Sonntag, 28. April 2019

Guter Hoffnung sein

Predigt zu 1.Petrus 1,3-9

Mit riesengroßem Dank an Bärbel Greiler-Unrath und Friederike Goedicke, deren Worte ich weiterstricken durfte. So ist ein neuer Mix entstanden. Echte Predigtwerkstatt.


I. (Guter Hoffnung sein)

Wenn ein Kind unterwegs ist, dann sagte man früher:
„Ich bin guter Hoffnung“.
Weil man wusste: Da kommt was Gutes. Was Neues.
Nach den Wehen schreit ein neues Leben.
Schwelle zwischen Leben und Tod und Leben.
Auch heute noch ist dieser Übergang ins Leben voller Schmerzen - 

mit einem gewissen Risiko verbunden, auch wenn die moderne Medizin Sicherheit verspricht.
Wer geboren wird, muss durch einen dunklen Geburtskanal hindurch.
Erfährt Druck und Enge.

Ist das geschafft:
der erste Atemzug.
Der Beginn eines Lebens unter ganz anderen Voraussetzungen.
Abgeschnitten von der sicheren Versorgung.
Nun ist selber atmen angesagt.
Und noch blind sucht das Neugeborene nach Nahrung,
weiß noch nicht, wo die zu finden ist.
Ausgeliefert und noch hilflos ertastet sich das Kind den Weg ins Leben.  
Neues, eben geborenes Leben.

II. (Behütetsein)

Und wenn Kinder dann größer und selbständiger werde, lernen sie Laufen.
Sie lernen, aufzustehen und sich der Schwerkraft zu widersetzen. 
Beulen und Schrammen bleiben dabei nicht aus.
Und manchmal tut es richtig weh.
Wenn Kinder laufen lernen, dann ist da die Hand, die festhält und loslässt und wieder auffängt.
Kein Kind überlegt sich das beim Üben: Ist Mama, ist Papa da oder nicht?
Kann ich jetzt loslaufen? Ist die Treppe zu steil für mich oder geht das gut?
Kinder machen das einfach und vertrauen darauf, dass die Hand da ist, wenn sie eine brauchen.
Zum Auffangen und festhalten und getröstet werden.

III. (Nicht sehen können)

Blind nach dem Neuen tasten.
Nicht sehen können, ob es wirklich der richtige Weg ist.
Und trotzdem gehen. Trotzdem tasten. Trotzdem vertrauen. Trotzdem hoffen.

Thomas, einer der Freunde von Jesus, kann das noch nicht (1).
Nicht wirklich.
Was geschehen war, steckt noch in den Knochen.
Wer kann das schon begreifen?
Eine Achterbahnfahrt war das.
Hinauf nach Jerusalem, die Verheißung erfüllen.
Einmal noch miteinander essen.
Versprechen - gebrochen. Verraten. Verhaftet. Vorgeführt.
Der Weg zum Kreuz. Tief hinunter.
Am Ende, allein. Allein unter Menschen, allein am Kreuz.
Warum hast du mich verlassen? Warum nur, warum?
Da bleiben, aushalten.

Und dann: Anlauf nehmen, beim ersten Licht.
Eine kleine Weile ist erst vergangen.
3 Tage.
3 Tage und eine kleine Ewigkeit.
Zeit zum wundern, hinsehen, fragen.

IV. (Nicht begreifen)

Jesus lebt. Sagen sie.
Die eine erzählt von Gärtner - vom beim Namen gerufen werden.
Seiner allerbesten Freundin, hat er sich gezeigt.

Noli me tangere - Rühr mich nicht an.
Maria Magdalena darf ihn nicht anfassen.
Du kannst mich nicht halten in dieser Welt, scheint er zu sagen.
Lass mich gehen, bitte. Meine Liebe bleibt doch.

Thomas hingegen, nur kurze Zeit später, darf ihn berühren.
Jesus hält ihm seine Hände hin.
Da – wenn du es brauchst, um zu glauben, dass ich es bin.
Nimm meine Hände.

Glaube - mit und ohne anfassen.
Beides mutig –
beim einen die Frage, die Offenheit des Zweifels.
Bei den anderen das Vorschussvertrauen.
Mutig glauben - mit und ohne Anfassen.
Und losgehen - Ja, er lebt! Und du auch.

V. (Selig Glauben)

Selig, sind, die nicht sehen und doch glauben! (2)
Klare Worte zum Abschied - für die voller Zweifel.
Und für die, die sehen, hören, spüren und riechen wollen, dass der Tod wirklich entmachtet ist.
Für die eine, die Angst vor der Nacht hat und vor den Albträumen, die dann kommen.
Für den einen, dessen Hoffnung auf ein gutes Leben wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt
und am Ende bleibt nichts als Angst und Not und Tränen.
Für die vielen, die in Sri Lanka und jetzt auch in Powack ihre Liebsten verloren haben,
weil der Hass in einigen Menschen zu  groß war.
Für den einen, der in der Abschiebehaft sitzt, obwohl er nichts getan hat.
Und obwohl er endlich einen Job hatte, wird er nun abgeschoben.

Selig sind,  die nicht sehen und doch glauben!
Ein Vermächtnis.
Ein Vermächtnis für Maria und Johannes, Salome, Petrus und Jakobus,
Bartolomäus 
und alle anderen.
Ein Vermächtnis für diejenigen, die Jesus nie gesehen haben.  

Für die Zweifler wie Thomas. Für mich. Für dich.
Für die, die dennoch leben wollen und hoffen bis zum Schluss.

VI. (Petrusbrief)

An sie, an uns alle ist ein Brief überliefert,
der im Laufe der Geschichte dem Apostel Petrus zugeschrieben wurde.

Er schreibt:

Gelobt sei Gott, Ursprung von Jesus Christus, zu dem wir gehören.
Gott hat großes Mitleid gehabt und uns wiedergeboren,
so dass Hoffnung in uns lebendig geworden ist,
weil Jesus Christus von den Toten aufgestanden ist.

Wir hoffen, dass wir etwas erben werden, das nie vergeht,
das ohne Fehler ist und nicht verwelkt.
Es wird in den Himmeln für uns aufbewahrt,
für uns, die wir behütet werden von Gottes Kraft,
weil wir an die Rettung glauben,
die darauf wartet, am Ende der Zeit für alle offen gelegt zu werden.
Deshalb könnt ihr euch freuen,
obwohl ihr jetzt, wenn es denn sein muss, verschiedenartige Prüfungen durchsteht.
(…)
Auch wenn ihr ihn nicht gesehen habt, liebt ihr ihn.
Obwohl ihr den, dem ihr vertraut, jetzt nicht seht, jubelt ihr mit einer Freude,
die nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, die im Glanz strahlt,
denn ihr erreicht das Ziel eures Glaubens: euer Leben wird gerettet.
(3)

VII. (Neugeburt)

Guter Hoffnung sein, weil etwas Neues beginnt.
Der Weg dorthin ist ein dunkler Geburtskanal. Da musst du durch.
Und es geht nicht ohne Schmerz und Angst. Es geht nicht ohne das Ausgesetzt sein.
Ohne nicht-sehen und nicht-verstehen.
Nicht ohne das Gefühl, alleine gelassen, verlassen zu sein.

Und doch atmest du,
du atmest, obwohl du nicht weißt, wie das geht.
Du bist da,
du bist da, obwohl du nicht weißt, wie du hierher gekommen bist.
Und bist abgenabelt und suchst tastend nach dem, was dich hält.
Nach dem, der dich hält.  Und er ist da.

Wir werden behütet von der Gottes Kraft,
weil wir an die Rettung glauben.


Da ist eine Hand, die du ergreifst, ohne hinzusehen.
Durchatmen und dann wieder neu laufen lernen.
Schritt für Schritt Dinge tun, für die bisher die Kraft gefehlt hat.
Hinfallen, aufstehen. Weitergehen. Anders als vorher.
Die Schwerkraft ist da.  Der Schmerz auch.  Und der Auferstandene.

Neu gehen. Das Tor durchschreiten. Den Geburtskanal.
Die Angst. Die Hoffnungslosigkeit hinter dir lassen.
Und endlich sehen, was jetzt noch nicht zu sehen ist.
Glauben mit Anfassen.

VIII. (Gerettetsein)

Wie oft kann ein Mensch zu hoffen, obwohl alles dagegen spricht?
Wir oft erträgt es einer, geboren zu werden,
durch die Hölle zu gehen, Schmerz zu ertragen an Leib und Seele?
Wie lange kann man glauben ohne Anfassen, ohne Sehen, ohne Begreifen? 
Und das Leben leben - neu und zerbrechlich und endlich?
Leben als Achterbahn.

Am Ende bleibt die Frage,
warum das überhaupt alles einen Sinn macht
mit dem Vertrauen auf diesen unsichtbaren Gott. 

Ihr erreicht das Ziel eures Glaubens:
euer Leben wird gerettet.


Es gibt ein Ziel.
Bis dahin ist dein Leben wie Geborenwerden
und Laufen lernen und durch die Hölle gehen.
Und immer wieder von vorn anfangen.
Voller Vertrauen und Hoffnung, dass am Ende alles gut sein wird.

Jesus nimmt dich mit. Greift deine Hand und zieht dich mit.
An den tanzenden Bettlern und Lahmen vorbei,
dorthin wo Bäume blühen und Blumen.

Wo Gott dir erklärt, wie alles wirklich ist. 
Wo du dann selig bist, weil du siehst.
Und wo du glaubst. und jubelst
mit einer Freude, die nicht mit Worten ausgedrückt werden kann
.

Amen.


Danach Lied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

(1) Siehe Johannes 20, 19 - 29
(2) Johannes 20,29
(3) 1. Petrus 1,3-9 Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache

Freitag, 19. April 2019

Am Ende ist alles ganz

Predigt an Karfreitag zu Johannes 19*

(mit Dank an Birgit Mattausch, Sebastian Wolfrum und Keno Heyenga)

I.
Ist das jetzt das Ende?
Maria aus Magdala weint.
Was anderes bleibt ihr nicht mehr, außer zu weinen - und da zu sein.
Dabei ist das doch so viel.

Jesus hatte sie rausgeholt aus ihrer Angst, aus ihrem Kokon,
aus ihrer Erziehung, ihrer Moral .
Endlich ich sein. Geliebt von Gott. Geliebt von ihm.
Steh auf! Rief er.  Heilte ihr Herz.
Teilte seinen Becher mit ihr und das Brot.

Die anderen schauten sie immer noch schräg an.
Wer ist sie schon?
Sie mit ihrer Vergangenheit. Mit ihren Brüchen. Mit ihren Schatten.
Gehört die zu uns?
Aber es kümmerte sie nicht mehr, denn sie war ja bei ihm.
Und nichts konnte sie noch von ihm trennen.
Dachte sie.  Bis heute.

II.
Ist das jetzt das Ende?
Das Ende ihres gemeinsamen Weges?
Sie würde alles dafür geben, wenn sie ihn da runterholen könnte vom Kreuz.
Alles.
Es macht sie wahnsinnig, dass das nicht geht.
Und so steht sie hier und kann nichts tun.

Es ist laut hier.
Die Schreie der Gekreuzigten.Die Schreie der Gaffer und brüllende Soldaten.
Schwere Stiefel. Klirrende Rüstungen. Würfel fallen. Siegesgeschrei.
Maria blendet das alles aus. Hört das alles nicht. Will es nicht hören.
Sie schaut nur auf ihn.
Das kann doch noch nicht das Ende sein.

III.
Das kann noch nicht das Ende sein.
So flehten die Europäer, als sie die brennende Notre-Dame sahen.
Die Pariser sangen auf der Straße Ave Maria. Die Feuerwehrleute gaben ihr Letztes.
Banges Warten.

Das kann noch nicht das Ende sein.
Das fleht die Tochter, die ihre Mutter ins Krankenhaus bringt,
weil der Krebs sich durch ihren Körper frisst.
So vieles noch ungesagt.  So vieles noch vorgehabt.
Und jetzt? Banges Warten.
Ob sie nochmal nach Hause kann?

IV.
Maria steht nicht alleine unter dem Kreuz.
Da sind noch die anderen Marias da - die Mutter von Jesus und die anderen.
Und der eine von den Freunden ist auch da: der steht ihm besonders nahe.
Und der Sterbende spricht zu ihnen:
Frau, siehe, das ist dein Sohn!  Siehe, das ist deine Mutter!
Ihr gehört zusammen. Bleibt beieinander.
Tragt zusammen, was für eine allein zu schwer ist.
Liebesmanifest im Tod.
Mitten in Lärm und Geschrei.

Da stellen sich welche zueinander.
Eine legt den Arm um den anderen.
Tastet noch im Dunkeln nach seiner Hand.
Einer schickt immer eine Blume zum Jahrestag.
Eine kocht eine Suppe für die, die Kraft braucht.
Eine andere betet.

V.
Ist das jetzt das Ende?
Schreie verstummen und das Laute wird leise.
Mich dürstet, sagt der Sterbende.
Ausgetrocknete Kehle. Menschlich durch und durch.
Kein ferner Gott, der zuschaut. Dieser Gott ist mittendrin.
Das Kind in der Krippe.
Der Heiler in der Synagoge.
Der Tische-Umwerfer im Tempel.
Der mit seinen Freunden das Brot teilt.
Der Flehende und Weinende im nächtlichen Garten Gethsemane.

Wahrer Mensch.
Er hat Durst und Hunger wie ich.
Er sehnt sich wie ich nach zärtlicher Berührung und nach einem neuen Morgen.
Er will mit jeder Faser seines Körpers leben und weiß doch, dass er nun sterben wird.
Der Tod ist das menschlichste und das unmenschlichste zugleich.
Weil er uns wegreißt und auseinanderreißt - und weil er das Ende ist.

VI.
Es ist vollbracht.
Worte, um die ich ringe - die ich nie wirklich verstehe.
Und ich habe sie in Verdacht, dass sie mich vertrösten wollen.
Alles ist gut so? Alles soll so sein?
Nein, dieser Tod am Kreuz soll nicht so sein.
In mir sträubt sich alles dagegen.
Kein Mensch kann das wirklich wollen. Und kein Gott.

Aber nun sind sie da, diese Worte: Es ist vollbracht.
Und ich schaue auf diesen wahren Menschen,
Der noch im Sterben Liebende zusammenbringt,
der dafür sorgt, dass da welche beieinander stehen,
einander halten und stützen.

Und ich sehe, dass dieser Tod nicht auseinander reißt, sondern zusammenführt.
Er führt Gott hinein, wo es dunkel ist.
Wo nichts mehr ist, wo wir an unser Ende kommen: da ist Gott.
Er drückt sich nicht vor diesem Dunkel.
Ist nicht nur für das Helle zuständig - für den Erfolg oder das Schöne.
Nein, er ist gerade da, wo die Narben sind,
die Brüche, die Schatten - das, was mir Angst macht.
Da ist er - der Liebende, der Zusammenbringende.
Er hält das aus. Und er hält mich aus. Voll und ganz.

VII.
Es ist vollbracht.
Dieses auseinandergerissene, abgebrochene Leben ist vollbracht.
Es ist ganz und gar. Es ist vollständig.
Alles was vorher Liebe war ist immer noch voller Liebe.
Schmerzen und Wunden werden nicht ausgeblendet, sondern sind ein Teil von Gott.
Da ist kein Makel dran, auch wenn die Umstehenden nur Makel sehen.
Jede Narbe macht dieses Leben vollständig. Jede Schwäche macht es komplett.
Weil sie ein Teil von Gott ist.

Es ist vollbracht.
Worte, die beschädigtes Leben heiligen - ihm die Würde zurückgeben.
Unperfektes wird vollkommen geheißen, Abgebrochenes rehabilitiert.
In aller Zerrissenheit bleibt es ganz wie das Tuch, um das die Soldaten würfeln.

VIII.
Es ist vollbracht.
Gott lebt und stirbt die Liebe.
Und da steht nun Maria aus Magdala unter dem Kreuz.
Sie mit ihren Brüchen und ihren Schatten un die so schräg angeschaut wird.
Sie steht da und hält die anderen im Arm.
Auch ihr Leben ist vollbracht.  Er hat es vollkommen gemacht,
weil er mit ihren Schatten und Brüchen und den Beschädigungen am Kreuz ist.
Ihr Weg ist sein Weg. Mit Lärm und Blut und Rissen in der Seele.
Ihr Leiden ist sein Leiden. Ihr Tod ist sein Tod.
Da ist keine Trennung, kein Riss, sondern Liebe mit allen Schatten und Brüchen.
Und nichts kann sie von ihm trennen.

IX.
Es ist vollbracht.
Und darum steht Maria mit den anderen nicht alleine da unterm Kreuz.
Der sterbende Gott, der wahre Mensch steht bei ihnen.
Er umarmt sie, hält ihre Hand, stützt sie.
Er weint mit ihnen, klagt und schreit und schweigt mit ihnen.
Er singt mit den Parisern das Ave Maria
und bangt mit der Tochter um ihre Mutter im Krankenhaus.
Der Mutter streicht er über die Stirn und hält sie ganz fest im Arm.

Ist es jetzt das Ende?
Ja.
Aber am Ende ist er da.
Am Ende geht er in die absolute Dunkelheit.
Am Ende gibt es keinen gottlosen Ort mehr, weil er auch dort ist.
Am Ende ist alles ganz.
Es ist vollbracht.
Amen.



* Textgrundlage:

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König von Israel!, und schlugen ihm ins Gesicht.
Und Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. Da kam Jesus heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!
Als ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie: Kreuzige! Kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. Sie antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht.


Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr und ging wieder hinein in das Prätorium und spricht zu Jesus: Woher bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort.
Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht habe, dich zu kreuzigen?
Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre. Darum begeht, der mich an ausgeliefert hat, das größere Unrecht.
Von da an versucht Pilatus, ihn freizulassen.
Die Vertreter der jüdischen Obrigkeit aber schrien: Lässt du diesen frei, so bist du nicht mehr dem Kaiser treu; wer sich zum König macht, der ist gegen den Kaiser. Da Pilatus diese Worte hörte, führte er Jesus heraus und setzte sich auf den Richterstuhl an der Stätte, die da heißt Steinpflaster, auf Hebräisch Gabbata.

Es war aber der Vorbereitungstag für das Passafest, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Vertretern der jüdischen Obrigkeit: Sehet, euer König! Sie schrien aber: Weg, weg mit ihm! Kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.

Sie nahmen ihn also, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.
Pilatus schrieb auch eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, König des jüdischen Volkes. Viele Menschen aus seinem Volk lasen diese Aufschrift, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die jüdischen Hohenpriester zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König des jüdischen Volkes, sondern dass er gesagt hat: Ich bin König des jüdischen Volkes. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria aus Magdala. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.


Sonntag, 10. März 2019

Den Himmel durchschritten

Gnadenthron und leere Hände und ein offener Himmel
Predigt zu Hebräer 4, 14-16 


(Ich hatte große Mühe mit diesem Text aus dem Hebräerbrief. Doch dann stieß ich auf die Predigten von 2 Freundinnen: Birgit Mattausch* und Marei Röding. Ich entlieh mir von ihnen einige Worte und Satzkombinationen und die Grundidee, den Vers 15 zu erzählen und meine Geschichte und damit zu verweben - und ich strickte die Worte weiter. Das ist dann daraus geworden. Danke an Birgit und Marei!
Als ich sie dann heute gehalten habe, habe ich sie vor allem für meinen Freund aus R. gehalten.)


14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben,
Jesus, den Sohn Gottes,
der die Himmel durchschritten hat,
so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester,
der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit,
sondern der versucht worden ist in allem wie wir,
doch er hat widerstanden.
16 Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade,
auf dass wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden
und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.


I.
Einer hat die Himmel durchschritten.
Einer ist durch alle Himmel gegangen noch heute und auch morgen.
Aber er bleibt nicht da oben. Dafür kennen wir ihn zu gut.

Wir haben ihn gesehen, neulich im Stall in Bethlehem,
ein kleines Kind, ein Säugling, bedürftig und hilflos.

Jahre später haben wir ihn mit seinen Eltern in Jerusalem gesucht.
Fanden ihn nach drei langen Tagen.
Er schaute uns an und schien nichts zu verstehen.

Wir standen mit ihm am Jordan,
tauchten mit ihm unter Wasser.
und wir sahen den Himmel offen.

In die Wüste gingen wir mit ihm.
Hinauf zur Zinne und auf einen hohen Berg, wo ihm die ganze Welt zu Füßen lag.
Und der Teufel ihm einflüsterte: "das kannst du alles haben". 

Er ist versucht worden in allem wie wir,
doch er hat widerstanden


II.
42 Tage bis Ostern,
42 Tage, in denen wir diesen Hohepriester begleiten bis in die Hölle.
Wir werden sehen, wie er Wasser in Wein verwandelt.
Werden mit ihm zu einem Brunnen gehen.
Er wird mit einer Frau sprechen und alles verstehen.
Wird essen mit Zöllnern und Sünderinnen.
Er wird schlafen im Sturm.
Wird lernen von anderen.
Wir werden ihn weinen sehen.
Um einen Freund.
Und mit den Traurigen.
Er wird Brot vermehren und Augen auftun.
Wird lachen und jubeln.
Und er wird wütend sein und Tische umwerfen und Dämonen austreiben.

III.
Einer hat die Himmel durchschritten.
Auch meine Himmel. Und meine Höllen.
Durch mein Leben ist er gegangen.

Er war bei meiner Geburt dabei.
Hockte im Barmbeker Krankenhaus bei meiner Mutter
und wischte ihr den Schweiß von der Stirn.
Er war bei mir, als ich - 8 Jahre alt - 6 Wochen in einer Kur war. Krank vor Heimweh.
Und man sagte mir, ich dürfe nicht weinen, um die anderen nicht anzustecken.
Aber er, der Hohepriester, war da,
nahm mich in den Arm und trocknete meine Tränen.

Jahre später drohte ich ihn zu verlieren.
Die Strenge meines Konfirmators erstickte meine Fragen.
Aber ich hörte die Stimme des Hohepriesters in mir: „schlag die Tür nicht zu!“
Und er schien alles zu verstehen.

Er blieb bei mir.
Erfüllte mich mit Liebe und Sehnsucht.
Stand mit mir an der Elbe, am Neckar, an der Enz.
Und ich sah den Himmel offen.

In die Wüste geht er auch mit mir.
Hält meinen Zweifel aus und meine Wut.
Weint mit mir und lacht mit mir.
Ihm vertraue ich meine Kinder an.
Ich übe, mich ganz fallen zu lassen - in ihn.
Und weiß: auch wenn ich das nicht kann - er ist da.
Und er war letzten Samstag mit mir in R.,
wo ich einen todkranken Freund besuchte.
Ja, dieser Hohepriester begleitet mich durch die Welt.
40 Tage bis an ihr Ende.

Und 42 bis zum Anfang von allem.

Denn wir haben nicht einen Hohenpriester,
der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit.


IV.
42 Tage bis Ostern.

Er wird in Betanien Brot und Wein teilen.
Wird in Gethsemane beten - einsam, verzweifelt, voller Angst.
Sie werden ihn verraten, verspotten, misshandeln, kreuzigen.
Ja, wir werden Jesus leiden sehen.

Er wird in die Hölle steigen, die nur wir Menschen uns bereiten können.
Er wird gefoltert in den libyschen Flüchtlingslagern und im Mittelmeer ertrinken.
Er wird nach Afghanistan abgeschoben und eine Tretmine wird ihn töten.
Richter und Behörden interessieren sich nicht für sein Schicksal.
Sie opfern ihn für unser vermeintliches Wohlergehen.
Und für den Erfolg an den Wahlurnen.

Wir haben nicht einen Hohenpriester,
der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit


V.
Dieser Hohepriester lässt mich nicht allein.
Und die im Mittelmeer und in Afghanistan auch nicht.
Und auch nicht die um ihr Leben bangen in den Krankenhäusern und zuhause.
Er kennt die Hölle in- und auswendig.
Auch in ihr sind wir nicht ohne ihn.
Der Himmelstürmer, das Kind im Stall, der Heiler, der Sterbende - 
sein Himmel breitet sich aus über alle Abgründe dieser Welt.

Wir haben aber einen großen Hohepriester,
Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat


Die Hölle kann ihn nicht aufhalten.
Der Himmel öffnet sich für ihn.
Und er öffnet die Himmel für uns.
Schon heute. Und jetzt.
Und nimmt uns mit.

VI.
Und dort nehmen wir Platz.
Ruhen aus.
Vor seinem Gnadenthron.
Nicht erst morgen, sondern schon heute.
Hier sind wir.
Mit viel zu kleiner Kraft und verzagtem Herzen,
Mit Angst und Zweifel.

Ich habe meinen Freund aus R. dabei,
den ich letzten Samstag vielleicht das letzte Mal in den Arm genommen habe.
Und hier stehen auch die, die wir übersehen:
Die Getretenen, Misshandelten,
die Sterbenden und die Traurigen.

Ja, wir alle ruhen aus vor diesem Gnadenthron.
Dort wird alles gut.
Der Hohepriester nimmt unsere Hände.
Richtet uns auf.
Weil hier alles Leben anfängt

Dieser Gnadenthron - golden oder vielleicht voller Staub -
er steht hier in der Kirche.
Oder bei dir im Wohnzimmer.
Am Bett im Krankenhaus oder im Rettungsschiff.
Überall dort, wo Gnade ist.
Und Mitgefühl.
Und Hilfe.
Dort, wo der Hohepriester, wo Jesus ist.

Und dort stehen wir - aufrecht.
Neuer Anfang. 42 Tage bis Ostern.
Wir strecken unsere Hände aus.
Sie sind leer.
Wir bekommen hineingelegt Mitgefühl.
Wir bekommen Gnade.
Und Hilfe.
Wir bekommen, was wir brauchen zur rechten Zeit.
In genau diesem Moment.


*) sehr empfehlenswerter Blog: https://frauauge.blogspot.com/

Montag, 25. Februar 2019

Brief an den Frieden

Beitrag vom 24.2.2019 zum Poetry- und Preacherslam in der Markuskirche 
anlässlich des Gedenktags zur Bombardierung Pforzheims (23.2.)

Gestern hab ich dich gesehen.
Auf dem Marktplatz.
Da standest du auf der Bühne
Hand in Hand mit Ahmet und Eylem,
mit Selina und Andrew und mit Bernhard.

Und  mittendrin bei den vielen auf dem Platz,
da hab ich dich auch gesehen.
Mit der Kerze in der Hand.
Ihr Licht vor dem Wind schützend.
Hast du auch so gefroren wie viele von uns?
Und was hast du gedacht,
als die Glocken läuteten -
In den 20 Minuten?
(20 Minuten sind wirklich lang - da kommen viele Gedanken!)

Ich habe gestern an dich gedacht.
Es geht dir nicht gut.
Weil immer noch Bomben fallen.
Die immer noch Städte zerstören.
Und die immer noch Menschen töten.
Und weil immer noch Bomben hergestellt werden.
Und Panzer und Minen und Waffen.
Und weil damit immer noch sehr sehr viel Geld verdient wird.
„Man hat ja noch niemals versucht, den Krieg ernsthaft zu bekämpfen.“
(Kurt Tucholsky)

Du musst ertragen, dass in deinem Namen gefoltert wird.
Da sitzt du mit deinen Schwestern „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ in einem Boot.
Man benutzt euch, um Mauern zu bauen und Uniformen anzuziehen.
Der Krieg wird zu einem Spiel,
an Bushaltestellen und in Schulen wird dafür geworben.
Heute wieder.
Obwohl wir doch mal sagten: Nie wieder.

Führen und Folgen?
False flag?
Fortress for freedom?
Fauler Frieden?
Friedliche Folter?
Fakenews und Furcht?
Nein, das bist du nicht. Frieden.

Vielleicht bist du klein. Unscheinbar.
Vielleicht auch altersschwach.  Oder mickrig.
Vielleicht hast du graue Haare oder Falten.
Vielleicht bist du auch immer noch zu jung.
Aber du trägst keine Uniform und kein Gewehr.
Du verträgst keinen Hass und keine Gewalt.
Du bist zart und verletzlich und warm.
Und wir brauchen dich.
Immer. Und immer wieder.

Ich vermisse dich,
wenn menschenverachtende Fackelträger auf dem Wartberg stehen.
Wenn in ihrem Deutschland kein Platz ist für geflüchtete Menschen.
Ich vermisse dich, wenn diese auch noch als friedlich deklariert werden.
Nur weil sie sich an die Ordnung halten - und ruhig sind.
Das bist nicht du.
Und ich - ich fang an zu frieren.

Ich vermisse dich, wenn Maria vom Kulturhaus Hassmails bekommt,
weil sie ein Konzert gegen Rechts veranstaltet.
Ich sorge mich um dich, wenn Lügen verbreitet werden
über das ach so gefährliche und heruntergekommene Pforzheim.
Man hetzt auf rechten Seiten gegen Menschen,
die keine deutschen Eltern haben.
Hetzt gegen Künstler, die dagegen halten.
Und ich - ich fang an zu frösteln.

Bitte, verkriech dich nicht.
Verkriech dich nicht vor dieser Kälte, die sich in unserem Land ausbreitet.
Krieche lieber in unsere Herzen.
So wie beim Konzert gegen Rechts vor 11 Tagen.
Oder wie vorgestern hier beim Poetry-Slam.

Und so wie gestern auf dem Marktplatz.
Da hab ich dich gesehen.
Auf der Bühne
Hand in Hand mit Ahmet und Eylem,
mit Selina und Cebrail und mit Bernhard.
Und mit der Kerze in der Hand.
Ihr Licht vor dem Wind schützend.
Da warst du da.

Nur mit dir gibt es eine Zukunft.
Und die heißt:
Wir leben. Wir leben zusammen. Wir leben miteinander.
Voller Respekt. Und mit allen Unterschieden.
Aber wir wissen, dass wir uns brauchen.

Ja, gestern warst du da, lieber Frieden.
Auf dem Marktplatz.
Mit dem Licht in der Hand.
Zitternd vor Kälte. Warm im Herzen.
Gestern warst du da.
Und heute bist du hier.
Und morgen?
Ich halte Ausschau nach dir.

Sonntag, 10. Februar 2019

Seenotrettung und ein Gott, der da ist

Predigt zu Markus 4,35-41 (Sturmstillung)
 
Im dazugehörigen Gottesdienst habe ich C., eine junge Frau von 31 Jahren, getauft. Sie erzählte mir im Gespräch, was sie in den letzten 6 Jahren durchgemacht hat und wie sie zum Entschluss gekommen ist, sich taufen zu lassen. (Und natürlich habe ich sie gefragt, ob ich das so in der Predigt ansprechen darf). Ihren Taufspruch aus 1.Kor 15,10 hat sie sich selbst gewählt: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Im Gottesdienst habe ich sie gesiezt, aber hier möchte ich "du" zu ihr sagen. Mich hat ihre Geschichte und ihre Entschlossenheit sehr berührt.

Da ich diesen Gottesdienst sehr kurzfristig angenommen habe, war ich froh über die guten Inspirationen und Wörter-Angeboten die ich von folgenden Personen bekommen habe: Friedericke Goedicke, Elisabeth Rabe-Winnen, Michael Greßler und Herbert Grönemeyer (im Text mit blau markiert). Irgendwie ist dadurch was Gemeinsames entstanden. Danke euch!


Text von Markus 4,35-41 siehe unten (1)

I.
Sie sind unterwegs im Boot.
Fahren zur anderen Seite des Sees.
Schnell weg von hier.
Endlich ankommen.
Endlich mal wieder zur Ruhe kommen.
Auch Jesus scheint erschöpft zu sein.
So viele, die was von ihm wollten.
Und so viel, was er zu sagen hatte.

Jesus legt sich hin und schläft.
Seine Freunde werden es schon packen.
Er vertraut sich ihnen an.
Er, der Retter, schläft.
Auf dem alle Hoffnung ruht, ruht selbst.

II.
Anders die Seenotretter im Mittelmeer.
Sie ruhen nicht freiwillig.
Sie werden zur Ruhe gezwungen.
Die Mission Lifeline wartet im Mittelmeer mal wieder,
überhaupt retten zu dürfen.
Europa macht die Schotten dicht.
Und dennoch machen sich viele auf den Weg
zum anderen, zum rettenden Ufer.
Gerade jetzt unter denkbar schlechtesten Bedingungen.
Und die Seenotretter dürfen nicht rausfahren.

III.
Jesus fährt raus mit seinen Freunden.
Es waren noch andere Boote bei ihm.
Andere Boote.
Boote auf dem See Genezareth, Boote auf dem Mittelmeer.
Kleine Boote, mal mehr, mal weniger seetüchtig.

Am Anfang denken sie, alles geht gut.
Der See ist ruhig. Das Ufer in Sicht.
Alles im Griff.

Aber der Wind dreht sich.
Der Himmel heult.
Hohe Wellen. Graue Wogen.
Stürzen von Tal zu Tal. (2)
Plötzlich wird aus ruhigen Handgriffen Hektik.
Eigentlich sind die Jünger erfahrene Fischer.
Sie kennen die Tücken des Sees.
Aber diesmal ist es anders.
Es ist richtig dunkel, keine Sterne mehr zu sehen.
Gischt im Gesicht, die Hände kalt.
Die Gewalten gegen sich.
Der Kurs geht verloren – das Selbstvertrauen auch.
Selbst die geübtesten Fischer haben jetzt Angst.

Sie beten, schreien, flehen.
Jesus?
Er merkt es nicht – sie müssen ihn wecken.

IV.
Du, C., kennst die großen grauen Wogen,
die über dir hereinbrechen können.
Du weißt, wie es ist, wenn man nicht mehr weiter kann,
sich ausgeliefert fühlt.
Die flehentliche Bitte „Herr, hilf“.
Und die Angst, zu versinken
und nicht mehr ans rettende Ufer zu gelangen.
Auch du musstest ihn wecken.
Zunächst den Arzt, der dir nicht glauben wollte, dass du Hilfe brauchst.
Dann Gott.
Du hast ihn geweckt.
Energisch.
Mit anderen Worten als die Jünger von Jesus.
Aber vermutlich genauso verzweifelt.

V.
Die Jünger rütteln Jesus wach.
Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
Und es ist gut, dass sie ihn wecken.
So wie es gut war, dass du, C., Gott geweckt hast.
Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
Kein frommes Gebet.
Kein: Dein Wille geschehe.
Manchmal braucht es andere Worte.
Verzweifelte, laute Worte.

Wo bist du denn nur, Gott?
Du schläfst - und ich sterbe vor Angst.
Oder vor Traurigkeit.
Oder ich bin wirklich am Sterben. Todkrank.
Oder in Lebensgefahr wie die auf ihren Booten im Mittelmeer.
Wach endlich auf!

Übernimm die Wacht,
Bring mich durch die Nacht.
Rette mich durch den Sturm.
Fass mich ganz fest an.
Bis ich mich halten kann.
Bring mich zu Ende.
Lass mich nicht wieder los.


Ja, betet ruhig so.
Betet genau so.
Weckt Jesus!
Weckt Gott!
Ruft. Schreit, wenn ihr müsst.
Rüttelt ihn auf.
Packt seine Schultern.

VI.
Und er stand auf und bedrohte den Wind
und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme!
Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.


Schweig. Verstumme.
Worte wie Rettungsringe.
Mitten im Sturm ein „Ich bin da“
Mitten im Dunkel merken - mein Schreien wird gehört.
Es gibt jemanden, den ich wecken darf.
Mitten in der Angst ein „Fürchte dich nicht!“.
Mitten drin ist Gott da.
Für mich.
Im Auge des Sturms.
Mit im Boot.
Gott ist mit auf allen Booten.
Gegen den Sturm und gegen die Angst der Nacht.

VII.
Auch für dich, C., war da dieser andere Moment:
Das kleine rettende Gebet.
Eine Hand, die dich stützte.
Ein Wort, das gut tat.
Jemand, der zuhörte.
Da war es dann da, dieses Gefühl, oder besser die Gewissheit:
Ich bin nicht allein.
Gott lässt mich nicht im Stich.
Er sitzt mit mir in einem Boot und hält mich.
Durch seine Gnade bin ich, was ich bin.
Durch seine Liebe.
Durch seine Zuneigung, für die ich nichts tun muss,
nicht anders sein muss.
In seinen Augen bin ich richtig so, wie ich bin.
Ich bin es ihm wert, dass mich die dunklen Wellen nicht verschlingen.
Rettendes Gnadenwort.

VIII.
Schweigt, ihr tosenden Wellen.
Verstumme, du wilder Sturm.
Gesprochen von dem einen, der mit im Boot sitzt.
Der an meiner Seite sitzt.
Sätze, die ich brauche, wenn mich die Wogen überwältigen.

Und dieser spricht weiter und fragt mich und dich:
Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
Ich höre keinen Vorwurf,
ich höre eher ein Staunen:
Du hast Angst?
Ich habe geschlafen, weil ich dir zutraue,
dass du das Boot durch die Wellen führst.
Dass du es schaffst.
Ich vertraue dir.
Hab keine Angst.

Was seid ihr so furchtsam?
Da höre ich auch Zuspruch und Trost:
Fürchte dich nicht, ich komm‘, wenn du rufst. Immer.
Ich gehe nicht weg – nicht des Nachts, nicht im Sturm.
Wenn du mich nicht siehst, such mich.
Vielleicht musst du mich wecken – aber ich bin da.
Du bist mein geliebtes Kind.
Und ich bin dein Gott.
Auch im Dunkeln. Gerade dann.

IX.
Ja, es gibt einen, den kann ich rufen.
Rufen, damit er den Sturm stillt.
Einer, der aufsteht – für mich.
In den Stürmen und Wartezimmern dieser Welt.
Einer, den ich wecken darf.
Der lässt sein bequemes Kissen liegen und ist da, für mich.
Sitzt hier an den Tischen der Vesperkirche.
Hält die runzligen Hände der alten Menschen in Pflegeheimen.
Und er wartet mit den Seeleuten auf der Mission Lifeline darauf,
dass sie endlich rausfahren dürfen.

Und mich schickt er auch los.
Aufs Meer, auf den See.
Hin zu den anderen Booten, die da noch sind.
Und fragt mich:
Hörst DU die, die schreien?
Stehst DU auf und tust, was in deiner Macht steht?
Tu es. Du bist auch dabei nicht allein.

Jesus ist mit im Boot.
Gott ist mit im Boot.
Er ist da, wo die Angst ist.
Im Boot und am Meeresgrund.
Geht mit.
Durch den Sturm, durch die Angst und in den Tod.
Und selbst er ist erschöpft.
Und er selbst fragt: Mein Gott, warum?
Wahrer Mensch.
Und wahrer Gott.

X.
Auf seinen Namen sind und werden wir getauft.
Damit wir mit ihm in einem Boot sind.
Und aufstehen und den Sturm zum Schweigen bringen.
Fragen und Zweifel - sie verstummen nicht.
Aber Gott bleibt.
Jesus bleibt.
Und ist da. Mitten im Sturm.
Und er sagt zu dir, liebe C.:
Durch Gottes Gnade bist du, was du bist.

Und zu uns allen:
Fürchtet euch nicht.

Amen.

(1)
Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: 
Lasst uns ans andre Ufer fahren.
Und sie ließen das Volk gehen
und nahmen ihn mit, wie er im Boot war,
und es waren noch andere Boote bei ihm.
Und es erhob sich ein großer Windwirbel,
und die Wellen schlugen in das Boot,
sodass das Boot schon voll wurde.
Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.
Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm:
Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
Und er stand auf und bedrohte den Wind
und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme!
Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille.
Und er sprach zu ihnen:
Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander:
Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!


(2) Aus "Land unter" von Herbert Grönemeyer vom Album "Chaos" von 1993

Montag, 4. Februar 2019

Non-Stop-Gottesdienst und Vesperkirche - gelebte Gnade

Was Kirchenasyl und das Reich Gottes miteinander zu tun haben...

Predigt zu 1.Korinther 1,4-9


I.
96 Tage hat er gedauert.
96 Tage Non-Stop-Gottesdienst in der Bethel-Kirche in Den Haag.
Organisiert haben den Dauergottesdienst die Pfarrer der Bethelkirche,
Jakob Korf und Axel Wicke.
Viele ökumenische Kollegen haben sich solidarisch erklärt.
Rund 600 Pfarrer beteiligten sich an der Aktion -
auch aus Deutschland und Belgien.
Sie kamen abwechselnd in die Bethelkirche, um dort zu predigen.
Denn so lange hier gepredigt wurde,
hatten staatliche Organe kein Recht die Kirche zu betreten.
Das schützte 96 Tage lang eine fünfköpfige armenische Familie.
Sie erhielt Kirchenasyl,
weil sie abgeschoben werden sollte.
Sie war in der Bethel-Kirche geschützt, solange gepredigt wird.

„Sogar eine Maus findet ein Haus,“
zitiert Pfarrer Korf einen Psalm.
„Wir handeln aus Nächstenliebe.
Wir verlieren auch nicht unseren Humor.
Wir predigen nur.“ (1)

II.
Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:

Jedes Mal, wenn ich für euch bete,
danke ich meinem Gott für die Gnade,
die er euch durch Jesus Christus geschenkt hat.
Durch ihn hat er euch in jeder Hinsicht reich gemacht
– reich an ´geistgewirkten` Worten
und reich an ´geistlicher` Erkenntnis.
Er hat die Botschaft von Christus,
die wir euch gebracht haben,
in eurer Mitte so nachhaltig bekräftigt,
dass euch nicht eine von den Gaben fehlt,
die er in seiner Gnade schenkt.
Nun wartet ihr sehnsüchtig darauf,
dass Jesus Christus, unser Herr,
´in seiner ganzen Herrlichkeit` erscheint.
Gott wird euch die Kraft geben,
´im Glauben` festzubleiben,
bis das Ziel erreicht ist,
damit an jenem ´großen` Tag,
dem Tag unseres Herrn Jesus Christus,
keine Anklage gegen euch erhoben werden kann.
Ja, Gott ist treu; ´er wird euch ans Ziel bringen`.
Denn er hat euch dazu berufen,
´jetzt und für immer` mit seinem Sohn Jesus Christus,
unserem Herrn,
verbunden zu sein.
(2)

III.
Wir predigen nur. Sagt Pfarrer Korf aus Den Haag.
96 Tage gepredigt, um eine Familie zu retten.
Und sie haben es geschafft.
In der Nacht zum Mittwoch lenkte die niederländische Regierung ein.
Die Familie darf bleiben,
weil die Kinder in den Niederlanden aufgewachsen sind. (3)

„Gott hat die Botschaft von Christus, (…)
in eurer Mitte nachhaltig bekräftigt“

Diese Worte von Paulus reichen bis nach Den Haag.
Denn nichts anderes haben sie getan:
Die Botschaft von Christus gelebt, gebetet, gepredigt, verteidigt
bis zum Letzten.

„Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“
(4)

Diese Worte blieben nicht auf dem Papier.
Sie bekamen das Gesicht der vielen Helfer und Helferinnen,
der Pfarrer und der Musikerinnen.
Sie rochen nach frischem Brot und heißem Tee,
schmeckten nach Gemüseeintopf und Keksen.
Sie erfüllten die Choräle der Singenden
und schickten Twitter-Botschaften um die ganze Welt.
Ich bin eine armenische Familie gewesen
und ihr habt mich aufgenommen.

IV.
„Nun wartet ihr sehnsüchtig darauf,
dass Jesus Christus, unser Herr,
´in seiner ganzen Herrlichkeit` erscheint.“

Paulus spürt dieselbe Sehnsucht:
Dass das Reich Gottes wahr wird und spürbar.
Hier hat jeder Platz. Hier wird niemand abgeschoben.
Hier im Reich Gottes besitzen die Sanftmütigen das Erdreich,
Die mit dem reinen Herzen schauen Gott.
Und die Leidtragenden werden getröstet.
Diese Sehnsucht hat auch die niederländischen Geschwister getrieben.
„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.“
(5)

V.
Brot und Wein, Gebet und Predigt, Lied und Gemüseeintopf,
5 Betten, eine Küche, ein Hinterhof der Kirche -
Zutaten ihrer Sehnsucht,
dass Jesus „in seiner ganzen Herrlichkeit erscheint.

Zutaten des Gottes Reiches.
Die sehe und schmecke und rieche ich auch hier
- hier in der Stadtkirche in diesen Wochen.
Eine Vesperkirche, die 500 Menschen jeden Tag ein Zuhause gibt.
Wer in der Wohnung niemanden mehr hat:
hier gibt es Menschen, die zuhören.
Wer die Heizung nicht mehr bezahlen kann,
hier kann er sich aufwärmen.
Eine neue Frisur. Endlich wieder schönes Haar.
Ein Lächeln beim Kaffee.
Eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht mit einem Unbekannten.
Ein belegtes Brötchen für zuhause.
Hier wird sichtbar, dass es in unserer Stadt viel zu viel Armut gibt.
Dabei ist unser Land so reich,
dass es sich sogar Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe leistet.

VI.
Korinth war keine perfekte Gemeinde,
unsere Stadtkirche ist es nicht
und die Bethel-Kirche in Den Haag auch nicht.
Aber alle sind getrieben von der Sehnsucht, dass Jesus sichtbar wird.
Dass spürbar wird: er ist unter uns.
Er, der die Hungernden und Dürstenden selig preist
und die Leidtragenden tröstet.
„Gott hat die Botschaft von Christus, (…)
in eurer Mitte nachhaltig bekräftigt“

Diese Worte von Paulus reichen bis nach Den Haag
und nach Pforzheim.
Damit wir nichts anderes tun:
Die Botschaft von Christus erbitten und predigen.
Und sie verteidigen bis zum Letzten.

„Jedes Mal, wenn ich für euch bete,
danke ich meinem Gott für die Gnade,
die er euch durch Jesus Christus geschenkt hat."

Ja, es ist gelebte Gnade, wenn Menschen hier Gottes Liebe spüren.
Und es ist gelebte Gnade, die in Den Haag spürbar war.
Denn die Liebe Gottes gilt allen Menschen.
Und sie stellt sich schützend vor sie.
Zur Not auch gegen staatliche Kräfte.

VII.
Die Korinther, an die Paulus schreibt, waren ziemlich zerstritten.
Er hat im ganzen Brief sehr viel an ihnen auszusetzen:
Wie sie mit den Armen in ihren Reihen umgehen.
Und wie überheblich sie sind in ihrem Glauben.
Dennoch entdeckt er auch unter ihnen Teilchen der Liebe Gottes.
Gnadenstücke, wenn sie Brot teilen.
Selbst wenn alles Stückwerk ist und dies sogar für alle Erkenntnis gilt:
Wo Liebe gelebt wird, ist Jesus da.
Und wenn die Sehnsucht nach dieser Liebe wach bleibt,
Dann ist das schon Grund zum danken.

Wir als Kirche sind nie vollkommen.
Wir machen Fehler.
Zum Teil auch wirklich unentschuldbare.
Jahrhunderte lang wurden Liebende gedemütigt.
Nur weil ihre Liebe nicht der Norm entsprach.
Man hielt Sklaverei für gottgegeben
und schaute weg, als Juden ermordet wurden.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns nun an die Seite der Verfolgten stellen.
Dass wir Menschen schützen.
Und den Leidtragenden und Hungernden und Armen beistehen.
Für sie da sind.
Egal woher sie kommen
und was sie glauben und wen sie lieben.
Wenn dies geschieht - dieses Für-sie-da-sein,
dann bin ich dankbar.
Und darum bin ich dankbar für die Vesperkirche hier
Und dankbar für den 96-Tage-non-stop-Gottesdienst in Den Haag.

Sowas zeigt mir, dass Jesus da ist.
In kleinen Stücken wie im Brot
und wie in einer Tasse Kaffee
oder einer Non-Stop-Predigt,
die eine armenische Familie schützt.

„Wir handeln aus Nächstenliebe.
Wir verlieren auch nicht unseren Humor.
Wir predigen nur.“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.


(1) https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kirchenasyl-in-den-haag-dauergebet-statt-abschiebung.f11a5815-369a-4685-ad4e-cce055658c01.html
(2) 1. Korinther 1,4-9 nach "Neuer Genfer Übersetzung"
(3) https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/kirchenasyl-nach-3-monaten-dauergottesdienst-beendet.html
(4) Matthäus 25,35
(5) Matthäus 5,6

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ungeduld und Hoffnungsschimmer

Predigt zu Römerbrief 15,4-7.13

(mit großem Dank an Birgit Mattausch, Sebastian Finn Wolfrum und Michael Greßler)

Vor der Predigt:
Lied: Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen.... dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand....


I. (Hoffnungsschimmer)
Es kommt die Zeit, in der die Träume sich erfüllen…
Dann…
Dann.
Wann ist dieses Dann?
Ich sehne mich nach diesem Dann.
Besonders nach diesen Schüssen in Straßburg.
Dieses Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.
Ich will, dass dieses Dann schon jetzt ist.
Geht dir das auch so?
Manchmal blitzen kleine Hoffnungsschimmer auf.
Wenn Warvan einen Ausbildungsplatz hat
und erstmal hier bleiben kann und nicht in den Irak zurück muss.
Wenn du erfährst, dass deine Freundin den Krebs besiegt hat.
Oder wenn eine 15 Jährige, Greta Thunberg aus Schweden,
vor der UN-Klimakonferenz spricht.
Kleine Hoffnungsschimmer.
Aber genug?
Ich will, dass aus den Hoffnungsschimmern ein ganzes Sternenzelt wird.
Mit geduldiger Ungeduld will ich das.

II. (Paulus)
Bei Paulus lesen wir aber was von Geduld:
Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben,
damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.
Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch,
dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander,
wie es Christus Jesus entspricht,
damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt,
den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Darum nehmt einander an,
wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre.
(…)
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch
mit aller Freude und Frieden im Glauben,
dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung
durch die Kraft des Heiligen Geistes.


III. (Ungeduldig)
Ich bin oft ungeduldig.
Und bin da nicht stolz drauf.
Ich neige dazu, andere zu unterbrechen, wenn sie was sagen.
Viele Entscheidungswege in unserer Kirche sind mir zu mühsam.
Vor einem Fahrkartenautomaten stehen und warten, bis das Ticket kommt.
Ist das Internet mal wieder ganz langsam, muss ich schnell was anderes tun.
Mir einen Capuccino machen zum Beispiel.

Manchmal MUSS meine Geduld auch an ihr Ende kommen.
Wenn die Klimakonferenz in Kattowitz mal wieder endlos diskutiert,
aber keine wirklichen Ergebnisse gebracht hat.
Ich will endlich mal verbindliche Beschlüsse sehen.
Und dass sie umgesetzt werden.
Auch die Geduld der Jugendlichen in aller Welt ist endlich aufgebraucht.
Greta bestreikt seit Wochen jeden Freitag die Schule.
Zornig und voller Ungeduld steht sie geduldig da.
Jeden Freitag.
Seit vorgestern tun das auch Schüler und Schülerinnen in Deutschland.
Ich finde das gut.

IV. (Ungeduldiger)
Vielleicht bin ich mit meinen Jahren sogar ungeduldiger geworden.
Die Lebenszeit ist zu kurz für irgendwann.
Dumme Menschen ertrag ich immer weniger.
Und das hat nichts mit IQ zu tun.
Aber wenn ich wieder und wieder lesen muss,
dass auf der Liebe kein Segen liege,
wenn sie nicht der heterosexuellen Norm entspricht...
Oder wenn ich zum 100.Mal hören muss,
dass der Klimawandel ja gar nicht menschengemacht ist
und wir deshalb nichts dagegen tun können.
Oder die Mär von den geöffneten Grenzen
und einem gewollten Bevölkerungsaustausch
zum drölfzigsten Mal die Runde macht.

Ich versuche dann, geduldig zu argumentieren.
Komme mit Fakten. Frage geduldig nach.
Und am Ende hat das Gespräch trotzdem nichts gebracht.
Die Dummheit siegt. Mein Geduldsfaden reißt.

V. (Am Ungeduldigsten - diesen Teil verdanke ich Birgit. Danke!)
Am ungeduldigsten bin ich mit mir selber.
Ich müsste so viel eigentlich besser wissen.
Ich weiß, dass bestimmte Gespräche zu nichts führen.
Ich weiß, dass fast immer Zuhören hilft.
Ich weiß auch, dass ich nicht alles in der Hand habe
und die Welt nicht retten muss.
Ich weiß, dass ich allen Grund habe, zu vertrauen.

Ich weiß es.
Und ich weiß es nicht.
Ich wünschte, ich wüsste es.

Wünschte, ich hätte mehr Vertrauen.

Ich würde mich dann nicht mehr so viel vergleichen mit anderen.
Ich wäre irgendwie heiler. Und weiser.
Leuchtender. Unabhängiger. Liebevoller.
Geduldiger.
Aber ich bins nicht.

VI. (Heilige Ungeduld)
Aber ich muss es auch gar nicht sein!
Gottes Geduld genügt vollkommen.
So geduldig, wie er ist, werde ich nie sein.
Und soll ich auch nicht.
Denn Gott hat auch meine Ungeduld lieb -
die vielleicht sogar ganz besonders.
Nämlich dann, wenn es mir um was Gutes geht.
Die Gefahr der Ungeduld ist, dass sie mich unbarmherzig macht.
Aber wenn sie mich nur in eine heilige Unruhe versetzt,
damit ich mich an Unrecht nicht gewöhne:
Dann ist sie wichtig und gut.

Meine Ungeduld ist in bester Gesellschaft.
Schon Sarah - die Frau von Abraham - konnte eigentlich nur noch lachen,
als man ihr sagte, dass sie einen Sohn bekommen würde.
Zu lange hatte sie darauf gewartet.
Jesaja, der Prophet des Trostes, schreit seinen Gott zornig an.
Reiß endlich mal den Himmel auf, Gott!
Auch Jesus reißt der Geduldsfaden als er das Tempelareal betritt.
Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als erstmal die Tische umzuwerfen.
Aber alle diese wissen letztlich auch,
dass sie durch ihre Ungeduld nichts beschleunigen können.
So sehr sie sich auch danach sehnen.

VII. (Gottes Geduldsfaden)
Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch,
dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander,
wie es Christus Jesus entspricht.


Der Gott der Geduld spinnt uns zusammen.
Er nimmt die verschiedenen Fäden des Lebens in die Hand.
Geduldsfaden und Trostgarn, Liebeskordeln und Ungeduldsfäden.
Geduld und Trost schimmern golden und grün.
Liebe leuchtet feuerrot.
Aber Gott weiß, dass die Welt eben nicht nur aus Liebe besteht.
Und dass die Ungeduld ihren Platz hat. 

Gerade weil sie die Brüche sichtbar macht.
Und so spinnt er die Ungeduld mit hinein in unsere Seele.
Umgeben von Geduld und Trost, damit uns die Ungeduld nicht krank macht.

Nehmt einander an,
wie Christus euch angenommen hat.

Nimm auch deine Ungeduld an.
Auch der Ungeduldsfaden schimmert und leuchtet,
solange er dich nicht unbarmherzig macht.
Gott spinnt ihn mit seiner Geduld zusammen.

Und dann lernst du zuzuhören
und dennoch zu unterbrechen, wo es nötig ist.
Du lässt nicht locker,
aber gibst anderen die Zeit, hinterherzukommen.
Du hältst dich nicht für besser als die anderen,
aber du hältst deine Träume fest.

VIII. (Hoffnungsfaden)
Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch
mit aller Freude und Frieden im Glauben.
dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung.


Ja, das wünsche ich mir.
Denn Jesus kommt.
Daran halte ich mich fest.
Ein Hoffnungsfaden, der immer noch hält.

Gott kommt -
mitten hinein in meine Ungeduld.
In meine Sehnsucht, dass alles gut wird.
Und dass er eigentlich schon da ist.

Es kommt, worauf ich warte.
Das Leben. Die Liebe.
Weihnachten in mir drin.
Hoffnungsschimmer, die zum Sternenzelt werden.
Das kommt alles,
auch wenn ich ungeduldig bin,
unerleuchtet und viel zu herzensklein.
Es dauert einfach ein bisschen.
Und vielleicht auch immer noch zu lang.
Aber es kommt.
Weil Gott ein Gott der Geduld ist.
Geduldig mit mir und mit der Welt.

Und dieser Gott der Geduld spinnt seine Fäden mit meinen zusammen.
Und da reißt dann nichts auseinander.
Das Garn ist stabil und zart zugleich.
Gott näht damit diese zerrissene Welt zusammen. 

Stich für Stich.
Er näht mein Herz zusammen.
Meine Liebe und mein sehr ramponiertes Vertrauen.
Und deins auch.

Meine Hoffnungsfäden für Warvan und für meine Freundin lege ich Gott hin.
Und Gretas Ungeduld ebenfalls.
Gott nimmt diese Fäden auf.
Und er spinnt sie zusammen
und näht mit ihnen weiter an einer Welt,
die gut für uns alle ist.
Das dauert.
Ja, das dauert.
Vielleicht dauert das lang.
Aber so lange übe ich mich -
in geduldiger Ungeduld.

Und der Friede Gottes welcher höher ist als all unsere Geduld
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Freitag, 7. Dezember 2018

Aufsehen

Zum 2.Advent:


Aufsehen
Sich aufrichten
Atmen
Tief atmen
Nacken strecken
Vom Himmel hoch gezogen
Krone aufsetzen
Kraft spüren
Atmen
Tief atmen
Und warten
Denn da kommt noch was
Und das ist richtig gut.
Seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht.
(Lukas)

Dienstag, 27. November 2018

Licht im Zwischenraum

Die Tür einen Spalt offen lassen.
Das Licht vom Flur scheint etwas rein.
So ist es nicht komplett dunkel.
Licht im Zwischenraum.
Wer ein Kind zu Bett gebracht hat, weiß,
wie wichtig das ist.

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lukas 12,35)
So heißt es diese Zwischenwoche.
Diese Woche zwischen Ende und Anfang.
Zwischen Ewigkeit und Ankunft.
Zwischen Tod und Advent.

Die Tür einen Spalt offen lassen.
Das Licht vom Advent scheint herein.
Licht im Zwischenraum.
Wissen, da kommt noch was.
Und was da kommt, ist gut.
Ist not-wendig.

Vielleicht hält mich dieses Licht wach,
Weil ich gerade wach sein muss.
Vielleicht lässt es mich auch ruhig schlafen,
Weil erholt sein genauso not-wendig ist.

Lass das Licht scheinen.
Licht im Zwischenraum.
Sei bereit für das, was kommt.
Und was da kommt, ist gut.

Montag, 26. November 2018

Zu (wenig) mutig?

Theologischer Impuls zum PERSPEKTIVWECHSEL unter dem Motto "Zu (wenig) mutig? Über den Umgang mit Risiken"

(Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer*innen Württemberg bat mich um diesen Impuls am 20.11.2018)

I.
Vor 4,5 Jahren stand ich auf einem Übertragungswagen in Pforzheim.
23. Februar - der Gedenktag zur Zerstörung Pforzheims am Ende des Krieges.
Ein Tag, der - wie in Dresden - auch von Rechtsextremen missbraucht wird.
(Und seit Jahren gibt es in der Stadt Streit darüber, wie man dem begegnen soll:
gar nicht im Sinne des „stillen Gedenkens“ und sie einfach machen lassen
oder doch durch Protest?)
Vor 4,5 Jahren demonstrierten gegen diese Rechten friedlich mehrere 100 Menschen.
Und vor diesen Demonstrierenden hielt ich eine Rede.

Neben vielen anderen Worten sprach ich auch folgende:
„Pforzheim war keine unschuldige Stadt.“
Im Grunde war dieser Halbsatz trivial.
Und natürlich stand er nicht für sich,
sondern in einem Zusammenhang,
wo es um die Vorgeschichte zur Bombardierung ging,
die eben auch dazu gehört,
wenn man auf diese Katastrophe für Pforzheim und die vielen Zivilisten sieht,
die dabei unschuldig ums Leben kamen.
Aber dieser Satz „Pforzheim war keine unschuldige Stadt“ klebt seitdem an mir
und lässt mich nicht mehr los.
Mir war zwar vorher klar:
Ich mache mich unbeliebt. Viele wollen das nicht hören.
Aber ich hätte nicht geglaubt, dass dieser Satz tatsächlich ein Skandal sein würde
und mich deswegen viele in die Wüste schicken wollen, zumindest raus aus Pforzheim.

Zu mutig? War ich zu mutig gewesen?

II.
Ich habe es nie als Mut empfunden, auf diesem Übertragungswagen zu stehen.
Ich empfinde es auch nicht als mutig,
wenn ich predige und dabei auch deutliche Worte finde.
Ich tu es ja auch nicht, weil mir das besonderen Spaß macht
(oder weil es mir einen Kick gäbe - auch wenn mir das unterstellt wird).
Nein, ich tu es, weil ich ein Amt habe. Eine Verantwortung.
Und in dieser Verantwortung muss ich auch klar benennen und bekennen,
was evangelische Überzeugung ist.

Wo Menschen für minderwertig gehalten werden, muss ich laut Stop sagen.
Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden,
Wo Hass statt Nächstenliebe propagiert wird,
Wo Andersdenkende, Andersglaubende und Andersliebende diffamiert werden,
Muss ich einschreiten - mit Hilfe dessen, was ich kann: Mit dem Wort.
Die von Gott geschenkte Menschenwürde hat immer Vorrang -
auch vor meinem eigenen Kleingeist und Kleinmut.

Wenn ich darum was sage, empfinde ich das nicht als mutig,
sondern als meine Verantwortung für die Gesellschaft.
Vielleicht ist es tatsächlich einfach das, was jetzt sein muss.
Eine innere oder äußere Notwendigkeit, die mich dazu nötigt.
Ich tu etwas, von dem ich weiß, dass die Konsequenzen unangenehm sein können.
Für mich. Und vielleicht auch für andere.
Aber ich weiß, dass ich nicht anders kann,
wenn ich meine Grundüberzeugungen nicht verraten will.

Ist das wirklich mutig? Oder eher die Angst, zu wenig mutig zu sein?

III.
Vor 73 Jahren, im Oktober 1945, wurde (hier in Stuttgart)
die Stuttgarter Schulderklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland abgegeben.
Anlass war der Besuch einer Delegation des Ökumenischen Rats der Kirchen.
Vieles in dieser Erklärung ist noch unscharf.
Die eigene Verflechtung in das Nazi-Reich konnte man da noch nicht wirklich zugeben.
Aber ein Meilenstein war folgender Satz:
„Wir klagen uns an,
daß wir nicht mutiger bekannt,
nicht treuer gebetet,
nicht fröhlicher geglaubt
und nicht brennender geliebt haben“


Dass wir nicht mutiger bekannt haben.…
Dieser Satz hat sich mir eingeprägt wie kaum ein anderer.
Nicht mutig genug bekannt...
Ja, im 3.Reich war es wirklich mutig, sich vor die verfolgten Juden zu stellen.
Es konnte das eigene Leben kosten.
Aber es gab sie: die mutigen Menschen.
Wir kennen auch ihre Namen:
die Geschwister Scholl, Dietrich Bonhoeffer, Martin Niemöller.
Und viele Namen kennen wir auch nicht.
Aber es gab sie.
Und darum ist es auch ein Affront gegen diese mutigen Menschen,
wenn man immer noch behauptet, dass man damals ja nicht anders konnte.
Doch. Man konnte.
Es fehlte aber den meisten, die das Unrecht erkannten, der Mut.
Auch unseren Kirchen.

Mut ist immer mit Angst verbunden. Sonst wäre es kein Mut.
Mut brauche ich dann, wenn es mich was kosten könnte.
Meinen Ruf. Meine Autorität. Mein Amt. Meine Macht. Mein Geld. Mein Leben.
Aber es gibt Situationen, da ist dann Mut gefragt.

IV.
In so einer Situation befindet sich Esther.
Ein ganzes Buch ist ihr in der Bibel gewidmet.
Esther hat eine Traumkarriere* hinter sich:
Geboren als Angehörige der jüdischen Exil­gemeinde in Persien,
wächst sie im Haushalt ihres Onkels auf.
Eine königliche Misswahl, die die neue Königin des persischen Königs küren sollte,
verschafft ihr einen „Beauty­Aufenthalt“ im Palast.
Sie sticht  alle Konkurrentinnen aus und wird persische Königin,
verschweigt jedoch ihren Migrations­hintergrund.
Später erfährt sie von einer Intrige gegen ihre Glaubensgeschwister:
Die jüdischen Exilanten werden beschuldigt,
die persische Leitkultur zu untergraben und die Einheit des Reiches zu gefährden.
Ein Pogrom steht bevor.

Nun ist Esther gefordert:
würde sie weiterhin schweigen
oder endlich ihren Mund auftun?
Ester tut ihren Mund auf.
Damit riskiert sie ihren eigenen Tod.
Aber sie gewinnt das Ver­trauen des Königs und verhindert den Pogrom.
Bis heute feiern Jüdinnen und Juden am Purimfest
das Geden­ken an Esters mutigen Einsatz.

Esther hätte sich gemütlich zurücklehnen können.
Aber sie tut es nicht.
Sie scheint die richtige Frau am richtigen Platz zu sein.
Und so fühlt sie sich verantwortlich für das Schicksal der Gefährdeten.
Sie sind ihr nicht egal.
Sie tut das, was not-wendig ist.

V.
Ja, es gibt Situationen, da ist dann Mut gefragt.

Ich möchte Ihnen noch von Hananias erzählen.
Wir lesen von ihm in der Apostelgeschichte (Kapitel 9).
Er lebt in Damaskus und soll eines Tages zum frisch erblindeten Saulus gehen:
bis dato vehementer Chris­tenverfolger.
Er soll in dasselbe Haus gehen.
Im selben Raum mit diesem Menschen sein,
der bis dahin Leute wie ihn gehasst hat.
Hananias soll diesem Saulus gegenüber treten.
Ihm nahe kommen. Ihm die Hand auf den Kopf legen, ihn segnen.
Und nach langem Zögern tut er es.
Hätte ich das auch gekonnt?

Ich weiß es nicht.
Aber ich wünsche es mir.
Denn aus solchen Begegnungen entsteht Neues, Bahnbrechendes.
Nur so geschieht Veränderung.
Und aus dem Verfolger wird ein Liebender.

VI.
Zu mutig? Zu wenig mutig?
Das wissen wir meistens erst hinterher.
„Fürchte dich nicht“ ist einer der häufigsten Sätze der Bibel.
Und einer ihrer Schlüsselsätze.
In einer Zeit, wo Ängste populistisch ausgenutzt und hochgepuscht werden,
ist dieser Satz besonders wichtig.

„Fürchte dich nicht.“
Das ist keine Zauberformel,
aber ein Gegen-Satz gegen alles, was mich kleinmütig macht.
Fürchte dich nicht. Egal was passiert, ich bin bei dir.
Wenn du dich zu schwach fühlst, bin ich bei dir.
Und wenn du dich was traust, bin ich auch bei dir.
Darum: Habe den Mut, das zu tun, was gerade richtig ist.

Gerade heute brauchen wir mutige Menschen.
Mutige Menschen sind keine Superhelden.
Sie sind auch zaghaft.
Manchmal haben auch sie zu wenig Kraft, um mutig zu sein.
Und auch sie sind voller Angst.
Aber sie lassen sich von dieser Angst nicht leiten.
Und halten sich an diesem „Fürchte dich nicht“ fest.

Irgendwann ist dann da dieser Moment, worauf es ankommt.
Dann wissen die Gotteskinder, dass sie sich nicht wegducken dürfen.
Menschen wie Esther und Hananias,
Wie die Geschwister Scholl und Dietrich Bonhoeffer. Wie Sie und ich.
Und wenn es nur 5 Worte auf einem Übertragungswagen sind.
Oder die segnende Hand auf dem Kopf des Verfolgers.

Unsere Welt braucht unseren Mut. Den kleinen und den großen.
Sie braucht uns.
Wie gut, dass wir da sind.




* Einige Formulierungen hierzu habe ich mir geliehen von einer Materialsammlung von "Kirche hoch 2", die mir freundlicherweise schon gezeigt wurden, obwohl sie noch nicht veröffentlicht sind.