Sonntag, 8. März 2020

Frauennamen

Predigt zum Weltfrauentag
(mit riesengroßem Dank an Birgit Mattausch, dieser wunderbaren Predigerin, deren Worte ich weitergeschrieben habe)

1. Womens march

3 Jahre ist es her.
Da zogen die Frauen nach Washingthon. Women’s march.
Am Tag nach der Einführung von Donald Trump.
Whoopi Goldberg war dabei und Yoko Ono. Scarlett Johansson und Ashley Judd.
Eine Liste von Namen.
Pinkfarbene Wollmützen auf dem Kopf. Pussyhats.
Mit Zipfeln rechts und links. Wie Katzenohren.
Weil da einer an der Macht gekommen ist, der meint, Frauen einfach angrabschen zu können.

Der beschimpfte seine Konkurrentin Hillary Clinton als böse, widerliche, schmutzige Frau.
Nasty woman.
Und der Senatorin Elizabeth Warren erteilte man fast zeitgleich Redeverbot.
Aber sie hielt sich nicht daran.
#Nevertheless, she persisted.

Über eine Million Menschen waren damals in Amerika auf der Straße.
Weltweit demonstrierten mindestens 2 Millionen Menschen.

Mittlerweile ist die Bewegung nicht mehr so stark. Aber es gibt sie noch. Jahr für Jahr.
Und sie ist lernfähig.
Gott sei Dank haben sie sich von Frauen im Vorstand getrennt,
die antisemitisch unterwegs waren.

Ja, sie geht weiter, diese Bewegung:
Kennt ihr den pinky swear? (1)
Mit dem nimmt Elizabeth Warren kleinen Mädchen mit 2 kleinen Fingern das Versprechen ab:
„Ich will Präsidentin werden, weil Mädchen das tun!“

2. Text

Und es begab sich danach,
dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog
und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes;
und die Zwölf waren mit ihm,
dazu etliche Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten,
nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren,
und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes,
und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.      
(2)


3. Eine Liste von Namen

Eine Liste von Namen.
Namen von Frauen, die sich auf den Weg machen.
Die sich nicht aufhalten und nicht abhalten lassen.

Ich stelle mir vor, mein Name stehe in der Liste.
Der Liste der Freundinnen Jesu. Der Liste des Lebens.
Mein Name und der meiner Mutter: Hedi.
Und der meiner Großmutter. Ich habe sie nie kennengelernt.
Aber ich weiß, dass sie 4 Töchter und 1 Sohn großgezogen hat
und sie weigerte sich, das Mutterkreuz der Nazis anzunehmen.
Ja, ich stelle mir vor, ihr Name stünde in der Liste: Erna.
Und der meiner Schwester: Sibylle.
Und mein Name.
Und die Namen der Großmütter der Großmütter.
Und der Name meiner Tochter: Nele.
Und der Name meiner Schwiegertochter: Maddie.
Und vielleicht der Name meiner Enkelin,
von der ich noch nichts weiß und ob sie mal geboren wird.
Namen, die ich nicht mehr weiß. Und Namen, die ich noch nicht weiß.
Sie stünden in der Liste des Lebens und des Aufbrechens.
In der Liste der Freundinnen Jesu.
Zusammen mit  Maria, genannt Magdalena.
Mit Johanna.
Und Susanna.
Eine Liste, so lang wie von hier bis zum Mond und zurück.

4.  Den gefallenen Helden

Bis vor kurzem standen im allgemeinen nur Männer in Listen.
Zum Beispiel so:
Weltkrieg 1914 bis 18:
Den tapferen Söhnen in Dankbarkeit
Unseren gefallenen Kameraden
Den gefallenen Kriegern
Den gefallenen Helden
In ehrendem Andenken


Und auch die Bibel verfährt so:
Noah, Abraham, Ismael, Isaak.
Sie sind die Söhne von Vätern. Und sie sind die Väter von Söhnen.
Frauennamen? Fehlanzeige. Frauengeschichten? Am Rand.
Wenn sie da sind, dann halb vergessen.
Oder wisst ihr, wie die von Abraham und Sarah verstossene Hagar in der Wüste Gott nennt?
Oder kennt ihr die Namen der beiden Hebammen, die den Pharao austricksten?
Nein?

5. Zwinkern zwischen den Buchstaben

Aber heute - am Weltfrauentag - lesen wir sie laut,
die vergessenen und überlesenen Namen, wenigstens ein paar:
Maria, genannt Magdalena.
Johanna, Frau des Chuza.
Susanna und die anderen.
Hinter dem Schleier der Buchstaben und der Jahrhunderte zwinkern sie mir zu.

Sie dienten Jesus mit ihrer Habe.
So Luther übersetzt und dabei wahrscheinlich an reiche Frauen mittleren Alters gedacht,
die in ihren Häusern blieben und an ihrem Platz.
Und die - so meinte er wohl - unterstützen Jesus und die Männer um ihn hauptsächlich finanziell.
Tatsächlich aber bedeutet das griechische Wort ὑπαρχόντων
nicht nur finanziellen, materiellen Besitz.
Es meint alles, was ein Mensch hat und kann. (3)
Sie dienten Jesus mit allem, was sie hatten und was sie konnten.

Und sie zogen mit ihm. Durch Städte und Dörfer.
Durch Judäa und Galiläa. Sommers und Winters.
Sie schliefen unter dem Sternenhimmel. Mit Blick auf den großen Wagen und Kassiopeia.
Sie aßen sich satt in den Häusern der reichen Zöllner.
Sie sahen, wie Jesus sich Feinde machte und Freunde.
Hörten, wie die Blinden schrieen, wenn er ihr Dorf betrat.
Und sie saßen neben Jesus im Staub des Feldes, auf dem er redete vom Himmelreich.

6. Die Männer hinter und vor den Frauen

Was ist mit den Männern? Denke ich.
Chuza, der Verwalter des Herodes, zum Beispiel?
Hatte er genug Personal, um ohne seine Ehefrau Johanna zurecht zu kommen?
Wer legte nun seine Socken zusammen?
Und wer erinnerte ihn an den Geburtstag seiner Mutter?
Wer kümmerte sich um die Kinder, während Johanna mit Jesus um die Häuser zog?
Oder hatte sie die Kinder einfach mitgenommen?

Was ist mit den Männern? Denke ich.
Mit Petrus, Andreas, Johannes und den andern Jüngern?
Was dachten sie über Maria, genannt Magdalena? Später genannt die große Sünderin?
7 böse Geister hatte Jesus aus ihrem Frauenkörper vertrieben.
Ob die Männer es ihr noch ansahen? Und ob sie es ihnen ansah, dass sie es ihr ansahen?

7. Zeuginnen des Lebens

Maria, genannt Magdalena.
Johanna, Frau des Chuza.
Susanna und die anderen.
Ein paar Bibelseiten weiter stehen sie auf dem Berg des Todes
und sehen, wie Jesus ermordet wird.
Ein paar Bibelseiten weiter haben sie keine Tränen mehr,
ausgeweint am Kreuz und auf dem Friedhof.

Maria, genannt Magdalena.
Johanna, Frau des Chuza.
Susanna und die anderen.
Ein paar Bibelseiten weiter  sagt einer zu ihnen:
Fürchtet euch nicht. Am dritten Tage ist er auferstanden.

Maria, genannt Magdalena.
Johanna, Frau des Chuza.
Susanna und die anderen.
Ein paar Bibelseiten weiter sind sie die Zeuginnen des Lebens.
Apostelinnen, die nie jemand so genannt hat.
Noch ein paar Bibelseiten weiter sind sie fast vergessen.
Und ein paar Kirchenjahrhunderte später ist es, als hätte es sie nie gegeben.

8. Kommt her zu mir alle

Aber es hat sie gegeben und sie ist da, die Liste, und heute lesen wir sie laut.
Der Liste der Freundinnen Jesu. Die Liste des Lebens.
Ich stelle mir vor, mein Name steht da drauf und dein Name auch.
Und auch der von Hans und Michael –
mit den Frauen sind auch Männer unterwegs, ich will ja nicht so sein.
Unsere Namen stünden in der Liste.
In der Liste der Freundinnen und der Freunde Jesu. Freundinnen des Lebens.

Die Namen der Mütter der in Hanau erschossenen Jugendlichen stünden auch darauf. 
Und die der Frauen an der griechischen Grenze,
die alles aufgeben und versuchen um ihre Kinder in Sicherheit zubringen -
ohne gesehen zu werden.
Und die, deren Leben bedroht ist, weil sie diesen Frauen dort helfen.
Der Bundestag will von diesen Namen nichts wissen, sonst hätte er anders entschieden. (4)
(Ehrlich: ich schäme mich für unseren Bundestag!)
Aber Jesus sind ihre Namen nicht egal. Und mir auch nicht.
Und darum gehen Gott sei Dank Jünger und Jüngerinnen dorthin
und sie brauchen unsere Unterstützung.

Ja, sie alle gehören zur Liste der Freundinnen des Lebens.
Zusammen mit Maria, genannt Magdalena,
mit Johanna, Frau des Chuza
und mit Susanna und den anderen.
Zusammen mit den Namen von Sophie Scholl und Anne Frank,
von Angela Merkel und Greta Thunberg
und denen von Yoko Ono und Whoopi Goldberg und allen, die einen Pussyhat aufsetzen.
Ein Liste, so lang wie von hier bis zum Mond und zurück.

Unsere Namen stünden in der Liste.
Weil wir alle dem Leben dienen,
mit dem was wir haben und was wir können und was wir sind.
Wir sind nicht perfekt. Auch wir machen Fehler.
Auch wir sind manchmal auf dem falschen Weg.
Aber Jesus sagt zu uns:
Kommt her zu mir – alle. Grad wie ihr seid.
Mit Kind im Arm und Kind im Herzen.
Mit Falten am Hals und Metastasen in der Brust.
Mit zerschrammtem Herzen und 7 bösen Geistern und einem schlechtem Gewissen.
Und mit Schulden bei der Bank und auf der Seele.
Kommt her zu mir – alle. Grad wie ihr seid.
Und folgt mir nach.
Eure Namen werden nicht vergessen.
Amen.

(1) https://thehill.com/blogs/blog-briefing-room/news/456077-viral-photo-shows-elizabeth-warren-doing-pinky-promise-with
(2) Lukas 8,1-3
(3) Bibel in gerechter Sprache, S. 2316
(4) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestag-lehnt-aufnahme-von-5000-fluechtlingen-aus-griechenland-ab-a-75d31458-676a-4b5e-9159-e408d21adb32?fbclid=IwAR1LB5D7-TdttkgtPzIc58axGxKuRTgbNfp3___1Lt9A5FTHCniOAhWw18w

Dienstag, 25. Februar 2020

Wunde fängt mit W(eh) an

Mein Beitrag zum Preacher-Slam über.wunden
Pforzheim 22. Februar 2020

I.  (Verwundet)

Wunden tun weh. Wunden sind wahr.
Thomas wurde als 7jähriger verschickt.
Damals - vor 40 Jahren.
So nannte man die Mästungs- und Lungenkuren für Kinder.
6 Wochen lang. Irgendwo im Schwarzwald.
Er weinte sich in den Schlaf vor lauter Heimweh.
Und dann wurde ihm das verboten. Das Weinen.
Dein Heimweh ist nicht normal. Du steckst die anderen an.
Deinetwegen können sie nicht schlafen.
Sei still. Reiß dich zusammen.

Wunden tun weh. Wunden sind wahr.
Stimmt es, dass du keinen Vater hast?
Das wird die 10jährige Sabine vor allen anderen gefragt.
Ich habe einen Vater, aber er lebt nicht bei uns.
So antwortete sie und schämte sich.
Sie waren anders als die anderen. Unvollständiger.
Ein Bruder, der Autoreifen anzündete.
Die Mutter arbeitete nachts und ging kaputt daran.
Sie selber war die Brave. Die Fassade muss stimmen.
Bloß nicht auffallen. Nicht anecken.
10 Jahre später hörte sie dann: Toll, was aus euch geworden ist.
Und sie wusste keine Antwort mehr.

Wunden tun weh. Wunden sind wahr.
Der misstrauische Blick verfolgt Ahmed überall.
Sein Deutsch ist nicht gut. Seine Haut dunkler als die der anderen.
Und er hört gerne syrische Musik.
Er weiß, was sie denken.
Der ist doch nur faul, denken sie. Der ist feige, denken sie.
Der soll doch seine Heimat wieder aufbauen, denken sie.
Aber sie kennen seine Albträume nicht.
Wenn er nachts aufwacht, schweißgebadet.
Und sie wissen nichts von seinem Onkel,
der aus dem Foltergefängnis nicht mehr zurück kam.

Wunden.

II. (Wunde mit W)

Why, wound.
Wunde fängt mit W an.
Weh mit H am Ende.
Ein weicher Buchstabe.
Ein Doppel-Buchstabe: Dubbleyou, Dubleweh.
Weil Schmerz immer doppelt zählt?

Wunde fängt mit W an.
Und das W ist ein weicher Buchstabe.
Ob ich Wunden mit W-Wörtern beschreiben kann?
(ich versuche es mal:)

III. (80 W-Wörter)

Wunden sind oft winzig und doch wirksam.
Weswegen ich sie wiederholt wegschließe.
Will sie nicht wahrnehmen.
Weigere mich, sie wahr-sein zu lassen.
Was für ein Wahnsinn.

Sie wehren sich gegen meinen Wunsch mit aller Wucht.
Kein Wischen nach links
oder kein Weg-Waschen macht sie weniger.
Kein Witzeln wandelt sie,
Kein Wechseln und Wüten würgt sie ab.
Wunden wachsen und wuchern wild,
wallen und walten, wenn ihnen kein Wort gilt.

Wunden halten mich wach.
Wunden weisen auf eine Wirklichkeit, die weich ist.
Wo Widerstand zwecklos wird,
wo Wirbelsäule, Wangen und Wimpern weinend die Wahrheit weben.
Und Wind, Wetter und Winter wüten die Wunden auf.

Wohl weiß ich, was mir weh tut.
Wer in meinen Wunden wühlt und ihre Würde wegraubt.
Wärme ist dann wichtig. Und Weinen.
Manchmal auch Whisky, Wein oder Wodka - aber wenig (!).
Keine Watte für die Wunden,
aber eine Welt, wo sie wohnen können und wertvoll sind.
Wo sie mich weich machen.
Und wahrscheinlich - wie die Wundmale Jesu - Wunder ermöglichen.

IV. (Wunden von Pforzheim)

Wunden tun weh.
Wunden sind wahr.
Und ich sehe die Wunden dieser Stadt.
Die Straßenzüge, die es nicht mehr gibt.
Der Wallberg mit seinem Schutt unter dem Gras.
Die eine Stele, die noch fehlt,
weil man für die Nazizeit hier noch keine Worte finden will (oder kann?).
Ich sehe die Stolpersteine mit Buchstaben und Zahlen.
Manchmal sehe ich sie nur zufällig.

Und ich spüre die Wunden der Menschen.
Fragen, die sie nicht stellen durften.
Warum haben ausgerechnet wir überlebt?
Wer hat hier vorher gewohnt?
Wo ist der Nachbar geblieben, nachdem sie ihn weggebracht haben?

Ihre Wunden sind vernarbt, nicht verheilt.
Manche brechen wieder auf. Gerade jetzt. 75 Jahre später.
Und zulange hat man verschwiegen, was in Pforzheim geschehen war.
Der jüdische Arzt, der nicht mehr wiederkam.
Die behinderte Schwester, die plötzlich verstarb.
Die französischen Widerstandskämpfer, ermordet im Hagenschieß.
Der Bruder, verschollen in einem nicht enden wollenden Krieg.
Die Leichen in der Enz.
Die Vergewaltigungen in der Nordstadt, als alles vorbei zu sein schien.

Verwundete Stadt.
Wunden, die immer noch da sind.
Und neue kommen dazu.

V. (Wunden zeigen)

Wunden tun weh.
Wunden sind wahr.
So viele Wunden in einer Stadt.
Alte und neue.
Serbische und irakische, syrische und deutsche Wunden.
Wunden in Hanau. Wunden in Halle.

Wir teilen diese unverheilten Wunden.
Die Wunden von damals und die Wunden heute.
Die von Thomas und Sabine und Ahmed.
Von Schawkat, Hans-Carl* und den Eltern von Mercedes in Hanau.
Die Wunden sind da und brauchen unsere Zärtlichkeit.
Brauchen Wunder der Liebe.

Zeigen wir uns unsere Wunden.
Ich zeige dir meine.
Du zeigst mir deine.
Wir tragen sie ja mit uns.
Wir bleiben verwundbar. Und das ist gut so.
Damit wir weich bleiben.
Mensch bleiben.
Nur in einer verwundbaren Welt kann ich leben.
Mit Tränen und offenen Herzen.

*Pforzheimer Kurier (bnn) vom 22.2.2020, S.27

Sonntag, 23. Februar 2020

Wir nehmen die Namen mit

Ansprache zum Gedenktag der Bombardierung von Pforzheim auf dem Hauptfriedhof

I.
Wir stehen an ihren Gräbern.
An den Gräbern von Elise und Heinz, Ulrich und Karla.
Wir haben weiße Rosen auf die Grabsteine gelegt.
Wir stehen an ihren Gräbern und trauern um sie,
die vor 75 Jahren im Bombenhagel und im Feuer gestorben sind.

Wir stehen hier und wünschten uns, dass wir hier nicht stehen müssten.
Dass es keinen Krieg gegeben hätte, keine Bomben, keine Toten.
Wir wünschten uns, dass der kleine Bruder nicht im Feuer des 23. Februar gestorben,
der Onkel nicht an der Ostfront gefallen wäre.
Wir wünschten uns, dass die Pforzheimer Juden und Jüdinnen nicht deportiert
und ermordet worden wären.
Ja, wir wünschten uns, dass die Nationalsozialisten nie an die Macht gekommen wären -
auch nicht in Pforzheim.

Aber es ist geschehen.
Und darum stehen wir hier an den Gräbern der Toten des 23. Februar 1945.
An den Gräbern von Margarete und Elisabeth, Georg und Wilhelm.

II.
Hier an den Gräbern ahnen wir, was wir verloren haben:
Den Bruder, die Schwester, die Großmutter.
Menschen, die liebten und geliebt wurden
Und die noch was vor hatten in ihrem Leben.
Die dazu gehörten.

„Wir Unvollendeten zu Grabe getragen,
mit Sehnsüchten, die aus dem Grabe ragen!“

Diese Worte singt der Chor im Requiem für Tote und Lebende von Rolf Schweizer.

„Wir Unvollendeten zu Grabe getragen,
mit Sehnsüchten, die aus dem Grabe ragen!
Bevor wir entzündet, sind wir verglommen.
Bevor wir verkündet, in Rauch verschwommen.
Unser junger Gedanke, nie ausgedacht,
unser heißtolles Lachen, nie ausgelacht,
das tiefste Weinen des Lebens versäumt,
und seine Träume nie ausgeträumt!“

(Lola Landau)

Leben wurde ausgelöscht, das hätte gelebt werden sollen.
Nicht irgendein Leben, sondern das Leben von Maria und Greta, von Josef und Johannes.
Leben mit Namen und Hoffnungen und Sehnsüchten.
Leben, das geopfert wurde auf dem Kriegsaltar, den unsere Vorfahren errichtet haben.
Sinnlos geopfert für den Größenwahn einer menschenverachtenden Ideologie.

III.
Wir stehen an ihren Gräbern und wir lesen die vielen Namen.
Dazu müssen wir uns hinknien. Und vielleicht die Buchstaben berühren.
Viele Namen. Jeder Name ist ein Name zu viel,
Die, die diese Namen tragen, hätten leben sollen.

Es sind Namen, die Gott in seine Hand geschrieben hat.
Sie sind nicht vergessen und werden nicht vergessen,
selbst wenn wir, die wir erinnern, einmal nicht mehr sind.
Denn Gott vergisst nicht einen Namen.
Gott nicht.
Nicht einen.

Nicht den von Maria und Greta, nicht den von Georg und Wilhelm,
gestorben in den Trümmern von Pforzheim
Nicht den von Salomon und Benjamin und Helga, ermordet in Auschwitz.
Nicht den von André und Marguerite, erschossen im Hagenschieß.
Nicht den von Papé und Saliou, ertrunken im Mittelmeer.
Nicht den von Fatih und Mercedes, erschossen in Hanau.
Jeder und jede von ihnen ist in Gottes Hand geschrieben.

IV.
Wir hier stehen an den Gräbern der Toten der Bombennacht.
Uns bleiben ein Foto vielleicht, ein Schmuckstück, oder vielleicht auch nur Tränen.
Und die Trauer, dass wir Menschen uns ins so eine Katastrophe führen.
Dass wir Leben opfern - immer noch und immer wieder.

Und ich stimme ein in die Worte des Schweizer-Requiems:
„Wo bist du geheiligt auf Erden, großer Gott?
Stets wurde schon immer dein Name missbraucht,
Glauben und Wissen in Lüge vertauscht.
Der Mensch hat sich alles verdreht und verkehrt,
Die Kriege den Völkern als heilig erklärt.
Wo gab es denn jemals den heiligen Krieg?
Nur Mord und Zerstörung am Ende noch blieb.“

(Frohmut Schweizer)

Ja, wir stehen an den Gräbern der Toten des 23. Februars.
Wir legen eine Rose ab.
Nie wieder, hat man damals gesagt. Nie wieder sinnlosen Krieg.
Nie wieder sollten Menschen in unserem Land Angst um ihr Leben haben,
nur weil sie einen anderen Namen tragen, anders an Gott glauben, anders lieben.

Die Würde des Menschen ist unantastbar, haben wir in unser Grundgesetz geschrieben.
Nie wieder soll sie verletzt werden. Nie wieder, hat man damals gesagt.
Und doch geschieht es wieder.
Und das macht mich nicht nur traurig, sondern auch zornig.

V.
Wir stehen an den Gräbern der Toten der Bombennacht und lesen ihre Namen.
Wir nehmen ihre Namen in diesen Tag mit und wir legen die Namen der anderen dazu.
Die Namen von Auschwitz und vom Hagenschieß,
die Namen auf dem Grund des Mittelmeers, die Namen von Hanau.
Ein Meer von Namen, das uns umgibt und das uns an dieses Nie-wieder erinnert.

Wir nehmen die Namen mit und mit ihnen auch die Verantwortung,
für eine Gesellschaft einzustehen, in der die Würde jedes Menschen geschützt wird,
Weisen wir die in ihre Schranken, die die Würde nur einer Auswahl von Menschen zu sprechen.
Stehen wir ein für ein Land, von dem nie wieder Krieg ausgehen darf,
auch nicht durch Verkäufe von Waffen in Länder, wo Krieg herrscht.

VI.
Wir stehen an den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewalt.
Ihre Namen sind im Himmel geschrieben, nicht nur hier.
Wir nehmen ihre Namen mit, aber wir tragen sie nicht allein.
Der, der den Namen trägt „Ich bin für euch da“, der trägt mit.
Und er stellt uns auf den Weg in eine Zukunft,
in der wir keine Namen mehr auf den Grabsteinen lesen müssen, sondern uns gegenseitig zurufen:
Helmut, Ursula, Lieselotte, Salomon, Benjamin, Helga, André, Marguerite,
Papé, Saliou, Fatih, Mercedes -

Gottes Geliebte.

Montag, 10. Februar 2020

Von Ersten und Letzten und einem Jesus, dem das egal ist

oder: was haben Thüringen, ein Gemeindehaus mit Wohnungen und Jesus miteinander zu tun?
 

Predigt zu Matthäus 20,1-16 (1)

I.
Von oben nach unten. Von unten nach oben.
Jesus dreht alles einmal um.
Die Letzten werden die Ersten sein. Die Ersten die Letzten.
Himmelsmaßstäbe.
Die zum Schluss kommen, kommen nicht zu spät.
Sie bekommen dasselbe wie die, die schon lange dabei sein.
Wer anfängt zu rechnen - wie wir es gewohnt sind, der wird sich wundern.
Denn Jesus hält sich nicht an unsere Berechnungen,
nicht an unsere Hierarchien und Rangordnungen.

II.
Das ist provozierender als wir denken.
Wir tun oft so, als ob wir alle gleich sind.
Aber schon am sogenannten GenderPayGap,
dem Unterschied zwischen den Gehältern von Männern und Frauen,
sehen wir, dass das nicht stimmt.
Beim synodalen Weg unserer katholischen Geschwister wird von einem Kardinal kritisiert,
dass Laien und Kleriker gemeinsam eingezogen sind und jeder gleich viel Redezeit hat. (2)
Ja, wir Evangelische empören uns leicht darüber,
aber auch wir kennen Machtgerangel um Spitzenpositionen.
Als Deutsche tun wir oft so, als ob der Rang einer Person keine Rolle spielt bei uns,
oder das Aussehen, oder die Hautfarbe oder das Geld.
Aber das stimmt nicht.
Manche bekommen noch nicht einmal eine Wohnung,
weil sie einen arabisch klingenden Namen haben.
Und wenn politisch aktive Menschen diese Unterschiede in Frage stellen,
gelten sie als linksradikal und gelten damit als No-Go für die sogenannte Mitte.
Gerade wieder passiert.

III.
Bei Jesus gibt es keine Ersten und keine Letzten..
Er heilt den blinden Bettler genauso
wie den Knecht vom römischen Hauptmann.
Spricht im Tempel wie auf dem wackligen Schiff.
Er lässt sich bedienen und er bedient selber.
Lässt sich mit kostbarem Öl salben,
reitet aber auf einem Esel in die Stadt.
Er nimmt die Kinder in den Arm,
die, die eigentlich überhaupt keine Rolle spielen damals.
Und er lässt einen reichen jungen Mann abblitzen, hat ihn aber lieb.
Die Letzten werden die Ersten sein. Und die Ersten die Letzten.

IV.
Ja, Jesus selbst lebt es so.
Er ist selber der Letzte und geht an die Seite der Letzten.
Und damit legt er sich an mit den Ersten.
Sein Kreuz ist der Ort der Letzten.
Es ist das Letzte. Etwas, das überhaupt nicht zumutbar ist.
Aber genau da geht Jesus hin. Der Erste wird zum Letzten.
Damit die Letzten die Ersten werden. Damit es keine Letzten mehr gibt.

V.
Die Jünger von Jesus verstehen das genauso wenig wie wir.
Lass doch alles beim Alten, Jesus.
Wir sind die ersten, die dir folgen. Die dir glauben.
Dann werden wir auch im Himmel an deiner Seite sein. So wie jetzt.
Und das ist ein richtig gutes Gefühl:
zu den Ersten zu gehören und nicht zu den Letzten.
Immerhin ertragen wir ja auch einiges dafür, dass wir uns so schnell entschlossen haben.
Haben Boote und Familien und Beruf liegen gelassen.
Verzichten auf das weiche Bett und die Sicherheit eines festen Daches.
Nehmen auf uns die Mühe, Tag für Tag um Essen zu betteln. Nur um bei dir zu sein.
Da haben wir uns die Belohnung doch echt verdient, oder? Immerhin sind wir die Ersten.
(Und ja: ich kenne auch heute genug Christen, die genau zu wissen meinen,
wer in den Himmel kommt und wer nicht)

VI.
Falsch, sagt Jesus. Gott ist kein Rechenautomat.
Nicht wer zuerst da ist, hat gewonnen. Auch wer später kommt, gehört zu den Ersten.
Wird genauso in den Arm genommen von Gott.
Bekommt genauso viel Liebe ab und wird genauso herzlich von ihm empfangen.

Das fühlt sich ungerecht an. Und manchmal ist es auch ungerecht.
Aber Gottes Liebe ist nicht aufzurechnen. Seine Liebe könnt ihr nicht verdienen.
Aber ihr braucht es auch nicht. Gott sei Dank.
Es hängt nicht davon ab, wieviel ihr tut und wie lange ihr schon dabei seid.
Entscheidend ist, dass ihr da seid.
Vielleicht denkt ihr, dass es zu spät ist. Aber es gibt kein zu Spät.
Ihr kommt auf den Marktplatz Gottes und findet euren Platz.
Ihr seid willkommen und könnt zupacken.
Jetzt. Nicht später. Und nicht früher. Jetzt.

VII.
Hier nebenan haben wir das Gemeindehaus umgebaut. Da sind jetzt Wohnungen drin.
Und weil Geflüchtete es besonders schwer haben, eine Wohnung zu bekommen,
haben wir mit der Stadt vereinbart, dass die Wohnung erstmal an Geflüchtete vermietet werden. (3)
Darüber haben sich nicht alle gefreut.
Vermietet doch erstmal an Deutsche, bekamen wir zu hören.
"Wir" haben doch genug Menschen, die auch eine Wohnung suchen.
Und "die" da machen doch nur Schwierigkeiten. Die haben es doch gar nicht verdient.

Ja, es gibt immer wieder Schwierigkeiten. Mit Müll und Lärm und so.
Aber das ist doch kein Grund, sie hier nicht wohnen zu lassen.
Im Gegenteil. Diese Menschen brauchen uns, euch.
Und wer das Fass mit „Wir Deutschen“ und „die da“ aufmacht,
hat offensichtlich nicht verstanden, was Jesus meint, wenn er von Liebe und Leben spricht.

VIII.
Bist du neidisch, weil ich großzügig bin?
Das lässt Jesus den Grundbesitzer fragen.
Er fragt die, die Angst haben zu kurz zu kommen.
Die meinen, dass man sich eine Grundrente oder ein Dach über dem Kopf erst verdienen muss.
Bist du neidisch, weil ich großzügig bin?
Du gönnst anderen nicht, was du bekommst?
Bekommst du dadurch weniger? Wirklich weniger?
Haben nicht auch die eine Chance verdient, die von vorne anfangen müssen.?

Deutschland ist ein reiches Land, auch wenn es mit seinen Armen nicht gut umgeht.
Aber wer bist du, deutsche Schwester, deutscher Bruder,
dass du meinst, du hättest es mehr verdient als andere, dass man sich um dich sorgt?
Bist du neidisch, weil ich großzügig bin?
Natürlich müssen wir viel dafür tun,
damit das mit dem Wohnen und Zusammenleben auch funktioniert.
Und natürlich dürfen wir auch die nicht vergessen,
die schon lange hier sind oder schon immer hier gelebt haben.
Aber wenn wir nach dem Grundsatz leben:
nur wer in die Sozialkassen gezahlt hat, darf auch daraus was bekommen,
dann schließen wir alle aus, die nicht arbeiten können oder dürfen:
Asylsuchende, Kranke, Kinder, Behinderte.

Von dieser Großzügigkeit den Schwächeren gegenüber
haben wir uns in unserem Sozialsystem etwas bewahrt
und darüber bin ich froh - trotz aller seiner Schwächen.
Aber eine Politik, die der Barmherzigkeit immer weniger Raum gibt, die will ich nicht.

Auch den Letzten einen Platz zu geben.
Jetzt da zu sein. Und zu gönnen, was da ist. Das ist christlich.
Himmelsmaßstäbe.

IX.
Die Letzten werden die Ersten sein.
Pervertiert wurde dieser Grundsatz letzten Mittwoch in Thüringen. (4)
Unwürdig war das - und gefährlich.
Da machten sich Letzte zu Ersten,
aber es ging dabei nicht um Großzügigkeit oder gar darum, dass es allen gut geht.
Es ging um Macht und ein Geschacher um die besten Plätze.
Und man tat sich zusammen mit denen,
die sehr genaue Vorstellungen davon haben, wer oben zu sein hat und wer unten.
Da sollen die Ersten die Ersten bleiben und die Letzten die Letzten.
Reiche und weiße und traditionelle Familien auf der einen Seite.
Die anderen auf die andere.
Neoliberalismus gepaart mit Rechtsextremismus.

Aber Jesus setzt andere Maßstäbe. Himmelsmaßstäbe.
Da gibt es kein Oben und kein Unten, kein rücksichtsloses Geschacher um die besten Plätze.
Da schauen wir Christen und Christinnen anders auf die Welt.
Großzügiger. Liebevoller.
Für uns gibt es keine Ersten und keine Letzten.
Neid und Machtkalkül kippen wir in die Tonne.
Wir sind alle eins in Christus. Und das gilt schon jetzt, nicht erst im Himmel.
Und egal aus welchem Land wir kommen, wie arm oder reich wir sind,
wie gebildet oder nicht, ob Mann oder Frau.

Manche nennen das gutmenschlich oder naiv. Manche nennen das linksradikal.
Aber das ist mir egal.
Gott ist gütig und großzügig. Viel mehr als ich.
Aber ich bin sein Ebenbild und ich folge Jesus nach.
Darum will ich ihm ruhig etwas mehr nacheifern.
Will, dass alle einen Platz haben und alle eine Chance für die Liebe Gottes.
Gleich hier nebenan. Und hier in der Kirche.

Die Letzten werden die Ersten sein.
Amen.

(1) »Das Himmelreich gleicht einem Grundbesitzer: Er zog früh am Morgen los, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Lohn von einem Silberstück für den Tag. Dann schickte er sie in seinen Weinberg.
Um die dritte Stunde ging er wieder los. Da sah er noch andere Männer, die ohne Arbeit waren und auf dem Marktplatz herumstanden. Er sagte zu ihnen: ›Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen. Ich werde euch angemessen dafür bezahlen.‹ Die Männer gingen hin.
Später, um die sechste Stunde,und dann nochmal um die neunte Stunde machte der Mann noch einmal das Gleiche.
Als er um die elfte Stunde noch einmal losging, traf er wieder einige Männer, die dort herumstanden.
Er fragte sie: ›Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum?‹ Sie antworteten ihm: ›Weil uns niemand eingestellt hat!‹ Da sagte er zu ihnen: ›Ihr könnt auch in meinen Weinberg gehen!‹
Am Abend sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: ›Ruf die Arbeiter zusammen und zahl ihnen den Lohn aus! Fang bei den Letzten an und hör bei den Ersten auf.‹ Also kamen zuerst die Arbeiter, die um die elfte Stunde angefangen hatten. Sie erhielten ein Silberstück. Zuletzt kamen die an die Reihe, die als Erste angefangen hatten.
Sie dachten: ›Bestimmt werden wir mehr bekommen!‹ Doch auch sie erhielten jeder ein Silberstück.
Als sie ihren Lohn bekommen hatten, schimpften sie über den Grundbesitzer. Sie sagten: ›Die da, die als Letzte gekommen sind, haben nur eine Stunde gearbeitet. Aber du hast sie genauso behandelt wie uns. Dabei haben wir den ganzen Tag in der Hitze geschuftet!‹
Da sagte der Grundbesitzer zu einem von ihnen: ›Guter Mann, ich tue dir kein Unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf ein Silberstück als Lohn geeinigt? Nimm also das, was dir zusteht, und geh! Ich will dem Letzten hier genauso viel geben wie dir. Kann ich mit dem, was mir gehört, etwa nicht das machen, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich so großzügig bin?‹ So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.«


(2) https://www.katholisch.de/artikel/24382-erste-synodalversammlung-frankfurt-tag-3

(3) https://www.evkirche-pf.de/html/aktuell/aktuell_u.html?&cataktuell=&m=23507&artikel=20139&stichwort_aktuell=&default=true

(4) https://www.deutschlandfunk.de/thueringen-chronologie-der-ereignisse-seit-der-landtagswahl.1939.de.html?drn:news_id=1099678

Sonntag, 19. Januar 2020

Wein, Kaffee und warme Hände

Eine Predigt zum Fest des Lebens und zur Eröffnung der Vesperkirche 
(mit Dank an Miriam Helmert für Inspiration und das eine oder andere Wort)


I. Vesperkirche

4 Wochen lang wird hier gegessen und getrunken.
4 Wochen lang gibt es hier ein warmes Essen, 4 Wochen eine warme Hand.
Eine hört zu, ein anderer verschreibt Medikamente, wieder eine spielt mit einem Kind.
Geschichten werden erzählt von zuhause, wo es kalt ist und wo das Geld fehlt.
Und andere erzählen von früher,  als der Mann noch da war und das Licht heller.
Manche werden nur einmal kommen oder zweimal. Viele kommen jeden Tag.
Die einen kennt man schon gut. Andere sind neu hier.
Ganz normales Essen gibt es hier. Ganz normalen Kaffee.
Jesus ist mittendrin.  Und das macht alles anders.

II. Kana

Jesus ist mittendrin.
Dort wo gegessen wird und getrunken. Wo du lachst und wo du weinst.
Wo du zuhause bist. Wo du nicht weißt, ob du dahin gehörst.

Wenn’s was zu feiern gibt, ist Jesus dabei
– auch in Kana, nicht allzu weit weg von Nazareth.
Ein rauschendes Hochzeitsfest. (1)
Ein Fest des Lebens, wo die Liebenden sich küssen,
die Freunde feiern und die Kinder dazwischen herumwuseln.
Musik spielt auf, Geschirr klappert, Stimmengewirr überall. Das Brautpaar ist glücklich.

Über dem Feuer brät ein Lamm,  frisches Brot gibt es körbeweise,

Feigen und Käse stehn auf dem Tisch.
 Und Wein wird ausgeschenkt:
Wein von den Hängen des Golan, gold schimmernd mit fruchtiger Note, in großen Krügen.

Es wird getanzt und gesungen, gelacht und gegessen;
Und Jesus ist mittendrin und genießt die Zeit.

III. Der Wein ist alle

Doch plötzlich ist Schluss mit Lustig. Der Wein ist alle.
Ich fühle mit dem Brautpaar:
Rot vor Scham, wenn der Wein ausgeht oder das Bier nicht reicht.
Oder die Suppe ist sauer geworden über Nacht. (Ist bei meiner Hochzeit passiert)
Was haben wir übersehen in der Planung? Wie stehen wir denn jetzt da?
Und kippt jetzt die Stimmung?

Unangenehmer geht es kaum:
Die eigene Hochzeit, und die Getränke gehen aus!
Eine Vesperkirche, wo zu wenig Essen bestellt wurde.
Das Gefühl ist immer das Gleiche. Peinlich, sehr peinlich.

Denn es geht um mehr.
Es geht um mehr als die Menge oder den guten Geschmack von Wein.
Es geht um den Durst nach Leben und Freude und Sonne und Gemeinschaft.
Dass da einer mit mir als Gast gerechnet hat.
Ich bin es ihm wert, dass er sich für mich ins Zeug legt.
Und so bleibt ein schaler Nachgeschmack, wenn das Gegenteil eintritt.
Da kann man noch so sehr argumentieren:
ach, Wasser tut es doch auch. Ist eh gesünder.
Die Festlaune ist getrübt.

IV. Wasser zu Wein

Doch dann ist da Jesus.
In unsrer Welt angekommen, erwachsen geworden –
und doch letzten Endes ja nicht von dieser Welt.
Grade erst angefangen hat er, öffentlich zu wirken.
Und was tut er als erstes, sein erstes „Zeichen“?!
Er macht Wasser zu Wein.

Keine Heilung, die lebensnotwendig wäre,
Aber es geht um das Leben.
Um das Fest des Lebens mitten im Leben.

Jesus schwingt keine großen Reden,
nicht über die schlechte Vorbereitung des Bräutigams,
oder die knappe Vorratshaltung der Braut.
Auch nicht über das schwierige Trinkverhalten der Gäste,
über die Gefahren des Weinkonsums und die Ressourcenknappheit des Wassers.
Er regt sich nur kurz über seine Mutter auf:
Was willst du von mir, Frau?!,
erinnert sie kurz daran, dass seine Definition von Verwandtschaft anders ist als üblich
– und sieht dann doch ein, dass sie Recht hat mit ihrem Hinweis
Sie haben keinen Wein mehr
und der darin versteckten Bitte: „Jesus, tu doch was dagegen!“

Jesus tut, was nötig und ihm möglich ist, und was er für richtig hält:
Er macht Wasser zu Wein.
Sorgt dafür, dass die Freude am rauschenden Fest keinen Dämpfer bekommt;
und dass niemand mehr Durst leiden muss auf der Hochzeit in Kana.
Er rettet den Gastgeber, die Gäste, das ganze Fest. Jesus macht Wasser zu Wein.

V. Jesus mittendrin

Jesus ist mittendrin und etwas Alltägliches wird was Besonderes.
Das Fest des Lebens mitten im Leben. In Kana und hier.
Die Tasse Kaffee hier in der Kirche wärmt mehr als den Bauch.
Das Essen hier nährt auch die Seele.
Ein Lächeln am Nachbartisch macht den Raum plötzlich heller.
Das einfache Brötchen wird zu einem Geschenk, das noch draußen schmeckt.
4 Wochen lang wird hier Wasser zu Wein, weil Jesus mittendrin ist.
Weil jeder Gast so wichtig und wertvoll ist, dass alle alles geben dafür.
4 Wochen lang Fest des Lebens. 4 Wochen lang mit Jesus mittendrin.

VI. Fest des Lebens

Ich wünsche mir, dass dieses Fest des Lebens nicht aufhört,  wenn die Vesperkirche vorbei ist.
Dass Jesus mittendrin bleibt. Dass auch dann Wasser zu Wein wird.
Das Alltägliche zum Besonderen.

Da wird mein Kaffee zu einem Festgetränk, weil ich ihn mit jemandem teile, der nicht damit rechnet.

Da sieht jemand die rumänische Bettlerin vorm Kaufhof
und weiß: sie ist ganze anderen ausgeliefert. 
Er setzt sich zu ihr und versucht sie aus ihrem Elend zu befreien.
Vielleicht mit anderen zusammen? (2)

Da werden die Kinder tatsächlich aus den griechischen Flüchtlingslagern nach Deutschland geholt und nicht mehr darüber diskutiert, ob das geht oder nicht.

Und da bekommt eine todkranke Frau eine gespendete Lunge. (3)

Wasser wird zu Wein. Jesus mittendrin im Fest des Lebens, mitten im Leben.

VII. Vertrauen

Ja, das Fest des Lebens geht weiter.
Und ich wünsch mir auch so ein Vertrauen wie Maria:
Tut alles, was er euch sagt, hat sie vorsorglich zu den Dienern gesagt.
Obwohl ihr Sohn sie so distanziert zurecht gewiesen hat, weiß sie, glaubt sie:
Es wird etwas passieren.
Dafür hat sie ihn doch schließlich zur Welt gebracht.
Hat es ertragen, wenn er schon als Kind anders war als die anderen Kinder.

So ein Vertrauen zu haben wie Maria, weil Jesus mittendrin ist in meinem Leben.
Ihn bitten, dass Wunder geschehen. Und das Leben zum Fest wird. Jetzt. Hier.
Und dann das Fest des Lebens feiern wie die Menschen in Kana,
als es plötzlich 600 Liter vom besten Wein gab und das Fest wieder Fahrt aufnahm:
Die Musiker spielen, die Kinder lachen, die Leute tanzen bis zum Morgengrauen.

Und wir feiern das Fest des Lebens hier in der Kirche.
4 Wochen lang mit essen und trinken und mit warmen Händen.
Und jeder Gast ist wertvoll und wichtig.
Wir tragen dann das Fest in die Stadt und in die Welt.
Mit warmen Händen und offenen Herzen. Und wir feiern mit Jesus, der bei uns ist
Er macht Wasser zu Wein und das Alltägliche zu was ganz Besonderen.
Mitten im Leben. Und es hört nicht auf.

Amen.

(1) Johannes 2,1-11 - wurde als Lesung gelesen:
Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen.

Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!«  Jesus antwortete ihr: »Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Doch seine Mutter sagte zu den Dienern: »Tut alles, was er euch sagt!«
Dort gab es auch sechs große Wasserkrüge aus Stein. Die Juden benötigten sie, um sich zu reinigen. Jeder Krug fasste zwei bis drei Eimer. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt die Krüge mit Wasser.«
Die füllten sie bis zum Rand. Dann sagte er zu ihnen: »Schöpft jetzt etwas heraus und bringt es dem Festmeister.« Sie brachten es ihm. Als der Festmeister einen Schluck davon trank, war das Wasser zu Wein geworden. Er wusste natürlich nicht, woher der Wein kam. Aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten Bescheid. Da rief der Festmeister den Bräutigam zu sich und sagte zu ihm: »Jeder andere schenkt zuerst den guten Wein aus. Und wenn die Gäste dann angetrunken sind, folgt der weniger gute. Du hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.«
Das war das erste Zeichen. Jesus vollbrachte es in Kana in Galiläa. Er machte damit seine Herrlichkeit sichtbar und seine Jünger glaubten an ihn.

(2) Hier beziehe ich mich auf einen Beitrag von Albert Esslinger-Kiefer in der PZ vom 18.1.2020

(3) Am 15.1.2020 wurde im Bundestag eine Gesetzesänderung zur Organspende beraten. Die Widerspruchslösung wurde abgelehnt. In meinem Umfeld wurden die verschiedenen Lösungsansätze sehr kontrovers diskutiert. Mich persönlich hat die ARD-Dokumentation "Organspende - Jetzt reden die Ärzte" sehr bewegt. https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzA0M2JhM2U3LTcwZGYtNDJmZS1iMjdhLTU3NTUwZTIwYWRkZg/organspende-jetzt-reden-die-aerzte

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Gott in deinem Leben

Von Elfy und Maria, Staub und Stroh
Predigt zu Sacharja 2, 14-17


I.
Freue dich und sei fröhlich!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.


Es ist Winter. Es ist kalt.
Und Elfy, 39 Jahre alt, gelernte Köchin, ist obdachlos. (1)
Sie sitzt im Café eines Supermarkts
und rührt Zucker in ihren Kaffee, den ihr jemand spendiert hat..
Elfy, wie sie von ihren Kumpels genannt wird, will wegkommen von der Straße.
Sie hat blonde Haare, wie ihr Sohn, als er klein war.
Aber sie sind zottelig, und es ist kein natürliches Blond.
In den vergangenen Wochen hatte sie viele Termine, ist zu Ämtern gelaufen, hat Anträge gestellt.
Bis sich Türen öffneten und Elfy das Angebot bekam,
in eine Einrichtung für betreutes Wohnen aufgenommen zu werden.
Dort hätte sie ein eigenes Zimmer und Unterstützung von Sozialarbeitern.
Ein festes Dach über dem Kopf, in greifbarer Nähe.
Wenn sie über diesen Erfolg spricht, wirkt sie aufgekratzt und lächelt.
Dann sieht man, dass ihr ein paar Zähne im Unterkiefer fehlen.

Noch vor Heiligabend könne sie einziehen, habe man ihr in Aussicht gestellt.
Für Elfy würde damit ein großer Wunsch in Erfüllung gehen. 
Auch, weil ihr Sohn sie besuchen will.
„Ich möchte so gern mit ihm Weihnachten feiern“, sagt sie.
Mario ist mittlerweile 18 Jahre alt und lebt in einer anderen Stadt.
Sie sehen sich nur selten.
Er habe eine geistige Beeinträchtigung und wisse nichts von ihrer Obdachlosigkeit, sagt Elfy.
Sie schaut auf ihr Handy. Das Wohnheim hat noch nicht angerufen.
Für einen Moment verschwindet das Lächeln aus ihrem Gesicht.

II.
Freue dich und sei fröhlich!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.


Jerusalem ist zerstört als der Prophet Sacharja seine Visionen hat.
Zerstört von Krieg und Schuld, von Rache und Hass. Kein Ort, wo man leben kann.
Dorthin ziehe ich, sagt Gott. Dort will ich wohnen.
Ich ziehe in keinen Palast und in keinen Tempel. Ich ziehe auch nicht hinter hohe Mauern.
Nein, ich will im Schutt wohnen und in den Ruinen. Zwischen Steinen und Asche.
Ich baue mir ein Lager, wo es keine Zukunft gibt.
Bei den Vergessenen und Verlassenen. Bei den Heimatlosen suche ich meine neue Heimat.

III.
Siehe, ich komme und will bei dir wohnen.

Gott ist auf Wohnungssuche.
Er nimmt Wohnung bei einer jungen Frau namens Maria.
Ihr Körper wird zum Tempel seiner Gegenwart.
Sie ist eine einfache jüdische junge Frau in Nazareth. Nichts besonderes.
Mit normalen Träumen eines jungen Mädchens
und einer normalen Zukunft, was in jener Zeit heißt, dass es gerade so reicht.
Sie steht morgens auf und tut, was man so tut.
Sie näht und backt, pflanzt und erntet, füttert Tiere und wäscht die Wäsche,
presst die Trauben zu Wein. Abends geht sie früh schlafen.
Und sie hofft, dass Joseph gut zu ihr sein wird. Aber wer weiß das schon?
Und jetzt ist auch noch Gott mit an Bord. Was soll das nur werden?
Aber nun ist das wohl so.

Ja, Gott hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte
und gemeinsam mit Maria und Josef begibt sich er auf den Weg in die Stadt Davids.
Ein schwerer Weg mit schwerem Körper und Wasser in den Beinen.
Und sie finden keine Herberge. Gott auf Herbergssuche.
Und er kommt zur Welt in mitten von Tiergebrüll und Stallgeruch.
Geboren von Heimatlosen und Vertriebenen
teilt er das Schicksal der Heimatlosen und Vertriebenen dieser Erde.
Gott wird geboren in einem Futtertrog, im Zelt eines Lagers auf Lesbos
und unter der Brücke in einer deutschen Stadt, irgendwo.
Auf der Flucht vor den Bomben, die auf Pforzheim fielen,
und im Kreißsaal einer Großstadt mit lauter anderen Geburten zusammen.

Dort kommt Gott zur Welt - im Staub und im Stroh,
inmitten von Kacheln und auf schmutzigem Zeltboden.
Und dort ist Gott dann und bleibt.

IV.
Freue dich und sei fröhlich!
Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen.


Bei dir und bei mir - so wie du bist, so wie ich bin.
Stell dir vor, Gott klingelt und putzt seine Schuhe an der Fußmatte ab,
darauf steht vielleicht „home“. (2)
Vielleicht steigt er über die Schuhe, die du nicht aufgeräumt hast.
Vielleicht ist es dir peinlich, wie es bei dir aussieht.
Die Spinnweben in der Ecke.
Die Einkaufstasche liegt halb unausgepackt herum.
Die Krippenfiguren liegen noch auf der Kommode.

Und eigentlich hast du überhaupt keine Zeit für deinen neuen Mitbewohner.
Kopf und Herz sind zu voll mit dem ganzen Unerledigten.
Die Karten, die du schreiben wolltest, aber nicht geschrieben hast.
Der Anruf bei der Mutter, den du vor dir herschiebst.
Und das letzte Gespräch mit dem Chef.
Bei dem Gedanken daran zieht es dir sofort wieder in den Bauch.
Warum hat der nur so komische Fragen gestellt? Habe ich zu viel falsch gemacht?
Und die Kinder in den griechischen Flüchtlingslagern, auch die lassen dir keine Ruhe.

Und jetzt auch noch womöglich Gott. Hier bei dir.
Du bist dir nicht sicher, ob du das aushältst. Ob dir das nicht zu viel wird.
Denn dann müsste doch erstmal die Einkaufstasche ausgepackt werden
Und die Krippenfiguren an ihren Platz stellen.
Gott soll sich ja wohlfühlen.
Das muss doch alles richtig sein, schließlich ist ja Weihnachten.

V.
Aber Gott zieht ihre Schuhe aus, schaut sich neugierig um und fühlt sich sichtlich wohl.
Nichts muss richtig sein für Gott. Im Gegenteil.
Gott kommt in die Ruinen Jerusalems
und in ein Kaff namens Bethlehem mit den merkwürdigsten Gestalten um sich herum.

Hör auf, dich richtiger für mich machen zu wollen, sagt Gott.
Gerade in deinem so unperfekten Leben bin ich zuhause.
In deinen Fragen und deiner Angst - bin ich da. In deinen Zweifeln an dieser Welt.
In deiner Ratlosigkeit, weil du nicht weißt, wie du wirklich was ändern kannst.
Ich will nicht im Heiligtum wohnen. (3)
Sondern bei dir. Wo du leidest und wo du liebst.
Und ich bin gekommen um zu bleiben.
Setz dich also hin und schau dich selbst liebevoll an und die Welt auch.

VI.
Siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht er Herr.
Er hat sich aufgemacht.


Du findest Gott in Elfy, die nach einer Bleibe sucht - und nach Liebe.
Ob es bis heute geklappt hat, weiß ich nicht.
Aber sie wollte nochmal einen neuen Anlauf nehmen. Nochmal anrufen beim Wohnheim.
Vielleicht triffst du sie auf der Straße und du rümpfst deine Nase, wie sie heute wieder aussieht,
aber dann denke daran: du siehst Gott, wenn du sie siehst.
Frage sie, wie du ihr helfen kannst. Vielleicht freut sie sich über ein warme Tasse Kaffee.
Und am meisten freut sie sich vermutlich über eine Sozialpolitik,
die ihr eine Chance zum Überleben gibt.

Du findest Gott in den Trümmern und Bruchstücken dieser Welt.
In den Kindern der griechischen Flüchtlingslager, um die sich Europa nicht schert.
Und bei den Fluchthelfern, die sie da rausholen wollen.
Du findest Gott in den Behelfsunterkünften deines Lebens.
Wo es laut und unruhig ist und manchmal auch ganz still.
Du findest ihn in einer Maria, die ihr Leben ganz neu sortieren muss
und sie weiß nicht, wo sie bleiben kann. Aber Gott bleibt bei ihr.

Du findest Gott in deinem Leben. Und er bleibt - auch bei dir.
Und für dich singen die Engel.
Amen.

Lied: Tochter Zion, freue dich

(1) Auf das Leben von Elfy hat mich Dieter Puhl aufmerksam gemacht. Ihre Krebserkrankung habe ich in meiner Predigt nicht erwähnt. Zu lesen in https://www.tagesspiegel.de/berlin/obdachlosigkeit-in-der-hauptstadt-wie-eine-krebskranke-berlinerin-auf-der-strasse-ueberlebt/25358950.html

(2) Wortideen von Birgit Mattausch

(3) Wortideen von Sebastian Wolfrum

Sonntag, 15. Dezember 2019

Welten entdecken

Predigt zum 3.Advent 2019 über Jesaja 40,1-11
verschränkt und verwoben mit den wunderbaren Gedanken und Formulierungen von Thomas Hirsch-Hüffel*

Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott.
Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr,
dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist;
denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.

Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!
Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden,
und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;
denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden,
und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des Herrn Mund hat's geredet.

Es spricht eine Stimme: Predige!, und ich sprach: Was soll ich predigen?
Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde.
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt; denn des Herrn Odem bläst darein.
Ja, Gras ist das Volk!
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.

Zion, du Freudenbotin, steig auf einen hohen Berg;
Jerusalem, du Freudenbotin, erhebe deine Stimme mit Macht;
erhebe sie und fürchte dich nicht!
Sage den Städten Judas: Siehe, da ist euer Gott; siehe, da ist Gott der Herr!
Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.
Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.
Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte.
Er wird die Lämmer in seinen Arm sammeln
und im Bausch seines Gewandes tragen und die Mutterschafe führen.


I.
An den Wassern von Babylon sitzen sie und weinen.
Ins Exil verbannt. Weit weit weg von zuhause. Entwurzelt.
Irgendwie haben sie sich daran gewöhnt.
Die Sehnsucht überdeckt mit dem Alltäglichen.
Tun, was man halt so tun muss, um nicht aufzufallen.
Manchmal aber kribbelt es.
Und sie wissen genau: Das kann es noch nicht gewesen sein.

II.
Es ruft eine Stimme:
In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg,
macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!


Das hier in Babylon, das kann es noch nicht gewesen sein.
Ist das nun die ersehnte Veränderung?
Sie erinnern sich:
Ihre Vorfahren brachen einst aus Ägypten aus und wagten sich in die Wüste hinein.
Und nun ein erneuter Aufbruch? Wieder in die Wüste.
Ungewiss, was dabei rauskommt und wo man landet.
Aber mit dem sicheren Gefühl: es ist jetzt dran, sonst vertrocknen wir wie das Gras im Sommer.

III.
Das kann es noch nicht gewesen sein. Das ist noch nicht alles, was jetzt ist.
Wir sind noch nicht fertig. Immer wartet in uns etwas auf seine Geburt.
Immer ist das, was wir eigentlich sind größer als das, was wir leben.
Beate könnte auch Kinder-Animateurin auf Sizilien sein. Sie verkauft aber Reisen in Pforzheim.
Sie hätte den Blick für Architektur und das Ohr für fremde Klänge.
Aber das kann sie nur ahnen. Ihre Entscheidung fiel einmal anders aus.

Jede merkt, was noch möglich wäre an den wiederkehrenden Pubertäten:
es summt in den Knochen, die Glieder wollen etwas  – aber noch ohne Ziel.
Ein anderer Mann hätte es auch sein können, eine andere Stadt.
Eine einzige Palme im Fernsehen beißt das Herz, und schon ist die Fantasie unterwegs:
Nicht nur Reisen verkaufen, sondern selber reisen und darüber schreiben?
Bin ich eigentlich noch ganz anders?


IV.
Berge fallen und Täler werden erhöht.
Verlässlich stellen sich unter der scheinbar festen biografischen Erdkruste
tektonische Verschiebungen ein. Hochhäuser und andere Lebensgebäude wackeln.
In der Tiefe Magma, glühend. Gelegentlich Ausbrüche vulkanischer Natur.
So ungeheuer flüssig wie der Erde Inneres, so unermesslich reich ist die Seele.
Wir könnten so viel mehr als in diesem Leben.

Vielleicht denke ich, ich sei schon ziemlich fertig und endlich stabil. 
Aber fertig sind wir erst im Tod, und selbst da: wer weiß … – 
vielleicht sehen wir dann die ganze Vielfalt unserer Tiefen und Gebirge.
Das wäre die ungeheure Landschaft, die immer in uns wohnte und bereist werden wollte.

Aber warum dann nicht jetzt? Warum immer nur die faulen Kompromisse?
Und wann ist der richtige Zeitpunkt für den Aufbruch, für das Große,
für die Möglichkeiten, die da sind?

V.
Das Große kommt. Etwas, das sich nicht greifen lässt.
Und ich stehe vor meiner eigenen Sehnsucht nach dem ganz anderen in mir
und stammel „Was soll ich glauben, was kann ich predigen“.
Ach wie gut ich den Propheten verstehe. Und wie gut, dass es auch ihm so geht.
Dass auch er spürt: Hier verschiebt sich was, das noch zu groß ist für mich.
Es wirft mich aus der Bahn, obwohl ich doch vielleicht eine Bahn legen sollte.
Aber ich setze mal einen Fuß dorthin und taste mich vor in meine Seele hinein
Schaffe Platz für das Große, das da kommt.
Adventszeit ist eine gute Zeit dafür.

VI.
Siehe da ist euer Gott, ruft der Prophet.
Und ich sehe die 17jährige, die einem Mann namens Josef versprochen ist.
Sie tut, was alle Mädels in der Zeit damals tun:
sich auf ein Leben in einer Ehe vorzubereiten, den Eltern zu helfen,
zu träumen und zu arbeiten, was anliegt.

Aber in ihr wohnen ganz andere Welten. Die sprechen eines Tages zu ihr.
Als ganz am Rand ihres Sehfeldes eine Figur auftaucht. Etwas Helles, anders als alles.
Mit Flügeln wohl und zum Fürchten auch.
In dir bereitet sich etwas Großes vor, sagt es –
oh oh. Was soll mir das? Ich bin doch verplant.

Aber da ist das Summen in den Knochen, die schlaflosen Nächte.
Da entsteht etwas wie aus dem Nichts und es keimt.
Neun Monate wird es reifen. Bei manchen und manchem dauert es viel länger.
Was nun geschieht, will einfach nur erwartet werden.
Das Erdbeben unter den Füßen, die heiße, grundlose Freude beim Aufwachen,
das Weinen ohne Anlass unter der Dusche. Mir selber zuschauen, wie an mir gearbeitet wird.
Adventliches Warten darauf, dass etwas ausgetragen und endlich geboren wird.
Marianische Existenz in guter Hoffnung.


VII.
Macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott.
Halte dich bereit.
Horch hinein in die großen Räume, die auch noch begehbar wären.
Lass dich nicht zu schnell besetzen von Sachen, die dir den Horizont vernageln.

Setz dich zu den Israeliten an die Wasser von Babylon und höre ihnen zu.
Lausche auf die Sehnsucht in dir. Auf deine Ungeduld.

Bleib ‚jungfräulich‘ empfänglich, denn immerzu kann Großes mit dir geschehen.
Was dann entsteht, braucht Begleitung.
Der Entschluss zu reisen und Reisebücher zu schreiben, ist sowas.
Das Kind der 17jährigen wird von schützenden Träumen, Schafhütern
und fernen Gestalten begleitet werden.
Was geboren wird, braucht Schutz –  noch ist es klein.

Und was tut Gott? Er ist da. Er wächst  – mit mir und in mir.

Und er kommt mir zugleich entgegen
und wenn ich mich verloren habe oder nicht mehr weiter kann,
dann wickelt er mich ein in den Bausch seines Gewandes und trägt mich.

VIII.
Siehe da ist euer Gott, ruft der Prophet.
Und die Freudenbotin steigt auf den Berg und ruft es laut in die Welt.
Gott ist da.

Gott ist das Ganze eurer Möglichkeiten.
Er ist Palme, Engel, Sehnsucht und eure Antwort darauf.

Er ist Ungeduld und Aufbruch, Hoffnung und Erschöpfung zugleich.
Er ist in eurer Wüste und an den Wassern von Babylon,
In euren Tränen und in euren Liedern - damals und heute.

Erwartet ihn. Er nimmt euch mit.
Amen.




* Der Blog von Thomas https://unglaeubigesstaunen.wordpress.com/ ist sehr sehr zu empfehlen! Alles, was in dieser Predigt in dieser Farbe markiert ist, ist dem Blogbeitrag "Advent 17" entnommen oder entlehnt (https://unglaeubigesstaunen.wordpress.com/2017/10/03/advent-17/?fbclid=IwAR2TUGN2mUGSjMmkzTF8NmjykWf090pgaeaLROehRHCj7DHsTCIG3x0s_Zw). Thomas selbst hat mich darauf aufmerksam gemacht, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Montag, 9. Dezember 2019

Der Sommer Gottes

Predigt zum 2. Advent über Lukas 21,25-33

(mit Dank für einige Anregungen von Beate Stutter)

I. Wankende Welt

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen,
und auf Erden wird den Völkern bange sein,
und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge,
die kommen sollen über die ganze Erde;
denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.


Manchmal gerät die Welt ins Wanken.

Da wird dir bange. Da zählt nichts mehr, was vorher zählte.
Als hätte einer das Unterste zuoberst gekehrt.
Von dem Tempel in Jerusalem steht kein Stein mehr auf dem anderen. 

Kein Backup steht bereit, keine Versicherung, keine Hilfe.


Manchmal gerät die Welt ins Wanken.
Die Wogen des Meeres schlagen über dir zusammen:

die Wogen der Angst, der Resignation,

die Wogen einer Diagnose lässt dich untergehen.

Manchmal gerät die Welt ins Wanken.
Da verstehst du nicht, was auf dem Mittelmeer geschieht.
Da spricht ein AfD-Politiker locker von Umvolkung
und du fragst dich, ob alles wieder von vorne los geht.
Die leisen Töne hört man nicht mehr.
Und du fragst dich, warum sich das eigentlich nie ändert.


II. Erhobene Häupter

Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen
in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wenn aber dieses anfängt zu geschehen,
dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.


Kopf hoch - morgen ist auch noch ein Tag

Kopf hoch - das wird schon wieder
Kopf hoch - so schlimm ist es doch gar nicht

Kopf hoch - bald hast du es geschafft
Kopf hoch - bald bist du wieder gesund

Kopf hoch - vielleicht besuche ich dich ja mal
Kopf hoch - nun reiß dich zusammen


Billiger Trost. Das spürst du sofort.
Der kommt aus der Unsicherheit:

Was soll man schon sagen, wenn einem die Welt ins wanken gerät?

Wie Mut machen, wenn man doch nichts ändern kann?

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!


Billiger Trost auch hier? Nein, genau das nicht.

Da sagt einer nicht: Kopf hoch!, sondern:
Seht auf! Erhebt eure Häupter! 

Wer sein Haupt erhebt, verliert dabei nicht seine Würde.

Wer sein Haupt erhebt, steht mit ganzem Körper da, mit allen Fasern seines Lebens.
Gedanken und Gefühle sind auch dabei. Und alle Demütigungen und Verletzungen.
Auch sie stehen aufrecht da.
Seht auf - nicht einfach nur Kopf hoch.
Seht auf. Seht den Tatsachen ins Gesicht. Auge in Auge.
Schaut euch um und steht mit beiden Beinen auf der wankenden Welt.


Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!

Es gibt einen Grund, erhobenen Hauptes in der Welt zu stehen.

Die Erlösung naht. Auch im Dunkel. Gerade im Dunkel!

Mitten im Heillosen. Mitten im Unfrieden.
Diese Erlösung richtet dich auf. Stellt dich hin. Lässt dich sehen.
Die Erlösung naht für die Todkranken, für die Schiffbrüchigen,
für die Einsamen, für die Verbitterten, für die Hoffnungslosen.
Die Erlösung naht.
Da ändert sich alles - auch für dich und für die ganze Welt. Und zwar bald...
Wie bald?

III. Sommerzeichen

Und er sagte ihnen ein Gleichnis:
Seht den Feigenbaum und alle Bäume an:
wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es,
so wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist.


Sommer? Jetzt?
Die Blätter treiben aus, Zeichen dafür, dass grün alles werd.
Blumen, benetzt vom Tau und nicht von einem Wolkenbruch,
beschienen von einer friedlichen Sonne. Sommer auf der Erde,
Erlösung von der Kälte und Starre des Winters und der warmen Kleider.
Früchte auf den Märkten, warme Abende vor dem Haus, in den Gärten,
eine leichte Zeit, in der Menschen sich öffnen,
ihre Seelen schwingen sich wie Vögel in den Himmel,
Menschen leben mit lachenden Herzen,
Sommerzeit - Reich Gottes Zeit.
Erlösung von allem, was die Welt dunkel macht.

Sommer jetzt?
Wir schmücken unsere Bäume mit Lichtern, mit Süßigkeiten, mit Äpfeln.
Wir schmücken die Bäume, die auch im Winter Grün tragen.

Wir holen das Grün und das Licht in unsere Häuser,

weil wir sonst nicht glauben können, dass wieder Sommer wird.

Nicht mal, dass wirklich Weihnachten wird.
Wir holen ins Wohnzimmer, wonach wir uns sehnen.
Dass das Leben viel mehr ist, als uns die wankende Welt glauben machen will.

Wir brauchen die kleinen Lichter,
 damit wir das große Licht erkennen, wenn es kommt.
Und es kommt! Nicht nur für uns!

IV. Vergehende Welt und aufgerichtete Menschen

So auch ihr: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht,
so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
Wahrlich, ich sage euch:
Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.
Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht.


Erlösung ist keine kosmetische Korrektur. Erlösung ist Veränderung ganz und gar.
Die Gebückten richten sich auf. Die Verbitterten fangen an von Herzen zu lachen.
Tränen versiegen und Familien werden nicht durch eine Krankheit zerstört.
Die Welt muss ins Wanken geraten, weil sie nicht bleiben kann, wie sie ist.
Weil sie nicht bleiben darf, wie sie ist!

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht! 


Die Erlösung kommt - sie kommt von außen, steht vor der Tür und klopft gleich an.

Man muss immer mit ihr rechnen, und es ist gut mit einer Zukunft zu rechnen,
in der Menschen sich erheben und aufrecht stehen und wissen, was dran ist.
Sie schauen hin und setzten sich der wankenden Welt aus, 

sie schauen hin und reden nichts schön,
sie lassen sich nicht vorgaukeln, dass es schon nicht so schlimm sei
und dass uns das Leid der anderen nichts anginge.


Da kommt etwas, das verändert die Welt

und die darauf hoffen, resignieren nicht,
sondern stehen mit beiden Beinen fest auf der wankenden Welt.
Sie sehen auf den Menschensohn, Jesus, 

und bei seinem Anblick wissen sie, 
dass etwas Gutes folgt,
ihre Erlösung.

V. Siehe, alles ist gut

Wie war es noch, ganz am Anfang?
Gott spricht und es kommt das Licht und Leben entsteht.
Und es ist gut. 

Es ist nicht spektakulär, es wird nicht weiter gerühmt,

keine Posaunen erklingen beim ersten Grashalm am dritten Tag.
Aber es ist der erste Sommer der Erde, mit dem das Leben laut Bibel beginnt.

Gott sagt: „Gut“ zum Leben, gut zum Licht, gut zur Welt und das genügt. 



Gott spricht: Eure Erlösung naht. Seht auf. Steht auf.
Wenn Gott spricht, dann geschieht, was er verspricht.
Das Gute kommt so wie der erste Grashalm im Frühling.

Und wenn Gott spricht, dann geraten Menschen in Bewegung und sie folgen dem Licht.

Sie holen andere aus der Gefangenschaft in Ägypten heraus
und führen sie durch die Wüste 
hinein in den fruchtbaren Sommer des gelobten Landes.
Sie sammeln Geld für ein Rettungsschiff
und gehen auf die Straße für eine lebenswerte Zukunft.
Sie engagieren Rechtsanwälte für von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge
und holen wenigstens ein paar aus dem Gefängnis.
Ja, aufrecht gehende Menschen, die wissen, dass die Erlösung naht.
Und die selber Gebückte und Gebeugte aufrichten - weil Gott es sagt.

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Manchmal gerät die Welt ins Wanken.
Aber du siehst erwartungsvoll dem Sommer Gottes entgegen .
Er tritt ein in dein Leben und in diese Welt.
Und selbst wenn du gerade zu müde bist und deine Welt aus dem Wanken nicht herauskommt:
der Sommer Gottes kommt.

Manchmal gerät die Welt ins Wanken.
Und manchmal liegst du am Boden. Aber deine Erlösung naht. Gott richtet dich auf.
Und er zeigt dir, wo der Sommer ist und das Lachen und das Grün und das Licht.

Fang einfach mal an. Zuerst mit dem Rückgrat: aufrichten. Und dann Aufsehen.
Tun, was man tut, wenn die Erlösung nah ist. Die Tür aufmachen für den Erlöser.
Noch ein Bäumchen pflanzen und achte auf das Gras im Frühling.
Sieh auf und du wirst sehen: Der Tag ist nicht mehr fern.
Amen

Freitag, 29. November 2019

Ihr gebt die Zukunft nicht auf!

Dank an Fridays for future
Rede anlässlich #NeustartKlima“-Demo von Fridays-for-future in Pforzheim*
29.11.2019

Danke, Friday for future Pforzheim! Danke, dass ihr da seid - hier (im strömenden Regen).
Aber ganz vor allem: Danke, dass ihr die Zukunft nicht aufgebt!

Ich stehe hier als Kirchenfrau. Ich vertrete eine Institution, die viele für altbacken halten, für von gestern. Und ja, manchmal stimmt das auch. Aber Gott sei Dank nicht immer. Wenn es um Ökologie geht und um Klimaschutz, um Müllvermeidung und gerechten Handel, dann ist das bei uns schon lange Thema. Allerdings taten wir das nicht, weil wir womöglich klüger als andere gewesen wären. Nein, wir bekamen durch unseren Kontakt zu Christen und Christinnen in aller Welt deutlicher und öfter zu hören: was wir hier tun, hat Folgen für die ganze Welt. Es ist nicht egal. We are one.  We are one - und wir leben auf der einen gemeinsamen Welt.

Schon Anfang der 80er Jahre redeten wir von Bewahrung der Schöpfung. Seit den 00er Jahren gibt es den sogenannten Grünen Gockel für unsere Gemeinden (das ist  ein Ökosiegel) und seit 2011 gibt es ein Klimaschutzkonzept. Ziel: bis nächstes Jahr sollen 40% CO2-Emissionen reduziert werden. Und dieses Ziel wird auch erreicht.

Aber - und das sage ich selbstkritisch: in vielen Gemeinden und Kirchen ist das dennoch mühsam. Viele wollen vom Klimawandel nichts hören. Autofahren ist immer noch selbstverständlich. Fliegen auch. Wir verschleudern zu viel Energie. Wir sind nicht konsequent. Und damit leben auch wir in unseren Kirchen hinterm Mond.
Vor allem haben wir aufgehört, Druck auf die Politik auszuüben. Auch wir Kirchenleute haben uns tatsächlich in sowas wie einen Schlaf einlullen lassen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Klimaziele nicht erreicht werden. Und vielleicht auch gedacht: So schlimm wird das schon nicht werden.

Doch nun ihr. Ihr habt uns wachgerüttelt. Und dafür Danke! Danke, dass ihr die Zukunft nicht aufgebt! Danke, dass ihr euch nichts mehr vormachen lasst. Ihr fordert einen Neustart für das Klima. Richtig so.

Danke, dass ihr laut seid. Danke, dass ihr uns alle daran erinnert, worauf es ankommt: dass alle gut leben können - alle!  Auch die Ärmsten der armen Länder, die als erstes unter der Klimaerwärmung leiden. Und ihr erinnert uns daran, dass auch eure Kinder und Enkel noch gut leben wollen.

Ihr setzt euch dafür ein, dass die Zukunft lebenswert bleibt. Dass man frei atmen kann, dass Kinder weiterhin draußen spielen können, dass wir sauberes Wasser für alle haben und gesunde Lebensmittel.  Ihr kämpft dafür, dass es noch ein Zukunft für alle gibt und nicht nur für einige wenige Reiche. Danke, dass ihr dafür kämpft!

Viele von uns Alten halten euch ja für verrückt: Man beschimpft euch als Schulschwänzer.
Nicht wenige halten euch für Klimahysteriker, manche sprechen gar von Klimareligion oder Klimasekte. Von Alarmismus ist die Rede. Und von Ökodiktatur.

Dass das Quatsch ist, brauche ich euch nicht zu erzählen. Aber den Kirchenleuten, die euch unterstützen, wird dasselbe vorgeworfen. Dabei wird vor allem vollkommen übersehen, dass ihr die Wissenschaft auf eurer Seite habt. Ob wir noch 5 Jahre haben oder 10 oder 20, bis wir die CO2 Emissionen auf Null gebracht haben sollten - darüber sind sich nicht alle Wissenschaftler einig. Aber selbst wenn wir noch 20 Jahren hätten, müssten wir jetzt endlich richtig loslegen.
Und nicht noch Maßnahmen einführen, die die deutliche Reduzierung von CO2 noch bremsen, wie die Pendlerpauschale und der größere Abstand von Windkraftanlagen zu Wohnungen. Ob wir wirklich noch 20 Jahre haben, bezweifle ich, weil wir jetzt schon die einige Kipppunkte erreicht haben, die den Klimawandel umumkehrbar machen.

Aber Tatsache ist: Wir können nicht mehr warten. Act now! Krempelt die Ärmel hoch, liebe Politiker und Politikerinnen und liebe Bürger*innen, und trefft Entscheidungen, die wirklich was ändern - Entscheidungen, die vermutlich nicht populär sind, weil sie unseren Lebensstil in Frage stellen. Aber wir brauchen diese Entscheidungen. Und das hat mit Ökodiktatur nichts zu tun, sondern mit Vernunft. Das hat auch mit Hysterie und Religion nichts zu tun, sondern mit Verantwortung und Respekt.

Klimahysteriker, Klimareligion, Ökodiktatur - darüber könnte man lachen, wenn es nicht so traurig wäre und vor allem so fatale Folgen hätte. Wegschauen, ignorieren, wegdiskutieren - das alles geht nicht mehr. Denn wir müssen jetzt handeln. Jetzt und nicht erst in 10 Jahren. Und alle, die sich dafür einsetzen, brauchen unsere Unterstützung.

Wir Christen und Christinnen haben den Auftrag von Gott, seine Schöpfung zu bewahren, sie zu erhalten und zu schützen. Wir lieben das Leben, das Leben ist uns von Gott geschenkt und jedes Leben auf dieser Welt ist wertvoll.  Diese wunderbare Welt ist es wert, dass wir uns für sie einsetzen, dass wir für sie kämpfen, für sie tanzen und singen, laufen und schreiben und - ja, dass wir laut sind für sie. Damit endlich was passiert.

Danke, dass ihr laut seid! Und auch wir werden laut sein und dran bleiben, das verspreche ich euch. Das Klima braucht einen Neustart.

Und darum stehe ich hier - mit euch. Ihr habt uns aufgeweckt.
Danke, dass ihr uns nicht aufgebt. Danke, dass ihr die Zukunft nicht aufgebt.

*Rede zum Auftakt der Demo in Pforzheim

Sonntag, 3. November 2019

Gott gibt nicht auf

Arche Rebella und Regenbogen, Noah und Greta
Predigt zu Genesis 8, 18-22 und 9, 12-17         (1) 

(mit herzlichen Dank an Ann-Kathrin Knittel, von der ich einige Formulierungen und Wort-Kombinationen übernommen habe)


1.
Früh morgens um 4 Uhr bauten sie die Arche - mitten in Berlin, an der Siegessäule.
Ein Schiff aus Holz. Ein Schiff - pink angemalt.
Bereit, jedes Lebewesen an Bord willkommen zu heißen.
Ein Schiff, das sagt: ein „Nach mir die Sintflut“ gibt es nicht. Wir geben noch nicht auf.
„Sagt die Wahrheit“ - haben sie darauf geschrieben. „Tell the truth“.  Mitten in Berlin.
Die Arche Rebella.

Keine Arche Noah.
Aber eine Welt, die kaputt geht.
Die Archebauer und Lebensrebellen, die Straßen blockieren,
werden von vielen für verrückt gehalten.
Eine Greta Thunberg finden viele nervig.
Den Fridays-for-Future-Demonstranten wirft man vor, einer Ersatzreligion nachzulaufen. (2)

Ob es Noah damals auch so ging?
Die Bibel erzählt nichts davon, wie die anderen reagiert haben.
Sie sagt nur: Noah tat, was er tun musste. Er baute eine Arche.

2.
Ich gebe auf, sagte Gott. Ich gebe diese Welt auf.
Was hatte ich für Pläne mit ihr! Alles gut gedacht und eigentlich auch gut gemacht.
Aber hat nicht geklappt.
Das Dichten und Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend auf.
Die Erde ist voll von Gewalt.
Die traurige Bilanz von jemandem, der große Pläne hatte
und nun zieht er mit Zorn im Bauch einen Schlussstrich.
Er ist nur nicht ganz konsequent, denn er gibt nicht komplett auf.
Und darum lässt er eine Arche bauen, um doch noch ein paar zu retten.

Und für den Neuanfang.

3.
Schon als Kind habe ich nie verstanden, warum Gott das Leben vernichten will.

Ich kann es mir immer noch nicht vorstellen,
dass Gott tatsächlich wie ein zorniger Pubertierender ist,
der alles kurz und klein schlägt vor Wut.
Oder wie ich, wenn ich vor lauter Frust über einen schlechten Anfang einer Predigt
erstmal alles lösche, was ich geschrieben habe und dann das Laptop zuklappe
und mich schmollend auf mein Sofa verkrieche.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott wirklich aufgibt.
Aber ich glaube, dass er wütend ist und vor allem verzweifelt.

Ich gebe auf, sagt ein Wissenschaftler, der jahrzehntelang vor dem Klimawandel gewarnt hat,
aber kaum jemand hat auf ihn gehört.
Ich gebe auf, sagte der Bürgermeister von Tröglitz,
nachdem Nazis vor seinem Haus aufmarschierten.
Ich gebe auf, sagen mittlerweile wieder jüdische Schwestern und Brüder
und verlassen unser Land.

4.
Wie müssen sich Noah und seine Familie gefühlt haben?
In diesem Kasten auf dem Nichts schwimmend.
Hoffend, bangend, dass der Regen endlich aufhört und diese Flut ein Ende hat.
Ich pack es nicht mehr, ich gebe auf.
Vielleicht hat Noah das gesagt oder zumindest gedacht.
Aber da sind ja noch die Kinder und die Familie und die Tiere.
Und so klammert er sich an den letzten Strohhalm, den die Taube brauchte:
wenigstens für sie gebe ich nicht auf.

Wenigstens für sie nicht aufgeben. Vielleicht war das die Wende bei Gott?
Manchmal braucht es Landunter und das lange lange Warten,
dass der Vogel mit einem Zweig wiederkommt.
Ein kleines Zeichen, dass das Leben weitergeht.
Zeit, das Schiff zu verlassen und das Leben zu lieben.

5.
Ich gebe nicht auf, sagt Gott.
Es hat sich zwar nichts geändert. Menschen und Erde sind immer noch schlimm.
Aber eine Strafe bringt nichts. Ich will die Erde nicht noch einmal verfluchen.
Die Herzen der Menschen sind hart. Keiner ist ohne Schuld.
Wie vor der Flut, so nach der Flut.
Aber ich gebe sie nicht auf: weder die Menschen noch meine Welt.
Denn da ist dieser kleine Zweig im Schnabel eines Vogels.

Ja, Gott ist inkonsequent. Gott sei Dank.
Gott ist schwach geworden. Sein Herz ist weich.
Und er gibt die Hoffnung nicht auf - auch wenn nichts perfekt ist.

6.
 „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören
Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht“


Vielleicht haben wir dieses Versprechen zu selbstverständlich genommen?
In unserem reichen Europa  haben wir vergessen,
wie es sich anfühlt, wenn eine Ernte ausfällt.
Aber dass die Schöpfung bedroht ist, spüren wir sehr genau.

Dazu muss Gott die Erde aber nicht mal mehr verfluchen.
Das schaffen wir Menschen ganz allein.
Seit über 40 Jahren ist klar: so geht das nicht weiter:
wir steuern auf eine Klimaerwärmung zu, die unsere Lebensgrundlagen bedroht.
Seit 40 Jahren wissen wir, dass wir was ändern müssen – im Großen wie im Kleinen.
Getan hat sich aber nicht viel. Nur, dass die Zeit immer knapper wird.
Viele wollen was tun, ich auch und bin doch nicht konsequent.
Und andere handeln weiter gemäß dem Motto: Nach uns die Sintflut.
Wir haben Angst davor, ernsthaft umzusteuern.
Und hin und wieder denke ich resigniert: Ich gebe auf. Es bringt doch nichts.

7.
Aber Gott gibt nicht auf.
Und er setzt auf große Gesten vor drohendem Wolkendunkel.
In der Mischung aus Regen und Sonne, Dunkel und Hell
bricht sich das Licht in seinen Farben.
Der Regenbogen, das Wunderzeichen,
magisch, mit goldenen Schätzen am Ende, das man nie erreicht.

Gott setzt den Regenbogen und verspricht: Nie wieder.
Er gibt der Welt ein Zeichen – zur Erinnerung für sich und uns.
Er begräbt das Kriegsbeil oder besser gesagt den Kriegsbogen.
Gott hängt seinen Bogen an den Nagel, schmiedet das Kriegsgerät um
zu einer schillernden Lichterscheinung, die nichts bringt,
außer dass Menschen die Köpfe heben und lächeln –
das ist noch radikaler als Schwerter zu Pflugscharen.

Der Regenbogen: Gottes „Ich gebe euch nicht auf“-Zeichen.
Und es kommt immer dann, wenn wir es am dringendsten brauchen.
Konsequent liebevoll und darum barmherzig inkonsequent.

8.
Gott gibt nicht auf.
Gott gibt sein Volk nicht auf.
In der Wüste und im Exil bleibt er immer an seiner Seite.
Er weinte mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern
um die brennenden Synagogen vor 81 Jahren
und starb mit ihnen in den deutschen Gaskammern.
Er wich nicht von ihrer Seite.

Gott gibt nicht auf.
Gott gibt Jesus nicht auf.
Er ist in ihm als er stirbt. Und er ist in ihm als er aufersteht.
Was auch immer die anderen über Jesus sagen:
Verbrecher, Sünder, Versager, Rebell -
er bleibt sein Sohn. Ist ein Teil von ihm.

Gott gibt nicht auf.
Er gibt mich nicht auf, wenn ich an mir zweifle.
Wenn ich morgens nichts aufstehen will, weil mir alles zu viel ist.
Wenn ich mir unnütz vorkomme. Wenn ich mich selber aufgebe.
Er gibt mich nicht auf. Nie. Niemals.

Gott gibt nicht auf.
Er gibt die afrikanischen Flüchtlinge nicht auf,
die der libyschen Hölle in untauglichen Schlauchbooten entfliehen.
Er kommt ihnen entgegen mit der Seawatch und der Alan Kurdi und der Lifeline.
Er wirft ihnen Schwimmwesten zu und zieht sie auf sein Schiff.
Eine neue Arche, die Leben rettet.

9.
Gott gibt niemanden auf.
Und unsere Welt und Schöpfung schon gar nicht.
Darum schickt er Jugendliche auf die Straße und Rebels for life:
die bauen mitten in Berlin eine Arche und malen sie pink an
und in Pforzheim auf dem Leopoldsplatz setzen sie sich auf die Straße.
Das sind keine Klimahysteriker oder Klimareligiösen,
wie sie immer wieder beschimpft werden.
Sondern sie geben einfach noch nicht auf.
Und mit ihnen erinnert Gott uns daran, dass seine Welt es wert ist.
Wir können für die Welt zwar keine Arche bauen,
aber endlich t, was wir können. Und das ist viel.

Wir können weniger Autofahren, weniger fliegen,
weniger Fleisch essen, weniger Palmölprodukte kaufen.
Wir können so viel.

Aber auch wenn wir das nicht können:
Gott gibt uns nicht auf.
Und darum geben wir auch nicht auf.
Schon gar nicht uns selbst.
Konsequent liebevoll und barmherzig inkonsequent.
Klammernd an jeden Strohhalm.
Zeit das Schiff zu verlassen und das Leben zu lieben.
Mit Regenbogenfarben und schillerndem Licht.
Hoffend.
Und mit Ja und Amen. (3)

(1)
So ging Noah heraus (aus der Arche) mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu alles wilde Getier, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen.
Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar.
Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig:
Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.
Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.


(2) So z.B. durch Ralf Frisch in https://zeitzeichen.net/node/7759.

(3) Lied nach der Predigt:
1. Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält. 2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder worden ist. 3. Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, zum Weg der Liebe, den er uns verheißt, zu wagen Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.




4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not. Ich sage Ja und Amen, weil gewiss ein andres Ja schon längst gesprochen ist. 

(Text und Melodie: Okko Herly)