,
das Neue wird sein, gibt uns neue Kraft,
es ist da im Hier und im Jetzt.
Refrain: Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
2. Vorbei ist die Herrschsucht, die fressende Macht,
die drohenden Fäuste sind nicht mehr geballt,
das Neue ist da, gibt uns neue Kraft,
es ist da im Hier und im Jetzt.
die drohenden Fäuste sind nicht mehr geballt,
das Neue ist da, gibt uns neue Kraft,
es ist da im Hier und im Jetzt.
Refrain: Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
3. Gott wohnt bei uns Menschen, die Zeit ist erfüllt.
Gott wischt ab die Tränen, er tröstet, er lacht.
Gott macht alles neu, gibt uns neue Kraft,
ist bei uns im Hier und im Jetzt.
Gott wischt ab die Tränen, er tröstet, er lacht.
Gott macht alles neu, gibt uns neue Kraft,
ist bei uns im Hier und im Jetzt.
Refrain: Himmel und Erde werden neu, nichts bleibt wie es ist.
Himmel und Erde, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht.
Text: Lothar Teckemeyer
Melodie: Wolfgang Teichmann
* In der Nacht auf den Pfingstsonntag fand ein tödlicher Anschlag in der Londoner Innenstadt statt
Sonntag, 7. Mai 2017
Fußball, Pfützen und die tanzende Weisheit
Predigt zu Sprüche 8, 22 - 36
(mit besonderem Dank an Florian Kunz für die Hauptanregung zum Gedicht von Kurt Marti und für ein paar Formulierungen, die ich übernommen habe (v.a. Abschnitt III und die erste Hälfte von VI)
I.
Finde das Leben, Mensch.
Finde es hier oder 5 Kilometer weiter,
heute,
morgen oder in einer Woche.
Finde das Leben.
Lass dich von der Weisheit entführen.
Denn sie weiß, wo das Leben ist.
Und was es ist.
Denn von Anfang an war sie da.
In Urzeiten schon.
II.
In der Bibel lesen wir:
Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege,
ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.
Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her,
im Anfang, ehe die Erde war.
Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren,
als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.
Ehe denn die Berge eingesenkt waren,
vor den Hügeln ward ich geboren,
als er die Erde noch nicht gemacht hatte
noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.
Als er die Himmel bereitete, war ich da,
als er den Kreis zog über der Tiefe,
als er die Wolken droben mächtig machte,
als er stark machte die Quellen der Tiefe,
als er dem Meer seine Grenze setzte
und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl;
als er die Grundfesten der Erde legte,
da war ich beständig bei ihm;
ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;
ich spielte auf seinem Erdkreis
und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
So hört nun auf mich, meine Söhne und Töchter!
Wohl denen, die meine Wege einhalten!
Hört die Zucht und werdet weise
und schlagt sie nicht in den Wind.
Wohl dem Menschen, der mir gehorcht,
dass er wache an meiner Tür täglich,
dass er hüte die Pfosten meiner Tore!
Wer mich findet, der findet das Leben
und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.
Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben;
alle, die mich hassen, lieben den Tod.
III.
Finde das Leben, Mensch.
Folge der Weisheit.
Sie war im Anfang da... und die Weisheit war bei Gott.
War schon da bevor irgendwas da war
Alles war noch eine große Leerstelle,
eine Klammer ohne Inhalt.
Da war sie schon da, die Weisheit.
Noch bevor das Licht anging,
bevor Himmel und Erde wurden, was sie sind,
bevor sich Worte bildeten in den Herzen der Menschen,
bevor das Leben Klänge und Farben bekam.
Sie war da, bevor es Busfahrkarten und Streuselkuchen gab,
Liebesgedichte und Papierschiffchen,
Sommerregen und Schneeflocken.
Sie war schon da.
Im Anfang war die Weisheit ...
und die Weisheit war ein Kind,
Gottes Kind, erstes Geschöpf, sein Liebling.
Trägt viele Namen: Chochma, Sophia, Sapientia.
Und Sophia, die Weisheit, spielt. Und Gott mit ihr.
Beide erschaffen Neues.
IV.
Kurt Marti (aus: Die gesellige Gottheit)
Sie spielte vor dem Erschaffer
umspielte, was er geschaffen,
und schlug,
leicht hüpfend von Einfall zu Einfall,
neue Erschaffungen vor:
Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?
Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle
Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?
Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?
So sei es, lachte Gott,
denn alles ist möglich,
doch muß Ordnung ins Ganze -
durch Schwerkraft zum Beispiel.
Dazu aber wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit.
Da ersann Gott die Zeit.
Und Sophia klatschte in die Hände.
Sophia tanzte,
leicht wie die Zeit,
zum wilden melodischen Urknall,
dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen,
Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten -
der kosmische Tanz,
das sich freudig ausdehnende All.
Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.
Und Gott tanzte mit.
V.
Gestern schoss die Weisheit ein Tor.
Das 2 zu 3 gegen Königsbach-Stein.
Sie umdribbelte zwei Gegenspieler
und zirkelte den Ball ins linke Eck.
Sie riss ihre Arme hoch und jubelte.
Und auf einmal waren alle anderen um sie herum
und freuten sich mit.
Auch Gott war dabei und jubelte laut.
Er spielt nicht gerne allein, sondern braucht Mitspieler.
Dich und mich.
Bei allem, was so entstehen soll.
Auch beim Fußball.
Die Weisheit liebt den Fußball.
Aber auch das Tanzen auf der Berlin-Klassenfahrt.
Leicht wie die Zeit mit Wirbeln und Bewegungen.
Mit einer Schwerkraft, die sie erdet.
Schaut nur genau hin.
Die Weisheit liebt es, mit Vollkaracho in Pfützen zu springen,
dass es nur so spritzt.
Noch mehr Spaß macht es mit anderen zusammen.
Gottes Weisheit ist gesellig.
Alle zusammen an den Händen -
zählen auf 1 - 2 - 3 und dann los.
Fast so schön wie der Urknall.
Der Schlamm sitzt dann überall, auch in den Haaren.
Und das ist es wert.
Die Weisheit liebt die Regenwürmer.
Wenn es geregnet hat, rennt sie schnell raus auf die Straße,
sammelt die Würmer auf, damit sie nicht überfahren werden.
Und sie staunt mit Gott darüber,
wie unterschiedlich kurz und lang so ein Regenwurm sein kann.
Und dass das Leben nicht nur leicht ist.
Die Weisheit baut leidenschaftlich gerne Sandburgen,
so nah wie möglich am Wasser,
damit es den Burggraben fluten kann.
Und am nächsten Morgen rennt die Weisheit hin
und schaut, ob die Burg noch da ist.
Vielleicht ist sie dann traurig, dass nur noch eine Ruine zu sehen ist.
Aber sie weiß, dass das eben so ist.
Die Zeit lässt sowas vergehen.
Erste Vergangenheiten werden sichtbar.
Nichts ist ewig, was wir erschaffen.
Aber die Weisheit erschafft weiter:
baut mit ihrem kleinen Bruder eine neue - noch schönere Burg.
Sammelt die Muscheln dafür und den Seetang.
Für das Spiel mit den Gezeiten.
VI.
Im Anfang war das Wort ... schreibt Johannes (1,1).
Der Logos, wie es im Griechischen heißt.
Logos, Sinn, Vernunft,
göttliche Weisheit und Inspiration.
Und darum wage ich mich weiter:
Im Anfang war die Weisheit,
und die Weisheit war bei Gott,
und Gott war die Weisheit.
Dieselbe war im Anfang bei Gott….
Und die Weisheit ward Fleisch
und wohnte unter uns, ...
Wird ein Mensch, wird ein Kind –
wie könnte es anders sein?
Die Weisheit liebt das, was da ist
und das was noch nicht da ist.
Sie heilt und tröstet, nimmt in den Arm und segnet.
Aus Erde und Speichel macht sie einen Brei.
Die Tische im Tempel wirft die Weisheit um.
Sie weint mit den Traurigen und lacht mit den Fröhlichen.
Mit Mirjam tanzt sie, deckt mit Marta den Tisch,
hört zu, was Maria sagt.
Und ist eins mit Gott.
Die Weisheit schreibt in den Sand.
Findet das Leben, ruft sie den Menschen zu.
Findet das Leben!
VII.
Liebe Weisheit,
komme zu mir. Erfülle mich.
Lehre mich tanzen und springen.
Ich will neugierig sein wie du.
Zeige mir die Wunder, die ich übersehe.
Lass mich staunen über den Regenwurm.
Schubse mich zum Marktplatz,
wo im Sprachenwirrwarr
die Kinder über die Wasserfontänen hüpfen.
Bewahre mich auch davor, abzustumpfen.
Ich will nicht denen auf den Leim gehen,
die es mit den Schwächsten nicht gut meinen
und die mit der Dummheit der Menschen spielen.
Gerade heute brauchen wir dich ganz besonders, Weisheit.*
Über die Toten lass mich weinen wie ein Kind.
Hilf mir, dass ich mich meiner Tränen nicht schäme.
Ich will sie sammeln im Krug und sie in Taten verwandeln.
In gute Taten. In einfache Taten.
Und auch in etwas Großes, wenn es nötig ist.
Liebe Weisheit, zeige mir, wie das geht.
Öffne mir die Räume des Lebens, die ich gestalten kann
- mit dir.
Ich will das Leben finden.
Mit dir, liebe Weisheit.
Ich finde es hier oder 5 Kilometer weiter,
heute,
morgen oder in einer Woche.
Ich will das Leben tanzen und feiern.
Mit dir, Weisheit, denn du weißt, was das Leben ist.
Von Anfang an warst du da.
Amen.
*) Heute wird in Pforzheim der zukünftige Oberbürgermeister gewählt (und es verspricht, spannend zu werden). Außerdem finden heute die Stichwahlen zur französischen Präsidentschaft statt, die große Auswirkungen auf die Zukunft Europas haben.
(mit besonderem Dank an Florian Kunz für die Hauptanregung zum Gedicht von Kurt Marti und für ein paar Formulierungen, die ich übernommen habe (v.a. Abschnitt III und die erste Hälfte von VI)
I.
Finde das Leben, Mensch.
Finde es hier oder 5 Kilometer weiter,
heute,
morgen oder in einer Woche.
Finde das Leben.
Lass dich von der Weisheit entführen.
Denn sie weiß, wo das Leben ist.
Und was es ist.
Denn von Anfang an war sie da.
In Urzeiten schon.
II.
In der Bibel lesen wir:
Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege,
ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.
Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her,
im Anfang, ehe die Erde war.
Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren,
als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.
Ehe denn die Berge eingesenkt waren,
vor den Hügeln ward ich geboren,
als er die Erde noch nicht gemacht hatte
noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.
Als er die Himmel bereitete, war ich da,
als er den Kreis zog über der Tiefe,
als er die Wolken droben mächtig machte,
als er stark machte die Quellen der Tiefe,
als er dem Meer seine Grenze setzte
und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl;
als er die Grundfesten der Erde legte,
da war ich beständig bei ihm;
ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;
ich spielte auf seinem Erdkreis
und hatte meine Lust an den Menschenkindern.
So hört nun auf mich, meine Söhne und Töchter!
Wohl denen, die meine Wege einhalten!
Hört die Zucht und werdet weise
und schlagt sie nicht in den Wind.
Wohl dem Menschen, der mir gehorcht,
dass er wache an meiner Tür täglich,
dass er hüte die Pfosten meiner Tore!
Wer mich findet, der findet das Leben
und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.
Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben;
alle, die mich hassen, lieben den Tod.
III.
Finde das Leben, Mensch.
Folge der Weisheit.
Sie war im Anfang da... und die Weisheit war bei Gott.
War schon da bevor irgendwas da war
Alles war noch eine große Leerstelle,
eine Klammer ohne Inhalt.
Da war sie schon da, die Weisheit.
Noch bevor das Licht anging,
bevor Himmel und Erde wurden, was sie sind,
bevor sich Worte bildeten in den Herzen der Menschen,
bevor das Leben Klänge und Farben bekam.
Sie war da, bevor es Busfahrkarten und Streuselkuchen gab,
Liebesgedichte und Papierschiffchen,
Sommerregen und Schneeflocken.
Sie war schon da.
Im Anfang war die Weisheit ...
und die Weisheit war ein Kind,
Gottes Kind, erstes Geschöpf, sein Liebling.
Trägt viele Namen: Chochma, Sophia, Sapientia.
Und Sophia, die Weisheit, spielt. Und Gott mit ihr.
Beide erschaffen Neues.
IV.
Kurt Marti (aus: Die gesellige Gottheit)
Sie spielte vor dem Erschaffer
umspielte, was er geschaffen,
und schlug,
leicht hüpfend von Einfall zu Einfall,
neue Erschaffungen vor:
Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?
Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle
Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?
Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?
So sei es, lachte Gott,
denn alles ist möglich,
doch muß Ordnung ins Ganze -
durch Schwerkraft zum Beispiel.
Dazu aber wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit.
Da ersann Gott die Zeit.
Und Sophia klatschte in die Hände.
Sophia tanzte,
leicht wie die Zeit,
zum wilden melodischen Urknall,
dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen,
Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten -
der kosmische Tanz,
das sich freudig ausdehnende All.
Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.
Und Gott tanzte mit.
V.
Gestern schoss die Weisheit ein Tor.
Das 2 zu 3 gegen Königsbach-Stein.
Sie umdribbelte zwei Gegenspieler
und zirkelte den Ball ins linke Eck.
Sie riss ihre Arme hoch und jubelte.
Und auf einmal waren alle anderen um sie herum
und freuten sich mit.
Auch Gott war dabei und jubelte laut.
Er spielt nicht gerne allein, sondern braucht Mitspieler.
Dich und mich.
Bei allem, was so entstehen soll.
Auch beim Fußball.
Die Weisheit liebt den Fußball.
Aber auch das Tanzen auf der Berlin-Klassenfahrt.
Leicht wie die Zeit mit Wirbeln und Bewegungen.
Mit einer Schwerkraft, die sie erdet.
Schaut nur genau hin.
Die Weisheit liebt es, mit Vollkaracho in Pfützen zu springen,
dass es nur so spritzt.
Noch mehr Spaß macht es mit anderen zusammen.
Gottes Weisheit ist gesellig.
Alle zusammen an den Händen -
zählen auf 1 - 2 - 3 und dann los.
Fast so schön wie der Urknall.
Der Schlamm sitzt dann überall, auch in den Haaren.
Und das ist es wert.
Die Weisheit liebt die Regenwürmer.
Wenn es geregnet hat, rennt sie schnell raus auf die Straße,
sammelt die Würmer auf, damit sie nicht überfahren werden.
Und sie staunt mit Gott darüber,
wie unterschiedlich kurz und lang so ein Regenwurm sein kann.
Und dass das Leben nicht nur leicht ist.
Die Weisheit baut leidenschaftlich gerne Sandburgen,
so nah wie möglich am Wasser,
damit es den Burggraben fluten kann.
Und am nächsten Morgen rennt die Weisheit hin
und schaut, ob die Burg noch da ist.
Vielleicht ist sie dann traurig, dass nur noch eine Ruine zu sehen ist.
Aber sie weiß, dass das eben so ist.
Die Zeit lässt sowas vergehen.
Erste Vergangenheiten werden sichtbar.
Nichts ist ewig, was wir erschaffen.
Aber die Weisheit erschafft weiter:
baut mit ihrem kleinen Bruder eine neue - noch schönere Burg.
Sammelt die Muscheln dafür und den Seetang.
Für das Spiel mit den Gezeiten.
VI.
Im Anfang war das Wort ... schreibt Johannes (1,1).
Der Logos, wie es im Griechischen heißt.
Logos, Sinn, Vernunft,
göttliche Weisheit und Inspiration.
Und darum wage ich mich weiter:
Im Anfang war die Weisheit,
und die Weisheit war bei Gott,
und Gott war die Weisheit.
Dieselbe war im Anfang bei Gott….
Und die Weisheit ward Fleisch
und wohnte unter uns, ...
Wird ein Mensch, wird ein Kind –
wie könnte es anders sein?
Die Weisheit liebt das, was da ist
und das was noch nicht da ist.
Sie heilt und tröstet, nimmt in den Arm und segnet.
Aus Erde und Speichel macht sie einen Brei.
Die Tische im Tempel wirft die Weisheit um.
Sie weint mit den Traurigen und lacht mit den Fröhlichen.
Mit Mirjam tanzt sie, deckt mit Marta den Tisch,
hört zu, was Maria sagt.
Und ist eins mit Gott.
Die Weisheit schreibt in den Sand.
Findet das Leben, ruft sie den Menschen zu.
Findet das Leben!
VII.
Liebe Weisheit,
komme zu mir. Erfülle mich.
Lehre mich tanzen und springen.
Ich will neugierig sein wie du.
Zeige mir die Wunder, die ich übersehe.
Lass mich staunen über den Regenwurm.
Schubse mich zum Marktplatz,
wo im Sprachenwirrwarr
die Kinder über die Wasserfontänen hüpfen.
Bewahre mich auch davor, abzustumpfen.
Ich will nicht denen auf den Leim gehen,
die es mit den Schwächsten nicht gut meinen
und die mit der Dummheit der Menschen spielen.
Gerade heute brauchen wir dich ganz besonders, Weisheit.*
Über die Toten lass mich weinen wie ein Kind.
Hilf mir, dass ich mich meiner Tränen nicht schäme.
Ich will sie sammeln im Krug und sie in Taten verwandeln.
In gute Taten. In einfache Taten.
Und auch in etwas Großes, wenn es nötig ist.
Liebe Weisheit, zeige mir, wie das geht.
Öffne mir die Räume des Lebens, die ich gestalten kann
- mit dir.
Ich will das Leben finden.
Mit dir, liebe Weisheit.
Ich finde es hier oder 5 Kilometer weiter,
heute,
morgen oder in einer Woche.
Ich will das Leben tanzen und feiern.
Mit dir, Weisheit, denn du weißt, was das Leben ist.
Von Anfang an warst du da.
Amen.
*) Heute wird in Pforzheim der zukünftige Oberbürgermeister gewählt (und es verspricht, spannend zu werden). Außerdem finden heute die Stichwahlen zur französischen Präsidentschaft statt, die große Auswirkungen auf die Zukunft Europas haben.
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